Konkurrenten spannen für die Digitalisierung zusammen

Caroline Freigang

Digitalswitzerland hat einen Wettbewerb lanciert, in dem 18 Teams mit Projekten gegeneinander antreten - auch Rivalen spannen zusammen.

«Wir wetten, dass wir bis zum 1. April 2018 dank künstlicher Intelligenz einen digitalen Dienst entwickeln werden, der einen der seltenen Dialekte der Schweiz hören, verstehen und sprechen kann»: Was zunächst amüsant tönt ist eines der digitalen Pionierprojekte, die am Montag im ewz-Unterwerk Selnau präsentiert wurden. Hier fand der erste «digitalswitzerland challenge» statt, bei dem sogar Erzfeinde wie Migros und Coop für Projekte zusammenspannen.

Der Challenge funktioniert folgendermassen: Seit Januar haben sich 18 Teams um sogenannte Roundtables, also Themenblöcke, formiert. Darunter sind etwa künstliche Intelligenz, Blockchain, Cybersecurity, Fintech oder Mobilität. Jeder Roundtable wird von einem «Kapitän» angeführt, beim Thema Mobilität etwa von SBB-CEO Mayer und Postauto-Leiter Daniel Landolf.

Post-Chefin: «konkret werden»

Innerhalb der Themenblocks haben die Gruppen eine Wette formuliert mit einem konkreten Ziel. Im Block Mobility wetten beispielsweise Vertreter von Google, Valora, Migros, Coop und APG, den Hauptbahnhof Zürich zum digitalsten, persönlichsten Verkehrsknoten der Welt zu machen. Im Bereich der digitalen Erziehung setzt ein anderes Team darauf, mit dem Lehrkörper von 100 Schulen einen halbtägigen Programmier-Workshop durchzuführen.

Gestern wurde es ernst: Im ewz-Unterwerk Selnau pitchten die 18 Teams ihre Wetten vor einer hochkarätigen Jury und über 250 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Jetzt müssen die Gruppen zeigen, dass sie ihre Ziele umsetzen können. Viel Zeit haben sie nicht: Im April 2018 müssen sie ihre Ergebnisse an einem DemoDay präsentieren. Der kurze Zeitrahmen ist gewollt: «Zentral ist, dass wir konkret werden und Projekte wirklich zur Umsetzung bringen», sagt etwa Post-Chefin Susanne Ruoff.

SBB-CEO: «brauchen den Mut, etwas zu wagen»

SBB-CEO Andreas Meyer betont, der Challenge mit Wetten sei genau, was die Schweiz brauche: «Wir reden immer davon, dass uns in der Schweiz die Kultur fehlt, Fehler machen zu können. Wir brauchen den Mut, etwas zu wagen. Darum bringt uns der Challenge weiter - auch wenn einige der präsentierten Ideen zunächst lustig oder unrealistisch wirken.»

Die mutigste der präsentierten Wetten wurde dann auch am ersten «digitalswitzerland challenge» von Jurypräsident, Bundeskanzler Walter Thurnherr, ausgezeichnet: Ein Team aus Vertretern der Post, Axa Winterthur, Coop, Migros, Kanton Zürich, Flughafen Zürich, ewz, Swisscom, BMW, Swisstopo, Metall Zug, EPFL und ETH Zürich wettet, ein «smartes Quartier» als Testfeld für nachhaltige autonome Transportlösungen zu bauen.

Als kollaborativste Wette bewertete die Jury jene Gruppe, die ein digitales Ökosystem zur Steigerung der Gesundheitskompetenz etablieren will. Konkret will das Team in einem ersten Pilot demonstrieren, dass sie 100'000 Menschen dazu kriegen, ihren Blutdruck bis zum 1. April 2018 zu senken. Als lukrativste Wette ausgezeichnet wurde die Wette für einen Schweizer Standard für Piktogramme zur Datenbearbeitung und Schutz der Privatsphäre.

Schweizer Digitaltag

Die Schweiz gibt bei der Digitalisierung zunehmend Gas: Zuletzt wurde bekannt, dass digitalswitzerland am 21. November einen ersten landesweiten Digitaltag lanciert. Neben der Bundespräsidentin Doris Leuthard wird Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, sowie Konzerne wie ABB, Coop, Migros, Credit Suisse, UBS, Swiss und Google daran teilnehmen.

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