Colombo (AWP/sda/afp) Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Sri Lanka wegen des ungeklärten Verschwindens von mehr als 1500 Menschen in den vergangenen zwei Jahren scharf kritisiert.
Die Regierung in Colombo sei in dieser Hinsicht einer der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt, heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Organisation. Die meisten Vermissten gehören demnach der tamilischen Minderheit an. HRW sprach in dem Bericht von einer "nationalen Krise".
Eine hochrangige internationale Kommission, die auf Einladung von Sri Lanka Menschenrechtsverletzungen untersucht, kündigte am Donnerstag an, das Land verlassen zu wollen. Die Internationale Unabhängige Gruppe Angesehener Personen (IIGEP) warf Colombo vor, Menschrechtsverletzungen nicht entschieden aufzuklären.
Bereits im vergangen August hatte die Menschrechtsorganisation Amnesty International bemängelt, dass in Sri Lanka seit 2006 "hunderte Menschen" unter ungeklärten Umständen verschwunden seien. Im Juni hatte eine nationale Untersuchungskommission eingeräumt, dass zwischen September 2006 und Februar 2006 mehr als 1300 Zivilisten ermordet wurden oder verschwanden.
In Sri Lanka kämpfen tamilische Rebellen seit mehr als 35 Jahren für einen unabhängigen Staat im Norden Sri Lankas. Die Gewalt zwischen den Rebellen der Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) und der Regierung nimmt seit Monaten wieder zu. Mitte Januar endete offiziell ein 2002 ausgehandelter Waffenstillstand, der jedoch schon seit Ende 2005 faktisch nicht mehr eingehalten wurde.