Sie stehen seit einem halben Jahr an der Spitze der Swissmetal. Wie haben Sie diese Zeit bis anhin erlebt ?
Olaf Schmidt-Park: Es ist eine sehr spannende Aufgabe, aber auch eine echte Herausforderung, eine Traditionsfirma wie Swissmetal durch die Krise zu führen. Meine Erwartungen an das Unternehmen haben sich weitgehend erfüllt: Was das Team betrifft, dessen Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft, so bin ich sehr zufrieden. Nicht ganz erfüllt haben sich meine Erwartungen, wie schnell ich gewisse Dinge ändern kann.
Wo sehen Sie die grössten Baustellen?
Schmidt-Park: Die grössten Potenziale sehe ich in den operativen Einheiten. Wir können in den Produktionsprozessen und den Stoffflüssen noch viel effizienter werden. Wir bieten als Spezialist und Nischenanbieter ein sehr breites Sortiment an. Dieses muss fein abgestimmt durch den Produktionsprozess laufen. Dort sind noch viele Effizienzsteigerungen nötig und möglich.
An welchem Punkt stehen Sie heute?
Schmidt-Park: Wir sind noch in der Ana-lysephase. Ich hoffe, dass im 1. Halbjahr 2010 erste Erfolge zu sehen sein werden.
Effizienzsteigerung ist vielfach auch mit Personalabbau verbunden.
Schmidt-Park: Ich sehe deutliches Verbesserungspotenzial in der Durchlaufzeit der Produkte. Dadurch werden wir die Lieferzeiten stark verkürzen. Ein Personalabbau ist derzeit nicht vorgesehen.
Ein Personalabbau bei Swissmetal dürfte angesichts der Vorgeschichte wohl zusätzliche Wunden aufreissen ...
Schmidt-Park: Wir wollen die jetzige Wirtschaftskrise mit Hilfe der Kurzarbeit durchstehen und gehen davon aus, dass uns dies auch gelingt. Wie gesagt, ein Personalabbau ist derzeit nicht vorgesehen.
Als Baustelle könnte man auch die neue Extrusionspresse bezeichnen. Hat Swissmetal die Schwierigkeiten nun im Griff?
Schmidt-Park: Wir machen gute Fortschritte. Die Presse ist ein sehr komplexes Aggregat, das unsere grosse Produktpalette herstellen muss. Und das braucht Zeit, die wir dem Team geben, um die einzelnen Probleme sukzessive zu lösen. Dennoch wird die Presse ihre volle Leistung erst Mitte 2010 erbringen. Aufgrund der jetzigen Auftragslage kommt es deswegen aber zu keinen Verzögerungen. Die Presse stellt keinen Flaschenhals dar.
Wie ist das Geschäftsjahr 2009 verlaufen?
Schmidt-Park: Die Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr war enttäuschend. Und es ist kein Geheimnis, dass das 2. Halbjahr nicht viel besser wird.
Welche Tendenzen spüren Sie?
Schmidt-Park: Wir sehen einen leichten Aufwärtstrend im 2. Halbjahr 2009. Aber sicherlich nicht in dem Masse, dass ich damit zufrieden wäre. Der Bruttobearbeitungsumsatz nimmt vom Tiefpunkt im Sommer wieder leicht zu. Zusätzlich stehen wir unter Margendruck.
Woher kommt die steigende Nachfrage?
Schmidt-Park: Wir haben positive Anzeichen aus dem Energiesektor und im Bereich der «Pen Tips», der Kugelschreiberspitzen. Anderseits ist die Decolletage-Industrie, die Dreherei, sicherlich noch in einer tiefen Strukturkrise.
Wie wirkt sich die Krise in der Automobilindustrie aus?
Schmidt-Park: Derzeit werden die leeren Lager zum Teil wieder gefüllt. Hier stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit: Die Abwrackprämie ist ausgelaufen, man spürt aber noch Nachwirkungen. Es liegt aber auch im Trend, dass unsere Kunden keine langfristigen Prognosen wagen.
Und in der Flugzeugindustrie?
Schmidt-Park: Wir verzeichnen bisher keine Stornierungen oder Verschiebungen von Aufträgen. Deshalb sind wir in diesem Bereich gedämpft optimistisch.
Das 1.-Halbjahr-Ergebnis wurde durch die Fremdwährungen negativ beeinflusst. Nun ist der Dollar noch weiter gefallen ?
Schmidt-Park: Wir haben Einbussen in Ländern wie den USA oder in Asien, in denen wir in Dollar abrechnen. Allerdings hält sich durch das niedrige Umsatzvolumen in diesen Regionen der Gesamteinfluss in Grenzen. Hier hilft uns, dass unsere Kernmärkte Deutschland, Schweiz und Frankreich währungsmässig stabil sind.
Welche Ziele will Swissmetal dieses Jahr noch erreichen?
Schmidt-Park: Das Ende des Jahres steht vor der Türe. Bis dahin sind keine Überraschungen, weder positive noch negative, zu erwarten.
Und wo soll es 2010 hingehen?
Schmidt-Park: Ich will so schnell wie möglich Erfolge in den produktiven Bereichen sehen. Zudem intensivieren wir unsere Vertriebsanstrengungen. Der Kunde steht im Vordergrund unserer Aktivitäten, wir wollen uns wieder als Entwicklungspartner anbieten. Dazu stärken wir unsere technische Kompetenz und Innovationskraft, indem wir in Anwendungstechnik sowie Forschung und Entwicklung Neuanstellungen vornehmen, auch in dieser sehr schwierigen Zeit.
Was bedeutet dies in Zahlen?
Schmidt-Park: Wir wollen nächstes Jahr im Umsatz zulegen und natürlich nicht an einen Verlust wie im Jahr 2009 denken müssen. Eine genauere Guidance werde ich nicht ausgeben.
Wie wirkt sich der steigende Kupferpreis auf Ihr Geschäft aus?
Schmidt-Park: Der Kupferpreis hat keine direkten Auswirkungen auf das Geschäft, da wir den Preis an unsere Kunden weitergeben. Meine Befürchtung ist, dass langfristig die Anwendungsbereitschaft für Kupfer zurückgeht: Je teurer Kupfer wird, desto eher versucht man, das Metall durch andere Materialien zu ersetzen.
Wie wirken Sie dem entgegen?
Schmidt-Park: Wir versuchen, mit den Kunden Lösungen zu entwickeln. Indem man beispielsweise die gleiche Performance mit weniger Material erzielt. Das ist eine Möglichkeit, Kunden weiter von der Attraktivität von Kupfer zu überzeugen.
Wie kommt die Expansion in Asien voran?
Schmidt-Park: Asien ist für Swissmetal ganz klar eine Wachstumsregion. Noch erzielen wir 60% unserer Umsätze in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Ich möchte aber viel stärker im indischen und chinesischen Markt Fuss fassen. Dort hatten wir in der Krise auch die geringsten Einbussen.
Die Produktion bleibt aber in Europa?
Schmidt-Park: Es war geplant, in Indien einen Standort aufzubauen. Wir prüfen aber derzeit, ob wir in der jetzigen Phase dort einen errichten sollten.
Weshalb haben Sie das Handelsgeschäft von Avins Ende August in Swissmetal integriert?
Schmidt-Park: Wir konzentrieren uns wieder auf unser Kerngeschäft, das heisst auf Produkte, die von Swissmetal hergestellt werden und wo wir die technische Expertise haben.
Gehören die vor zwei Jahren lancierten Kupferziegel auch zum Kerngeschäft?
Schmidt-Park: Neben der Produktportfolio-Überprüfung gehören auch Innovationen dazu. Dazu gehören auch die Kupferziegel. Sie eröffnen uns eine neue Welt: Wir werden zum Systemanbieter für alternative Heizenergie.
Heizsysteme würde ich nicht als Kerngeschäft von Swissmetal bezeichnen.
Schmidt-Park: Sicher, aber die Innovation, die in diesem Produkt steckt, macht Swissmetal stark. Wir verbinden mit den Kupferziegeln die Ästhetik unserer Architekturbronze mit moderner Wärmegewinnung - in diesem Bereich werden wir deutlich zulegen.
Die Ziegel hätten schon dieses Jahr auf den Markt kommen sollen.
Schmidt-Park: Nach einer Standortprüfung haben wir beschlossen, zunächst Beispielhäuser mit unserem System auszurüsten. Die Markteinführung ist für das 1. Quartal 2010 geplant.
Zum Schluss: Wie läuft die Zusammen- arbeit mit Ihrem Hauptaktionär Laxey?
Schmidt-Park: Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Ich habe keinerlei Klagen oder Verbesserungswünsche.