Bern (awp/sda) - Die Euro-Schuldenkrise bremst die Erholung der Schweizer Wirtschaft. Nach Ansicht der Konjunktur-Experten des Bundes dürfte die heimische Wirtschaft 2010 aber dennoch stärker wachsen als noch vor Monaten erwartet, und die Arbeitslosigkeit dürfte bis September weiter sinken.
Mitte 2010 befinde sich die Schweiz in einer speziellen Phase, die sich durch einen starken Kontrast auszeichne, sagte Staatssekretär Jean-Daniel Gerber am Dienstag vor den Medien in Bern.
Einerseits seien die Konjunkturindikatoren für die Schweiz, die Eurozone und die USA positiver als diese noch Ende 2009 und sogar im März 2010 erwartet worden seien. Andererseits machten die Finanzmärkte aufgrund der Euro-Schuldenkrise seit Mitte März erneut eine schwere Krise durch. Länder wie China, Brasilien, Indien und die Russische Föderation wiesen überdies ein solides Wachstum aus.
Für das laufende Jahr geben sich die Experten des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) daher eine Spur optimistischer: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) nimmt gemäss der neuen Prognose um 1,8% zu. Im März war noch ein Plus von 1,4% prognostiziert worden.
Die Experten revidierten aber ihre Prognose für 2011 nach unten. Sie erwarten neu ein Wachstum von 1,6%. Im März hatten sie noch ein Plus von 2,0% vorhergesagt.
Die erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr begründet das SECO mit "der Erholung ohne Schwung" im Euro-Raum. Das könnte die Schweizer Exportwirtschaft bremsen.
Laut Gerber ist das Wachstum in der Eurozone in den letzten Monaten weitgehend auf nun allmählich nachlassende Konjunkturmassnahmen zurückzuführen und mittelfristig sind Haushaltkonsolidierungen notwendig, die sich ebenfalls negativ auf das Wachstum auswirken werden.
Dämpfend wirkt zudem der gegenüber dem Euro starke Franken. Das macht Schweizer Produkte im Ausland teurer. Allerdings hat sich der Franken seit Anfang Jahr gegenüber anderen wichtigen Währungen wie dem US-Dollar oder dem japanischen Yen abgewertet.
Im Inland erwarten die Experten des Bundes dagegen weiterhin eine solide Entwicklung, wenngleich der Schwung auch hier etwas nachlassen dürfte. Namentlich bei den Bauinvestitionen zeichnen sich leichte Abschwächungstendenzen ab.
Positive Impulse für die Konjunktur kommen weiterhin vom privaten Konsum, der sich als überaus robust erweist sowie von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Die Inflationsgefahr wird gemäss Seco gering bleiben. Die Konsumteuerung habe seit Anfang 2010 zwar eine steigende Tendenz, was indes ausschliesslich auf temporärer Ölpreiseffekte zurückzuführen gewesen sei. Eine beschleunigte Inflationstendenz zeichne sich nicht ab, dennoch erhöht das Seco die Prognosen für die Jahresteuerung auf 1,1% (0,8%) für 2010 und auf 0,8% (0,7%) für 2011.
Im Mai sank die Arbeitslosenquote gemäss den ebenfalls am Dienstag veröffentlichten SECO-Zahlen gegenüber dem Vormonat von 4 auf 3,8%. Es handelt sich zwar um den tiefsten Stand seit neun Monaten, vor einem Jahr lag die Quote mit 3,4% aber noch deutlich tiefer. Bis September rechnet Gerber mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Für 2010 prognostiziert das SECO im Jahresdurchschnitt eine Arbeitslosenquote von 3,9% und für 2011 von 3,7%. Im März waren noch Arbeitslosenquoten von über 4% befürchtet worden.
Ende Mai waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) 151'074 Arbeitslose eingeschrieben. Das sind 7'496 weniger als im Vormonat. Die absolute Zahl der Arbeitslosen liegt aber immer noch um rund 5'000 höher als im Jahresdurchschnitt 2009.
In allen 26 Kantonen sanken im Mai zudem die Arbeitslosenzahlen. Abgesehen vom Gesundheits- und Sozialwesen (Zufallstreffer) gingen die Arbeitslosenzahlen auch in allen Branchen zurück.
Insgesamt wurden im Berichtsmonat 215'264 Stellensuchende registriert. Das sind 8540 weniger als im Vormonat. Gegenüber der Vorjahresperiode stieg die Zahl damit um knapp 12%. Umgekehrt verringerten sich die bei den RAV gemeldeten offenen Stellen um 197 auf 17'097 Stellen.
gab