Tele2 wächst und wächst. Im 1. Quartal 2005 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 12% auf 1,27 Mrd Euro. Auch der Schweizer Ableger habe sich gut entwickelt, heisst es bei Tele2-Chef Roman Schwarz. Genaue Zahlen will er aber keine nennen.
Alles andere als rosig läuft es dagegen beim Aufbau des ersten Stadt-Mobilfunknetzes in Zürich, das Tele2 bis spätestens Ende Juni 2005 in Betrieb nehmen will. Nur ein Teil der Antennen, die geplant waren, konnten bisher gebaut werden. Doch nicht etwa Einsprachen haben zur Verzögerung geführt sondern technische Hemmnisse.
Viele Anbieter, wenig Raum
Der Grund: Die Umrüstung der Handyinfrastruktur von Swisscom, Orange und Sunrise auf die Technologie UMTS kommt dem Netzbau von Tele2 in die Quere. In Zürich werden viele Antennen von den Anbietern gemeinsam genutzt oder stehen in unmittelbarer Nähe zueinander. Installiert nun zum Beispiel Swisscom UMTS-Technologie auf einer bestehenden Antenne, müssen die Berechnungen zu den Strahlungsgrenzwerten neu erstellt und zur Bewilligung vorgelegt werden. Dies dauert nicht nur einige Monate, sondern führt auch dazu, dass bereits heute an vielen Standorten in Zürich die Limiten der Verordnung über nichtionisierende Strahlen (NISV) erreicht sind. Wo dies der Fall ist, kann Tele2 im Umkreis von 100m keine Mobilfunkanlage installieren und muss ausweichen. Das kostet Zeit und Geld. Der Bau einer Antenne dürfte Tele2 laut Branchenkennern deshalb auf bis zu 350000 Fr. zu stehen kommen.
Vormarsch in andere Städte
Wie viele Antennen Tele2 schon gebaut hat, dazu will sich Schwarz nicht äussern. Gerüchten zufolge stehen erst einige Dutzend Anlagen. Dies ist im Vergleich zu Konkurrenten wie Swisscom wenig: Diese hat auf Zürcher Stadtgebiet mehrere 100 Antennen installiert. Viele davon sind so genannte Mikrozellen, die nur eine Passage oder einen Platz abdecken.
Schwarz verneint nicht, dass das Tele2-Netz noch Löcher aufweise. «Wir wollen mit einer guten Abdeckung starten. Aber es ist klar, dass wir auch danach den Ausbau weiter vorantreiben», sagt er. «Mich ärgert es, wenn unsere Arbeit diskreditiert wird. Jeder sollte froh sein, dass jemand den Mut hat, in den Markt einzutreten und die Preise in Bewegung zu bringen.» Die Kampfansage von Schwarz bezieht sich auch auf Bern und Lausanne, wo Tele2-Mitarbeiter daran sind, Standorte zu evaluieren und Mietverträge abzuschliessen. Schon 2006 sollen die Netze stehen.