Marc Faber, Börsenexperte und Herausgeber des «Gloom Boom & Doom Report».
Wie wird sich die globale Wirtschaft im Jahr 2009 entwickeln?
Marc Faber: Sie wird weiter schrumpfen. Ich sehe keine Erholung und auch keinen Katalysator, der eine solche bewirken könnte. Das Finanzsystem ist grundsätzlich pleite. Man bezahlt Zinsen, indem man neue Schulden macht. Die Regierungen stützen das Finanzsystem und die Wirtschaft, damit sie dann auch Pleite gehen.
Welche Probleme werden noch auf uns zu kommen?
Faber: Bis vor kurzem waren die Probleme auf den Finanzsektor konzentriert. In letzter Zeit kam die zu hohe Verschuldung auch in anderen Bereichen der Wirtschaft, insbesondere bei zyklischen Industriewerten sowie in den Schwellenländern, zum Vorschein. Im Finanzsektor wird es bei den Geschäftsimmobilien, im Kreditkartenbereich und bei den Firmenkrediten noch zu gewaltigen Verlusten kommen.
Wann geht es wieder aufwärts?
Faber: Obwohl es für die Wirtschaft keine Anzeichen einer Erholung gibt, können sich die Anlagemärkte völlig unabhängig bewegen. Ich erwarte, dass wir uns bis März oder April um rund 30% an den Börsen erholen, um dann wieder zu fallen.
Droht ein weiterer Ausverkauf?
Faber: Nachdem die Gewinnlage der Firmen bitter aussieht, könnten dann noch neue Tiefpunkte erreicht werden. Währungsbewegungen müssen zudem berücksichtigt werden.
Wie sollen sich die Anleger in dieser Situation verhalten?
Faber: An allen Märkten ist die Volatilität gewaltig. Wöchentliche Schwankungen von 20 bis 30% sind bei Aktien, Devisen, Rohstoffen und sogar Obligationen nicht aussergewöhnlich. Der «Baltic Dry Index» als Frühindikator für den Welthandel stand Anfang 2008 bei knapp 12000. Kürzlich fiel er unter 700. Nickel wurde 2007 bei 53000 Dollar pro Tonne gehandelt, nun noch bei 10000 Dolllar. Der Anleger soll sich so verhalten, wie er sich wohlfühlt.
Das heisst?
Faber: Wenn er für die UBS oder die SNB arbeitet, dann hat er sich an hohe Verluste gewöhnt und kann weiterhin mit Geld, das anderen gehört, Verluste einfahren. Wenn der Anleger sein Geld selber erarbeitet hat, soll er realisieren, dass Prognosen unmöglich sind, wenn Regierungen im Markt intervenieren. Dann ist Diversifikation wichtig.