Auf sehr unkomplizierte Art und Weise wird bei den Skandinaviern Klassik und Modernität mit Wohnlichkeit verbunden - genau das, was auch in Schweizer Wohnräume passt. Und dies ist bestimmt ein Grund, sich von der Stilsicherheit der Nordländer inspirieren zu lassen: Das nordische Design vermittelt Formbewusstsein und Materialsensibilität sowie Zweckmässigkeit im Alltag und Reduziertheit. Gekonnt und einfach nachzuahmen, ist der lebendige Mix von Designklassikern, schlichten, praktischen Möbeln und organischen bzw. kubischen Formen. Die Farbigkeit ist - typisch skandinavisch - dezent, aber interessant und kontrastreich. Besonders viel wird mit Licht- und Schattentönen gespielt, wodurch die attraktiven Formen noch besser zur Geltung kommen. Auch bei den Materialien ist die Gegensätzlichkeit wichtig: Stoffe, Leder, Kunststoff und Holz leben in harmonischer Nachbarschaft, hochflorige Teppiche und Felle schmeicheln kargen Böden, feines Glas steht neben grober Keramik.
Beim Einrichten wird den Möbeln so viel Platz wie möglich gegeben. Und dies bedeutet: Keine überfüllten, allzu gemütlichen Zimmer, sondern Wohnräume mit Luft zum Leben. Das nordische Rezept ist einfach und verständlich: Schlichte Einzelkreationen, jede mit dem gewissen Etwas, werden mit viel Raum zusammengestellt, wobei jedes Möbelstück seine Eigenständigkeit und Persönlichkeit zeigen darf. So schmückt man beispielsweise das weisse Stoffsofa mit bedruckten und farbigen Kissen, der Couchtisch wird zur chicen Insel auf dem grosszügigen Fell, und auf dem Sideboard mit neuartigen Schiebe-Elementen erhält eine kleine, ausgewählte Gruppe von Vasen einen besonderen Platz. Nicht das durchgestylte Programm steht im Vordergrund, sondern ein Lebensraum, der «mitleben», sich verändern und sich stets den wechselnden Bedürfnissen der Bewohner anpassen kann.
Zum Sitzenbleiben gedacht
Eine behagliche Ecke entsteht auch mit einem schlichten Sideboard, auf dem sich Vasen, Windlichter und Bilder präsentieren, einem bequemen Sessel mit passenden Holzarmlehnen, einer riesigen Stehleuchte und einem sinnlich dunkelblauen, hochflorigen Teppich. Selbstverständlich gibt es zudem nichts Gemütlicheres, als sich zu Hause in seinen Lieblingssessel zu kuscheln und den Tag an sich vorbeiziehen zu lassen - dies besonders, wenn der Fauteuil so bequem und stylish ist, wie ein verstellbarer Relaxsessel in schwarzem Leder. Die Kreation weist eine raffinierte Gewichtautomatik für Rücken und Sitzposition auf sowie eine manuelle Verstellung der Rückenlage. Das blaue Fellkissen ist zudem das «Tüpfelchen auf dem i», der elegante Couchtisch aus weisslackierter Spanplatte und glanzverchromten Metallfüssen rundet schliesslich das Gesamtbild harmonisch ab.
Und die Accessoires? Sie können in Gruppen, als Paar oder als Einzelstücke platziert sein: So oder so passen die formschönen Vasen, Schalen und Windlichter bestens zum nordischen Einrichtungsstil.
Sitzordnung für Individualisten
Schön, dass es in Skandinavien keine feste Einrichtungsregeln gibt, denn auf diese Weise können Stylingideen mit viel Persönlichkeit umgesetzt werden. Anstelle von einheitlichen Stühlen nehmen ganz unterschiedliche Exemplare am ovalen Tulpentisch Platz und wirken dadurch einladend und persönlich: So findet man beispielsweise einen weiss lackierten Stuhl aus massiver Buche neben einer Kreation aus massiver, weiss gebleichter Eiche. Ferner gesellt sich ein hellblauer Stuhl aus patinierter, massiver Buche hinzu sowie eine stapelbare Sitzgelegenheit aus Holz, deren Schichtholzschale aus furniertem Nussbaumholz besteht.
Im nordischen Stil gedeckte Tafeln wirken reduziert - mit hübsch bedruckten Stoffsets anstelle von üppigen Tischtüchern, formschönem, weissem Geschirr, grossen Gläsern und schlichten Karaffen. Interessante Accessoires, wie eine asymmetrische Reliefschale aus Keramik, schlanke Vasen, Teelichter aus Treibholz und Windlichter aus Glas mit Metallgitter schmücken den Tisch. Moderne Formen und Naturelemente zu einem entspann-ten Look kombinieren, das können die Skandinavier wirklich gut. Es liegt an der klaren Linie und der Liebe zur einfachen, kargen Natur, dass der reduzierte, nordische Wohnstil so warm und menschlich herüberkommt. Zufälligkeit und einfache Lösungen sind die Stärken des Nordens. Da werden Felle über schlichte Holzstühle gelegt. Klar, so sitzt man bequemer und hat erst noch warm. Oder grob gewobene Wolldecken und handgestrickte Kissen geben einem coolen Sofa die gewünschte Kuschelqualität.
Licht ist im hohen Norden im Winter rar, Lampen und Kerzen sind deshalb besonders wichtig. So wird Licht stimmungsvoll und Akzent setzend mit Steh- und Tischleuchten im Raum verteilt. Hängeleuchten erweisen sich als besondere Schmuckstücke: Sie hängen tief, damit das Licht wärmer wirkt. Spots und grelle Lichtquellen werden vermieden. Kerzen brennen in schlichten Windlichtern oder majestätisch in modernen, mehrarmigen Kerzenständern. Der Bezug zur Natur wird überall spürbar gemacht: Einige wenige Zweige oder Blumen in Vasen, Früchte, Gemüse, Nüsse in Schalen, Felle auf dem Boden, über dem Bett oder auf Sitzmöbeln und Wohnaccessoires aus Holz, Keramik oder Korb vermitteln Wärme und Natürlichkeit. Viel Glas bringt Transparenz und somit Leichtigkeit in den Raum. Helle Farbtöne dominieren, dunkle Elemente sind reduziert eingesetzt und sorgen für Kontrast und Spannung.
Tisch als Treffpunkt
Ein Tisch ist der Treffpunkt in jeder Wohnung: Hier wird gegessen, gefeiert, diskutiert, liebevoll gedeckt - jede Mahlzeit als kleines Fest zelebriert. Ein nordischer Tisch jedoch wirkt nicht nur einladend, sondern auch unkompliziert zugleich. Die Tischsets passen zu den modernen, skandinavischen Tischen und wirken weniger formell als Tischtücher. Teelichter und Blumen schenken eine freundliche, festliche Note.
Bei den von den renommiertesten skandinavischen Stylisten kreierten Designklassikern liegen der weltberühmte Sessel «Egg Chair» - der «Ei-Sessel» - und der «Schwan» vom Dänen Arne Jacobsen weit vorne in der Beliebtheit. Sie sind so modern und aktuell, dass man nie denken würde, dass sie gerade 50 Jahre alt geworden sind. Dank ihren runden Formen wirken sie wie abstrakte Skulpturen und bringen Weichheit und Harmonie ins Wohnzimmer. Den «Egg Chair» gibt es bei Pfister in der Lederausführung in Schwarz oder Rot, den «Schwan» in einem edlen, antrazithfarbenen Wollstoff. Der stapelbare Formholzstuhl «3107» ist ferner ebenso beliebt wie der «Little Friend» - der «Kleine Freund». Was steckt dahinter? Hier handelt es sich um ein rundes Beistelltischchen, das 2005 vom dänischen Designer Kasper Salto für die Firma Fritz Hansen entworfen wurde. Ein passender Name für ein praktisches, unentbehrliches Kleinmöbel, das sowohl zu den Jacobsen-Sesseln wie auch zu Sofas und anderen Loungemodellen passt. Auch die wolkenförmige Glasvase «Savoy» vom Finnen Alvar Aalto kam erstmals bereits 1936 auf den Markt. Ihre organische Form erweist sich als typisch für den finnischen Architekten und Designer, der auch Sessel, Liegen und Lampen in Form gebogen hat. Die Glasvase - von der Glasbläserei Littala produziert - ist gross und klein im Zweierset erhältlich.
Schliesslich blühen wohl die berühmtesten Stoffblumen auf edel mercerisierter Baumwolle aus dem Hause Marimekko: Der Stoff heisst «Unikko» und wurde 1964 von Maija Isola entworfen, und dies kurz nach der öffentlichen Erklärung der finnischen Textilfirma, keine Blumenstoffe produzieren zu wollen. Das Gewebe ist heute noch das populärste Marimekko-Fabrikat. Bettwäsche, Tischsets und Küchentücher gibt es in dezenten Anthrazittönen, zudem stehen auch rassige, schwarz-weiss bedruckte Kissen aus den Stoffen «Joonas» und «Tuuli» zur Verfügung - beides zwei klassische Entwürfe, die deutlich die Handschrift der gleichen Designerin tragen.