Mein Boss, ein Roboter: So arbeiten wir in der Zukunft

Karen Merkel

Die Zukunft der Arbeit wird geprägt von der Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Roboter machen uns Konkurrenz - und schaffen neue Arbeitsplätze.

Serie: So leben wir in Zukunft

Journalismus trifft auf Kunst Die Handelszeitung und der Studiengang Cast / Audiovisual Media der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben den technologischen Wandel und seine Folgen als Ausgangslage für ein gemeinsames Projekt genommen. In sechs Teilen erklären wir jede Woche anhand von Texten, Videos und Infografiken, wie wir in Zukunft leben werden. Drei Redaktoren der Handelszeitung haben die Antworten auf die grundlegenden Fragen recherchiert. Zwölf Studierende unter der Leitung von Dozent William Crook haben diese Rechercheergebnisse in Videos künstlerisch umgesetzt. Das Video zum Teil «Arbeiten in der Zukunft» haben Alex Spoerndli und Sandhya Mirajkar erstellt.

ZHdK Die Zürcher Hochschule der Künste im Toni Areal vereint rund 2500 Studierende unter ihrem Dach und ist damit eine der grössten Kunsthochschulen Europas. Unterrichtet wird in den Bereichen Design, Film, Kunst, Medien, Musik, Tanz, Theater und Vermittlung der Künste. Im Mittelpunkt der Fachrichtung Cast / Audiovisual Media stehen Gestaltung und Produktion von audiovisuellen Inhalten für Online- und mobile Medien. Leiter des Bereichs ist seit der Gründung im Jahr 2007 Professor Dr. Martin Zimper. (moh)

Jeder zweite Job wird bald von Krähen gemacht. Klingt absurd? Ist absurd. Es würde wohl kein Arbeitnehmer die Konkurrenz von Krähen fürchten. Den Wettbewerb durch Roboter dagegen schon. Viel wird diskutiert über die Prognosen, nach denen jeder zweite Arbeitsplatz künftig durch Maschinen ersetzt wird, wie es Deloitte auch für die Schweiz ausgerechnet hat.

Dabei ist der klügste Roboter der Welt noch immer dümmer als, genau, eine Krähe. Das sagt Jürgen Schmidhuber, Kodirektor des Schweizer Institutes für Künstliche Intelligenz (IDSIA). Von ihm entwickelte Technik steckt in Google-Diensten, einige seine Doktoranden haben am Supercomputer «Deep Mind» mitgebaut. Haben wir also zuviel Angst vor der Konkurrenz durch Maschinen?

Arbeitsplatz in der Laptoptasche

Digitalisierung prägt längst unsere Berufswelt. Unser Arbeitsplatz passt mittlerweile in eine Laptoptasche. Auf firmeninterne Daten greifen wir per Handy oder Tablet zu, von unterwegs oder von der heimischen Couch. Feste Arbeitsplätze sind oft obsolet. Mit der Technik verändert sich auch der Bezug zum Arbeitgeber. International agierende Konzerne berufen ihre Mitarbeiter in regelmässigen Abständen zu Intensivsitzungen ein. In der Zwischenzeit funktionieren die Teams auf Distanz, sie kommunizieren via E-Mail, Chat oder Video. Digitales Neworking hat die Berufswelt erobert, Linkedin etwa zählt bereits mehr als 430 Millionen Mitglieder.

Bisher aber ist die Technik unser Werkzeug. In Zukunft werden Maschinen zu Mitarbeitern. «Die Interaktion von Mensch und Maschine ist eine der grössten Chancen der Digitalisierung», sagt Markus Koch, Partner bei Deloitte und Automatisierungsexperte. «Beide arbeiten jeweils gemeinsam besser als jeder für sich – und das Potenzial entfaltet sich hier gerade.» Roboter lernen dafür zu tasten.

Der Zweiarm-Roboter Yumi von ABB zum Beispiel, der über Sensoren Berührungen spürt und innert Millisekunden in der Bewegung innehalten kann. Damit ist er sicher genug, um im direkten Kontakt mit einem menschlichen Partner Kleinteile zu montieren. ABB rechnet damit, dass sich die Produktivität von Industrieländern durch den Einsatz fortschrittlicher Roboter bis 2025 um 30 Prozent steigert.

Roboter als Steuerzahler

Die physische Interaktion ist das eine, künstlicher Intelligenz wird noch mehr Potenzial zugeschrieben. Informatiker Schmidhuber rechnet damit, dass die aktuell noch recht unterbelichteten Roboter innert weniger Jahre mit Affen mithalten können. Er hält sogar menschenähnliche Intelligenz für denkbar. Eine steile These – doch diskutiert das EU-Parlament bereits darüber, ob Roboter als «elektronische Personen» in Zukunft Steuern zahlen sollen. Dieser Status sollte dann für die am weitesten entwickelten und autonomen Roboter gelten. Die Diskussion ist motiviert durch die Angst, dass Roboter Menschen im Arbeitsmarkt verdrängen. Robotereigner sollen darum Abgaben zahlen müssen, um die Einbussen auszugleichen. Allerdings ist nicht gesagt, dass diese Idee jemals Gesetz wird.

Und vielleicht wird das auch nicht nötig sein: Automatisierung schafft wahrscheinlich mehr Arbeitsplätze, als vernichtet werden. Deloitte zufolge sollen bis 2025 in der Schweiz netto 270'000 Stellen entstehen, ein starker Treiber ist dabei der digitale Fortschritt. «In der Vergangenheit sind durch Automatisierung stets mehr Arbeitsplätze entstanden, als vernichtet wurden, sagt Deloitte-Experte Koch. «Damit rechnen wir auch in Zukunft.»

Eine Zeitreise in sechs Teilen:

Teil 1 Gesundheit
Teil 2 Reisen
Teil 3 Wohnen
Teil 4 Beziehungen
Teil 5 Bezahlen
Teil 6 Arbeit

 

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