Politik kann doch so einfach sein: Wir nehmen einfach eine Wirtschaftskrise, fügen einen Mangel an eigenen qualifizierten Fachkräften hinzu, ziehen dann Ängste der Mittelschicht vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg drunter, rühren alles gut um - und schieben daraufhin das entstandene Menu den Migranten in die Schuhe. Et voilà: Die Wähler wechseln in Scharen das politische Lager!
Diese Strategie, der Suche nach einem Schuldigen, ist nicht neu. Zuerst waren es die Italiener. Dann Spanier. Portugiesen. Die Zuwanderer vom Balkan. Ungaren. Polen. Und jetzt, die Mutter aller Feindbilder der Schweiz: die «hässlichen» Deutschen.
Der Deutsche: Das ewige Feindbild
Deshalb verwundert es nicht, dass SVP-Nationalrätin Natalie Rickli das politische Erfolgsrezept der Wählerschaft einmal mehr zum Frass vorsetzen will. Die «Quotenfrau» der Volkspartei verlangt vom Bundesrat die Ventilklausel nicht nur gegen Bürger von acht osteuropäischen Staaten, sondern auch gegen die Deutschen anzuwenden. Eine Schallplatte mit Sprung.
Natürlich: Ohne Pflegepersonal und Ärzte aus Deutschland wäre unser Gesundheitssystem längst zusammengebrochen. Selbstverständlich: Die ständigen Attacken auf das Bankgeheimnis und die von deutscher Seite aggressiv geführte Debatte im Fluglärmstreit haben unser chronisches Minderwertigkeitsgefühl noch verstärkt. Und ja: Die vermeintlich unerträgliche Streitsucht und Unhöflichkeit einiger deutscher Politiker, Unternehmer und Mitmenschen rauben uns den letzten Nerv.
SVP sollte lieber in Bildung und Krippen investieren
Das liegt jedoch nicht am «hässlichen» Deutschen, sondern an unserer nicht vorhandenen Streitkultur. Die Sehnsucht nach Harmonie und Kompromiss hat unserem Land in den vergangenen Jahren aus aussenpolitischer und ökonomischer Sicht geschadet. Mit der abgefeuerten Nebelpetarde, die medial beidseits der Grenze dankbar aufgegriffen wurde, will Rickli auch vom Versagen ihrer eigenen Partei in Wirtschaftsfragen ablenken.
Seit Jahren singen Bundesrat, Parlament und der SVP nahestehenden Wirtschaftsverbände das hohe Lied vom Fachkräftemangel in der Schweiz. Aber: Wir sind zu geizig, mehr Geld in Bildung oder beispielsweise Kinderbetreuungsmöglichkeiten für hochqualifizierte Mütter zu investieren.
Die Botschaft an die Parlamentarierin Rickli muss darum lauten: «Ball flach halten - und erst die eigenen Hausaufgaben erledigen.»



























