Auch wenn am Dienstag in New York der offizielle Startschuss zum Verkauf des neuen Microsoft-Betriebssystems «7» fiel – die wichtigere Entwicklung findet 4000 weiter westlich statt. In der «Fashion Square Mall» in Scottsdale, unweit von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona wird neben dem Burberry-Geschäft und schräg gegenüber des Louis Vuitton-Ladens hinter einer Bretterwand vernehmlich an der Inneneinrichtung gearbeitet. Seit September sucht Microsoft Personal über den Online-Vermittler talentbankpreview.com. Pro Geschäft sollen neben dem Filialleiter sieben Personen eingestellt werden. Notebooks mit dem eigenen Betriebssytem, Handies mit «Windows», den «Zune»-MP3-Playern und den X-Box-Spielkonsolen bilden das Sortiment. Ein weiterer Laden ist in Mission Viejo geplant, einem Vorort im Südosten der US-Megametropole Los Angeles. Laut einem Bericht in der «Seattle Times» soll das erste Geschäft in Scottsdale am 29. Oktober seine Pforten öffnen. Ob Microsoft mit den eigenen Geschäften auch nach Europa und/oder in die Schweiz kommen wird, ist laut Microsoft-Sprecherin Barbara Josef nicht klar.
Keine Erfolgsgarantie
Microsoft kopiert mit dieser Strategie Apple. Seit Mai 2001 verkauft Apple eigene Hard- und Software in den eigenen Geschäften. Das funktioniert laut Analysten (auch) deshalb sehr gut, weil Apple alles, den ganzen «Stack» von Hard- und Software, inklusive Betriebssystemen, in den puristisch gestalteten Läden aus einer Hand anbietet. Inzwischen sind weltweit rund 280 Apple-Stores eröffnet worden.
Eigene Geschäfte sind indes keine Garantie für einen Erfolg: Der Computerkonzern Dell beispielsweise scheiterte mit seinem «Kiosk»-Konzept, weil Kunden dort die Geräte zwar berühren und ausprobieren durften. Aber sie konnten sie nicht gleich mitnehmen, sondern sie mussten sie über das Internet bestellen. Analysten halten es zudem für schwieriger, wenn ein Unternehmen wie Microsoft, das mit Ausnahme der x-box nur Software produziert, als Markenname ausreichend stark ist, um Kunden in die eigenen Geschäfte zu locken. Immerhin dürften die Microsoft-Geschäfte optisch deutlich attraktiver sein als die üblichen Verkaufspunkte, die teilweise den Groove von Lagerverkäufen haben.
Starker PC-Absatz im dritten Quartal
Microsoft ist auf einen Erfolg angewiesen. Die bevorstehenden Quartalszahlen dürften auch für Microsoft nach dem Glanzzahlen von Apple gut ausfallen. Zwar rechnen die Analysten von Goldman Sachs für Microsoft mit einem Umsatzrückgang in der «Client»-Sparte von 8% (ursprünglich lag ihre Prognose bei minus 13%) im Vergleich zum Vorjahr. Weil aber besonders die Notebook-Verkäufe an Privatkunden sowie von Kunden aus aufstrebenden Ländern laut den Marktforschern von Gartner mit einem Plus von 18% gegenüber dem Vorquartal besser als erwartet ausgefallen sind, dürfte auch Microsoft davon bei Betriebssystemen und Office-Softwarepaketen, den beiden Hauptumsatzträgern und Gewinngaranten, profitieren. Die Analysten von Morgan Stanley weisen zusätzlich darauf hin, dass Intel ebenfalls gute Zahlen vorgelegt hatte. Diese deuten auf ein Stückzahlplus zwischen 14 und 15% bei PCs hin im Vergleich zum Vorquartal hin. Alleine durch die Differenz zwischen der ursprünglichen Prognose, die bei plus 8% gelegen hatte, und den aktualisierten Werten dürfte Microsoft über 100 Mio. Dollar mehr Umsatz einspielen als zuvor berechnet. Und auch der Gewinn dürfte dadurch um einen Cent zusätzlich steigen. Für den 23. Oktober, wenn die Microsoft-Zahlen kommen, liegt der Analystenkonsens bei 12,4 Mrd. Dollar Umsatz und 32 Cents Gewinn pro Aktie.
Ganz entspannt sieht übrigens der «Burberry»-Verkäufer der Eröffnung des Microsoft-Geschäfts entgegen. «Wissen Sie – wenn Apple kommen würde, wäre das etwas anders, da würden die Fans am Vorabend kommen und gleich hier vor dem Eingang übernachten. Jetzt könnte der Microsoft-Laden eher neue Kundenschichten in die Luxus-Mall und damit auch in mein Geschäft locken.» Laut einem Bericht in der «Seattle Times» soll das erste Geschäft in Scottsdale am 29. Oktober seine Pforten öffnen.