Während IBM beim Einsatz von unternehmensweiter Groupware mit Domino und Lotus Notes aufwartet, setzt Microsoft seit einigen Jahren mit Exchange und Outlook dagegen. Und da der Begriff Groupware aus dem Hause IBM kommt, liebt man ihn bei Microsoft nicht so, spricht lieber von Social Computing und knüpft damit an die Versprechungen des populären interaktiven Webs der zweiten Generation an. Doch die Rede soll hier von Groupware sein. Denn es geht um anderes als Wortklauberei. Das wird schnell klar, wenn man sich für eine Lösung entscheidet.
Meist ist die Auswahl endgültig, ein Umschwenken auf das Konkurrenzsystem bedeutet Zeit- und Geldverlust. Eines der beiden Produkte muss man aber ohnehin einsetzen, weil sich im Kampf um den Markt IBM mit zuletzt 40% und Microsoft mit 51,4% nahezu den gesamten Weltmarkt für die IT-gestützte integrierte Zusammenarbeit in Unternehmen teilen. Wobei IBM in den letzten Jahren einen rund 5% stärkeren Umsatzzuwachs verbuchen konnte. Groupware von Novell, NEC oder Oracle mit Marktanteilen zwischen 4% und unter 1% spielen kaum eine Rolle.
Verstaubt oder vertraut?
Um herauszufinden, was IBM kann und Microsoft nicht, sollte man sich vor einer nicht endenden Feature-Schlacht hüten. Ein Kontrast lässt sich nachzeichnen, wenn man User und IT-Chefs befragt. Während IBM mit Domino im Serverbereich einen unstrittig guten Job macht, kommt der Client Lotus Notes meist weniger gut weg. Zu umständlich, zu langsam, zu verschachtelt, heisst es in Benutzerkreisen. Zudem hapere es bei der standardmässigen Anbindung etwa an das eben doch sehr weit verbreitete Konkurrenzprodukt.
Outlook muss mit einem eigenen Connector integriert werden. Kommt hinzu, dass sich das Design der Bedieneroberfläche als einigermassen verstaubt präsentiert. Man kann diese Kritik als Siegeszug der Quasimonopolistin Microsoft verstehen. Mit ihrer ans Office angelehnten Outlook-Oberfläche kann jeder sofort mit der Groupware arbeiten – und wer arbeitet heute nicht mit Office. Kein Umgewöhnen, keine parallelen Programme, immer das gleiche Look and Feel. Kein Wunder, schätzen die Anwender das Altbekannte.
Ganz anders bewerten IT-Verantwortliche die Situation beim Einsatz von Lotus Notes auf Domino. Für sie ist es nach wie vor die sicherste Lösung, und die dominiert denn auch bei Grossunternehmen aus der Chemie, im Militär und in der Bankenwelt. 100%ige Protokollierung und die Nachvollziehbarkeit aller Datenströme werden genauso als wesentliche Vorteile genannt wie die Anbindung an zahlreiche Plattformen. Lotus Notes liefert die umfassendere Unterstützung an Betriebssystemen und Domino an Server-Umgebungen. Zudem schwören die Verantwortlichen geradezu auf die Verwaltungs-Tools der IBM-Software, die durch die sehr einfache integrierte Entwicklungsumgebung hohe Flexibilität liefert.