«Entschuldigung, liebe Gurken»

Fussball im Jahr 2012: Millionenlöcher in der Schweiz, Milliardensegen in Deutschland.

VonVolker Strohm
20.04.2012

Dieses Gemüse muss viel über sich ergehen lassen: Gurken! Wird das grüne Kürbisgewächs ausserhalb kulinarischer Diskussionen beigezogen, ist das selten schmeichelhaft. Doch besonders hart für das Gemüse ist der Vergleich mit dem Schweizer Fussball. Denn «Gurkenliga» ist ein Ausdruck, der sich zu einem stehenden Begriff entwickelt hat. Leider zu Recht, wie sich in dieser Woche einmal mehr gezeigt hat. 

Fussballvereine sind zu Unternehmen mutiert. Das Problem: An deren Spitze stehen oftmals keine wirklichen Unternehmenschefs, sondern Traumtänzer oder Profilneurotiker (oder beides). Besonders ausgeprägt ist das hierzulande zu beobachten.

Nachdem Xamax längst das Zeitliche gesegnet hat und Sion dieser Tage einmal mehr von Gerichtsinstanz zu Gerichtsinstanz eilt, steht auch Servette noch immer einen halben Schritt vor dem Abgrund. 2 der erforderlichen 5 Millionen Franken konnte der Genfer Club zuletzt zwar einsammeln, um zumindest den sofortigen Konkurs zu vermeiden. Aber unabhängig davon, wie das Gericht kommende Woche entscheiden wird, bekommt man den Eindruck nicht los, dass hier die Devise «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben» gilt.

Fehlende 3 Millionen Franken? Beim Blick zum nördlichen Nachbarn: Peanuts! Der deutschen Bundesliga spült die Neuvergabe der TV-Übertragungsrechte für die kommenden vier Saisons alleine vom Bezahlsender Sky fast 2 Milliarden Euro in die Kassen - und die Vereine hängen kräftig am Honigtopf.

Zugegeben: Spannend ist die Ausgangslage in der «Super League» (ein Name der notabene diametral zum eingangs erwähnten Gemüse daherkommt) wie seit Jahren nicht mehr. Nein, nicht auf das Sportliche bezogen. Aber Hand aufs Herz: Welche andere nationale Meisterschaft kann mit der spannenden Frage aufwarten: Wieviele Vereine werden die Saison beenden?

Die Bundesliga-Übertragungen von Sky sind in der Schweiz über Teleclub empfangbar. Bei Swisscom-TV kostet ein solcher «Live-Event» 2.50 Franken pro Spiel. Um Servette die fehlenden 3 Millionen zu bescheren, müsste ich also auf 1,2 Millionen Spiele verzichten. Mach ich nicht. Entschuldigung, Servette! Entschuldigung, liebe Gurken!

 

 

 

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Dieses Gemüse muss viel über sich ergehen lassen: Gurken! Wird das grüne Kürbisgewächs ausserhalb kulinarischer Diskussionen beigezogen, ist das selten schmeichelhaft. Doch besonders hart für das Gemüse ist der Vergleich mit dem Schweizer Fussball. Denn «Gurkenliga» ist ein Ausdruck, der sich zu einem stehenden Begriff entwickelt hat. Leider zu Recht, wie sich in dieser Woche einmal mehr gezeigt hat. 

Fussballvereine sind zu Unternehmen mutiert. Das Problem: An deren Spitze stehen oftmals keine wirklichen Unternehmenschefs, sondern Traumtänzer oder Profilneurotiker (oder beides). Besonders ausgeprägt ist das hierzulande zu beobachten.

Nachdem Xamax längst das Zeitliche gesegnet hat und Sion dieser Tage einmal mehr von Gerichtsinstanz zu Gerichtsinstanz eilt, steht auch Servette noch immer einen halben Schritt vor dem Abgrund. 2 der erforderlichen 5 Millionen Franken konnte der Genfer Club zuletzt zwar einsammeln, um zumindest den sofortigen Konkurs zu vermeiden. Aber unabhängig davon, wie das Gericht kommende Woche entscheiden wird, bekommt man den Eindruck nicht los, dass hier die Devise «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben» gilt.

Fehlende 3 Millionen Franken? Beim Blick zum nördlichen Nachbarn: Peanuts! Der deutschen Bundesliga spült die Neuvergabe der TV-Übertragungsrechte für die kommenden vier Saisons alleine vom Bezahlsender Sky fast 2 Milliarden Euro in die Kassen - und die Vereine hängen kräftig am Honigtopf.

Zugegeben: Spannend ist die Ausgangslage in der «Super League» (ein Name der notabene diametral zum eingangs erwähnten Gemüse daherkommt) wie seit Jahren nicht mehr. Nein, nicht auf das Sportliche bezogen. Aber Hand aufs Herz: Welche andere nationale Meisterschaft kann mit der spannenden Frage aufwarten: Wieviele Vereine werden die Saison beenden?

Die Bundesliga-Übertragungen von Sky sind in der Schweiz über Teleclub empfangbar. Bei Swisscom-TV kostet ein solcher «Live-Event» 2.50 Franken pro Spiel. Um Servette die fehlenden 3 Millionen zu bescheren, müsste ich also auf 1,2 Millionen Spiele verzichten. Mach ich nicht. Entschuldigung, Servette! Entschuldigung, liebe Gurken!

 

 

 

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