05.05.2010 | 05:30
NACHGEFRAGT André BosserT, Golfprofi, Zürich
 

«Das Hauptproblem: Es fehlt ein klar gefasstes Ziel»

Derzeit gibt das Schweizer Männergolf ein tristes Bild ab. Woran liegt das?

André Bossert: Unsere Entwicklung stagniert seit etwa zehn Jahren. Wir sind stehengeblieben. Andere Länder sind uns davongezogen oder haben uns überholt.

Fehlt es am Willen, an der Hartnäckigkeit, am Biss der einzelnen Spieler? Geben sich junge Schweizer Spieler zu früh zufrieden?

Bossert: Das glaube ich nicht. Am Willen liegt es sicher nicht. Diejenigen, die ich gut kenne, kämpfen alle hart. Raphaël De Sousa zum Beispiel hat alles gegeben. Ich bin der Meinung, dass es einerseits an der Erfahrung fehlt, anderseits aber auch an der Unterstützung. Julien Clément ist der Einzige, der auf Top-Niveau spielt.

Sie selber sind Captain der Profivereinigung Swiss PGA. Können Sie selber etwas zur Verbesserung beitragen?

Bossert: Wir haben Swiss Golf vor drei Jahren alle Ideen und möglichen Massnahmen in einem Konzept vorgelegt. Dieses wurde jedoch nie ganzheitlich anerkannt. Stückweise werden Teile davon umgesetzt. Diese Saison zum Beispiel wurde Steve Rey (früherer Walliser Golfprofi, Red.) als unterstützender Coach für die Profis angestellt. Das ist eine fantastische Wahl, er ist dafür ein guter Mann.

Was muss passieren, damit die Schweiz aus dem Tief herausfindet?

Bossert: Grundsätzlich muss Swiss Golf mehr in andere Strukturen investieren. Aber noch immer gibt es keine einheitliche Linie, als Land hat die Schweiz im Profigolfsport kein klar gefasstes Ziel. Dort liegt das Hauptproblem. Deshalb kann ich auch nicht sagen, wie es weitergehen wird. Ich sehe keinen Horizont.

Was läuft in anderen Ländern denn anders als in der Schweiz?

Bossert: Ich habe ebenfalls vor drei Jahren die Golfentwicklung in anderen Ländern untersucht. Es gibt grosse Unterschiede. Österreich zum Beispiel wird - wie die Schweiz - auch vom Privatsektor unterstützt, das Programm könnte für die Schweiz auch nachahmenswert sein. In Frankreich und Italien auf der anderen Seite kommt die Unterstützung vom Verband. Italien ist ein tolles Beispiel dafür, wie frühere Profis im Coaching für junge Spieler - ob Pro oder Amateur - Gold wert sind. Der sehr erfahrene frühere Tour-Spieler Alberto Binaghi ist dort Nationalcoach und er betreute selber das Talent Matteo Manassero drei Wochen lang in den USA im Rahmen des US Masters.

Sie sind auch im Golfplatz-Design tätig. Seit sechs Jahren arbeiten Sie mit dem Landschaftsarchitekten Jean Dardelet zusammen. Finden die Schweizer Profis mit dem heutigen Angebot an Plätzen gute Bedingungen vor?

Bossert: Das ist ein Manko. Ein Platz sollte für die guten Spieler anspruchsvoll und für die Anfänger einfach sein. Dafür sollte man vermehrt gute Architekten engagieren, die halt auch mehr kosten. Aber es würde sich lohnen, und man müsste dann nicht später am Platz noch Änderungen vornehmen, die ja ebenfalls kosten. Positiv finde ich, dass zuletzt einige alte Plätze wie Blumisberg oder Breitenloo umgebaut und modernisiert worden sind.

Gibt es weitere Infrastruktur, die man unseren Profis bieten sollte?

Bossert: Sehr wichtig wären gute Anlagen für das kurze Spiel, für das Pitchen, das Chippen und das Putten. In jeder grossen Agglomeration in der Schweiz sollte es solche Anlagen haben. Gerade das kurze Spiel ist auf höchstem Niveau entscheidend.


«Schweizer Spitzengolf wurde überholt»

Vor dem in diesen Wochen beginnenden Hauptteil der Saison 2010 ist das Schweizer Männergolf innerhalb Europas an seinem bisherigen Tiefpunkt angelangt. Auf der PGA European Tour, dem Hauptcircuit, verfügt nach den besten Zeiten von André Bossert, Paolo Quirici und Julien Clément schon seit Ende 2004 kein einziger Schweizer mehr über das reguläre Spielrecht. Neuerdings ist auch noch das Feld auf der Challenge Tour extrem ausgedünnt. Das macht nicht nur im Hinblick auf diese Saison, sondern auch mit längerfristigem Horizont bis beispielsweise 2016, wenn Golf wieder Sportart der Olympischen Sommerspiele wird, wenig Freude.

Hoffen auf Einladungen ...

Nur gerade der 29-jährige Genfer Clément, der zurzeit im Abstand beste und beständigste Schweizer Golfer, ist in der europäischen Rangordnung so gut eingestuft, dass er die volle Saison auf dem zweithöchsten Circuit - vergleichbar mit der Nationalliga B - bestreiten kann. Alle Übrigen müssen darauf hoffen, auf Wartelisten nachzurutschen oder von Wildcards zu profitieren. Regelmässig zum Zug kommen sie nur auf den drittklassigen Tours: Auf der Alps Tour oder der in Deutschland beheimateten Satellite-Tour EPD.

... und auf das European Masters

André Bossert, der Doyen unter den Schweizer Profis, hat seinerseits keine vollwertige Tourkarte. Er wird voraussichtlich acht- bis zehnmal auf der Challenge Tour spielen können. Daneben hofft er auf die eine oder andere Einladung für die grosse Tour. Eines seiner Saisonziele ist die Teilnahme am European Masters in Crans-Montana Anfang September, wofür er sich über das nationale Ranking qualifizieren könnte. «Natürlich versuche ich weiterhin, auf die PGA European Tour zu gelangen», sagt er, sein längerfristiger Fokus gilt jedoch der europäischen Senioren-Tour, die sich für ihn mit dem 50. Geburtstag am 14. November 2013 öffnen wird. Bossert verfolgt die Entwicklung im Schweizer Golf mit einiger Besorgnis (siehe «Nachgefragt»). Klar ist für ihn aber auch: «Das Schweizer Spitzengolf wurde überholt.»

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DAX 30 6'377.5 46.5 0.7%
EURO STOXX 218.2 1.4 0.7%
FTSE 100 5'348.3 43.8 0.8%
Dow Jones 30 Industrial 12'504.5 135.1 1.1%
NASDAQ 100 2'545.4 66.9 2.7%
S&P 500 1'295.2 -9.6 -0.7%
Nikkei 225 8'729.3 95.4 1.1%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
41.16 0.92 2.29
18.97 0.23 1.23
38.28 0.46 1.22
54.70 0.65 1.20
15.56 0.16 1.04
156.50 0.10 0.06
152.50 0.00 0.00
30.98 -0.02 -0.06
37.72 -0.03 -0.08
351.30 -0.70 -0.20
Name Kurs +/- +/- %
36.06 0.86 2.44
1.46 0.02 1.67
13.33 0.22 1.64
131.45 2.00 1.55
47.54 0.72 1.54
41.01 0.04 0.09
28.95 0.00 0.00
75.90 -0.14 -0.18
15.18 -0.09 -0.59
23.56 -0.44 -1.83
Name Kurs +/- +/- %
1.02 0.03 2.66
2.29 0.06 2.51
33.54 0.82 2.49
2.48 0.05 1.89
4.71 0.08 1.68
25.22 -0.10 -0.40
13.06 -0.21 -1.58
8.57 -0.15 -1.72
15.37 -0.56 -3.52
0.72 -0.03 -4.50

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