Der UBS ist während der Internet-Blase gelegentlich vorgeworfen worden, sie setze zu lange auf Substanzwerte statt Wachstumsaktien. So habe sie viele Kunden verloren. Nun gründet UBS ihren eigenen Hedge-Fonds namens Dillon Read Capital Management und dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Performance von Hedge-Fonds um 0% liegt. Die UBS spricht von neuen Ertragsquellen, die sich aus diesen Geschäften erschlössen. Daneben gelingt ihr jedoch vor allem auch eines: Ein Kompromiss, um gute Leute zu behalten, die ihr Glück sonst anderweitig gesucht hätten.
Auf- und Umstieg von Costas
Die UBS wird die Einheiten Principal Finance und Commercial Real Estate aus dem Bereich Fixed Income, Rates and Currencies (FIRC) und damit 120 Mitarbeiter in die neue Tochter einbringen.Diese Einheiten haben 2004 ein Fünftel zum Ertrag des Bereichs von 7,9 Mrd Fr. beigetragen. Im Wesentlichen wird der Eigenhandel herausgelöst und institutionellen Kunden geöffnet.
Zum Chef von Dillon Read Capital Management wurde kein Geringerer als John Costas ernannt, der Leiter der UBS-Investment-Bank, zu der auch FIRC gehört. Der 48-Jährige gibt damit nicht nur seine Konzernleitungsposition als CEO der Investment-Bank auf, sondern wird gleichzeitig auch seinem bisherigen Kollegen John Fraser unterstellt, dem die Führung von UBS Global Asset Management obliegt. Costas bleibt jedoch Non-Executive Chairman der Investment-Bank. Die Nachfolge von Costas bei der Investment-Bank wird Huw Jenkins antreten, der Brite, der bisher Global Head of Equities war und seinen Sitz in London haben wird.
Unter Costas' Ägide fällt nicht nur der Aufstieg der UBS-Investment-Bank zu einem bedeutenden Player in den USA, sondern auch der Ausbau des Prime Brokerage, unter dem verschiedene Dienstleistungen für Hedge-Fonds und andere professionelle Vermögensverwalter verstanden werden, so durch den Kauf der Prime-Brokerage-Einheit von ABN Amro im 2003. Diese Dienste könnten Dillon Read Capital Management nun gelegen kommen. UBS-CEO Peter Wuffli erklärt denn auch: «Die Erfolgsbilanz von John Costas an der Spitze unserer Investment-Bank spricht für sich. Dass er sich entschieden hat, eine neue Einheit innerhalb der UBS aufzubauen, eröffnet uns allen spannende Perspektiven.»
Dieser Entscheid könnte vielleicht noch nicht lange gefallen sein. An der Wall Street wurde von Branchenkennern gemunkelt, dass Costas in der engen Auswahl für die Nachfolge von Philip Purcell als Chef von Morgan Stanley stand. Obwohl die UBS dazu keinen Kommentar abgibt, ist auf jeden Fall das Timing für die Bekanntgabe interessant, die gleichentags erfolgte, wie Morgan Stanley die Ernennung des ehemaligen CSFB-Chefs John Mack verkündete. Sollte sich Costas, der sich selber als unternehmerischen Geist darstellt, tatsächlich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung gewesen sein, so dürfte die UBS durch die Schaffung dieses In-House-Hedge-Fonds wohl ein glücklicher Kompromiss gelungen sein.
Viele Wall-Street-Häuser sahen in den letzten Monaten ihre besten Leute auf die Hedge-Fonds-Welle aufspringen, die boomte, als Anleger rentablere Anlagealternativen suchten und die Banker nach lukrativeren Einnahmequellen. Solches trifft nicht nur auf die Top-Manager zu, sondern auch auf Händler auf tieferen Hierarchiestufen, wie sie wohl auch im neuen 120-köpfigen Team von Costas zu finden sind. Die Wiederauferstehung des Namens Dillon Read dürfte allein durch die Bewahrung des Humankapitals für die UBS eine lohnende Investition sein.
Damit gelingt der UBS etwas, was Morgan Stanley nicht zu Stande brachte. Dort sprangen einige der besten Köpfe in den vergangenen Monaten ab.
Die Vermögensverwalter: Zwei nach oben
Was bei der Credit Suisse Walter Berchtold (44) ist, verkörpert bei der UBS Marcel Rohner (41). Exakt drei Jahre nach seiner Ernennung zum obersten Vermögensverwalter der UBS wurde Rohner nun per 1. Juli 2005 zum Chef des Global Wealth Management und Business Banking ernannt. Dies als Folge der Zusammenlegung der UBS-Vermögensverwaltungseinheiten inklusive Paine Webber in den USA. Mit der Straffung will die UBS unter anderem den Kampf um US-Kunden mit Vermögen von über 1 Mio Dollar intensivieren und auch im asiatischen Private-Banking-Geschäft prominenter auftreten. Wie Berchtold ist Rohner ein treuer Mitarbeiter seiner Bank und arbeitet seit über zwölf Jahren bei der UBS (bzw. dem Vorläufer Bankverein). Schritt für Schritt haben sie sich an die jetzigen Positionen emporgearbeitet mit guten Aussichten auf den Job ganz oben. Der Unterschied: Während Berchtold vom Wertpapierhandel kommt, hat der als intellektueller geltende Rohner, ein Ökonom mit Doktortitel, seine Wurzeln beim Risk-Management. 1998 war er, 33-jährig, Chief Risk Officer der neuen UBS geworden. (dhü)