Von Christoph Bassenge, UBS Global Asset Management, Zürich
Zahlreich sind jene Investoren, die sich trotz enttäuschender Performance nicht von ihrer Anlage trennen. Dabei wäre es auf lange Frist vielleicht klüger, dem realisierten Verlust ins Auge zu sehen. Andere wiederum flüchten panisch in die Sicherheit des Bargelds, wenn die Finanzmärkte auf einschneidende Ereignisse reagieren. Wer aber seine Anlage zum «Schleuderpreis» liquidiert, wird erst später gewahr, wie schnell die Krise sich legen und wie teuer ihn der Rückkauf - falls überhaupt noch möglich - zu stehen kommen kann.
Im freundlichen Marktumfeld dagegen klammern sich viele Anleger blindlings an Wert gewinnende Investments. Dabei wäre es ratsam, deren Aussichten zu erwägen. Viele können der Versuchung nicht widerstehen, sich auf «heisse» Anlageideen und Märkte zu stürzen. Wer aber übereifrig der vergangenen Performance nachjagt, scheint zu vergessen, dass trendige Titel schon einen bedeutenden Preisanstieg hinter sich haben und es sich nicht lohnt, womöglich auf dem Höchst einzusteigen.
Manchmal erscheint eine einzelne Anlageidee, ein einzelnes Anlagekonzept oder auch ein Einzelinvestment derart attraktiv, dass gern übersehen wird, wie gefährlich unterdiversifiziert das Anlageportfolio damit ist. Wer seinem Portfolio Klumpenrisiken zumutet, ignoriert, dass eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Titel die Chance auf stetige Renditen erhöhen und das Gesamtrisiko verringern kann.
Zeitpunkt entscheidet
Solche kurzfristig gefällte Anlageentscheidungen können dem langfristigen Anlageerfolg abträglich sein. Dies wird aus Performanceanalysen zu Anlagefonds deutlich. Sie zeigen, dass die ausgewiesene Rendite eines Portfolios (Fondsperformance) über einen bestimmten Zeitraum und die Rendite, welche der durchschnittliche Anleger über diesen Zeitraum tatsächlich verdient hat (Anlegerperformance), stark voneinander abweichen können. Hauptgrund dafür ist das Verhalten des Anlegers, also weshalb und zu welchem Zeitpunkt er sich im Fonds engagierte oder wieder ausstieg.
Ein Fonds, der über die Zeit trotz möglicher Schwankungen an Wert gewinnt, zieht in Phasen guter Performance das Interesse der Anleger auf sich und damit Gelder an. In Phasen schwacher Performance dagegen verzeichnet er Geldabflüsse, weil sich unzufriedene oder verunsicherte Anleger zurückziehen. Diese prozyklische Reaktion der Anleger auf positive oder negative Trends geschieht oftmals mit erheblicher Zeitverzögerung. Somit entgeht den Anlegern bei einer Aufwärtsentwicklung anfänglich Gewinnpotenzial. Dies wiegt besonders schwer, wenn man bedenkt, dass die Märkte - wie Statistiken belegen - bei vergangenen Krisen jeweils gerade in den ersten Monaten nach der positiven Trendwende besonders stark zulegten. Bei einer Abwärtsbewegung erwachsen den Anlegern vorerst Verluste, weil sie die Trendumkehr nicht frühzeitig erkannt haben. Deshalb schneiden sie im Schnitt und langfristig schlechter ab als der Fonds.
Die beobachteten Renditeunterschiede zwischen Fonds- und Anlegerperformance fielen am grössten aus bei Fonds, die sich auf einen Markt spezialisieren und daher höheren Wertschwankungen unterliegen. Als vernachlässigbar klein erwies sich der Unterschied bei gemischten Fondslösungen, welche einer langfristig ausgerichteten Strategie folgen, um den individuellen Anlageerwartungen und Risikoprofilen der Investoren gerecht werden zu können.
Solche gemischte Fonds sind breit diversifiziert, setzen auf verschiedene Renditequellen wie Asset Allocation, Währungswetten und Titelselektion, und sie erfordern ausgewiesene Kompetenz im aktiven Management. Ihre erfahrenen Verwalter halten sich an einen klaren Anlageprozess, bei dem sorgfältiges Risikomanagement zentral ist. Sie überwachen den Erfolg der Strategie permanent und unterziehen die Portfoliopositionen einem regelmässigen «Rebalancing», um sicherzustellen, dass nach positiver Entwicklung der entsprechende Abbau und nach negativer Entwicklung der entsprechende Aufbau erfolgt. Über eine solche Fondslösung kann sich der Anleger mit relativ geringem Kapitalaufwand Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung verschaffen und die Anlageentscheidungen allesamt delegieren.
Geduld aufbringen
Damit dem Erlangen der angestrebten Anlageresultate nichts im Weg steht, ist es wichtig, das Portfolio über den zur definierten Strategie passenden Anlagehorizont zu halten. Dabei gilt: Je höher die Ertragserwartungen, desto dehnbarer muss der Anlagehorizont sein - in Einzelfällen sogar über zehn Jahre hinaus. In Krisenzeiten sollte der Anleger Geduld aufbringen, anstatt im Tief zu verkaufen. Werden die Anlageziele hingegen vorzeitig erreicht, ist die verfrühte Gewinnmitnahme angezeigt. Mit der beschriebenen Disziplin kann der Investor seine langfristigen Renditeziele erreichen, ohne in die eingangs beschriebenen Fallen zu tappen.