25.11.2009 | 05:30
ALTERNATIVE ANLAGEN
Von:
Kurt Speck
Foto:
Bild: Bruna Arnold
 

Die Regulatoren setzen Druck auf

Ein EU-Richtlinienentwurf bedroht das Asset Management von der Schweiz aus. Der EU-Pass gilt als zentrale Neuerung.

Die EU hat nach dem Konkurs der Investmentbank Lehman Bros. rasch gehandelt. Mit einem Richtlinienvorschlag für Alternative Investment Fund Managers (AIFM) will die Europäische Union diese noch wenig regulierte Anlagekategorie besser in den Griff bekommen. Ein EU-Pass und die Bewilligungspflicht für die Manager von sogenannten Alternative Investment Funds gelten als zentrale Neuerungen. In diesen Geltungsbereich fallen alle Kollektivanlagen wie Hedge-Fonds, Private Equity oder Immobilienfonds. Wer solche Instrumente vertreibt, muss künftig eine für den europäischen Raum gültige Bewilligung beantragen.

Schweiz wehrt sich

Die schweizerische Fondsbranche wehrt sich gegen Passagen im Richtlinienentwurf, gemäss denen das Asset Managament von AIFM gar nicht an Drittstaaten delegiert werden kann. Matthäus Den Otter, Geschäftsführer der Swiss Funds Association (SFA), sieht ein «Diskriminierungspotenzial für Drittstaaten wie die Schweiz» (siehe «Nachgefragt»). Er bemängelt, dass dieser Entwurf auf politischen Druck hin und ohne Konsultation der nationalen Aufsichtbehörden oder der betroffenen Kreise im Eiltempo erarbeitet wurde. Der globale Branchenverband Alternative Investment Management Association hat grosse Nachteile für die Kunden, wie etwa Vorsorgefonds, ermittelt. Dazu kommt eine strenge Kausalhaftung mit Beweislastumkehr der Depotbank gegenüber dem AIFM und dem Investor. Die Depotbank soll neu nachweisen müssen, dass sie kein Verschulden am eingetretenen Schaden trifft. Das wird zu einer gewissen Zurückhaltung bei den Geldinstituten führen und gleichzeitig werden die Gebühren massiv ansteigen.

Keine Wartefrist

Zwar ist es für einen Staat ausserhalb der EU möglich, unter gewissen Bedingungen, wie etwa Gegenrecht und Amtshilfe, die Bewilligung zum Vertrieb von Alternative Investment Funds zu beantragen. Sie müssen aber bis drei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie damit warten. Für Matthäus Den Otter ist das «reinster Protektionismus». Zudem werde auch die Delegation der Administration an Firmen in Drittstaaten nur beschränkt zugelassen. Dasselbe gelte für die Auslagerung der Bewertung, welche durch einen unabhängigen «Valuator» erfolgen müsste. Der SFA-Direktor fordert, dass mit einer Veränderung der EU-Richtlinie eine Delegation in Drittstaaten möglich ist. «Die Wartefrist von drei Jahren für den Vertrieb von Alternative Investment Funds ist ersatzlos zu streichen».

Wie sich die globale Fondslandschaft durch die Einführung der EU-Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers verändert, muss sich erst noch weisen. Derzeit sind lediglich 18% der weltweit Single Hedge Funds in Ländern der EU domiziliert. Gemäss Alternative Asset Center lässt sich mehr als die Hälfte der Fonds an einem Offshore-Platz registrieren. Wichtigste Standorte sind die Cayman Island (zwei Drittel), gefolgt von den British Virgin Islands mit 13% und den Bermudas mit 11%. Anders sieht es beim Domizil der Fondsmanager aus, mit fast zwei Drittel aller Manager, die in den USA residieren. In den letzten Jahren hat sich der Anteil von Managern in Europa und Asien allerdings markant erhöht.

NACHGEFRAGT

Matthäus den Otter, Geschäftsführer Swiss Funds Association (SFA), Basel

«Diskriminierungspotenzial für die Schweiz»

Die Aufsichtsbehörden bereiten neue Regulierungen vor. Wie stark ist die Fondsindustrie betroffen?

Matthäus Den Otter: Nach der Krise wurde ein wahrer Regulierungs-Tsunami befürchtet - dieser ist glücklicherweise bis jetzt ausgeblieben. In den meisten Fällen haben Augenmass und Pragmatismus wieder Oberhand gewonnen. Neue regulatorische Initiativen werden dann begrüsst, wenn sie mit vernünftigem Aufwand umsetzbar sind und für die Investoren effektiv einen konkreten Mehrwert bringen.

Vor allem die Hedge-Fonds geraten ins Visier der Regulatoren, obwohl sie nicht der Auslöser für die Finanzkrise waren. Weshalb das?

Den Otter: Richtig. Wie in jeder Krisensituation üblich, werden Sündenböcke gesucht. Dabei geht vergessen, dass mehr Regulierung nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet, wie dies die stark regulierten, staatlich geförderten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac aufzeigten. Wenig Beachtung findet auch die Tatsache, dass in Europa und Asien bereits heute schon 90% aller Hedge-Fonds-Manager reguliert sind. Nichtsdestotrotz begrüssen wir eine Meldepflicht für systematisch relevante Hedge-Fonds- Manager sowie in der Schweiz die Änderung des Kollektivanlagengesetzes, damit sich Asset Manager von «offshore funds» ebenfalls der Finma unterstellen können.

Es liegt ein EU-Richtlinienentwurf für Alternative Investment Fund Managers (AIFM) auf dem Tisch. Warum stösst er in der Schweiz nicht nur auf Gegenliebe?

Den Otter: Der Entwurf weist etliche gravierende Mängel und ein beträchtliches Diskriminierungspotenzial für Drittstaaten wie die Schweiz auf. Der Geltungsbereich ist sehr umfassend und deckt neben Hedge-Fonds und Private Equity Funds auch alle anderen Anlagestrategien ausserhalb des Ucits-Bereichs ab, wie Immobilien- und Rohstofffonds, und er umfasst alle Rechtsformen von offenen und geschlossen Kollektivanlagen. Dieser «One size fits all»-Ansatz ohne Rücksichtnahme auf bestehende Geschäftsmodelle und Bedürfnisse ist wenig sinnvoll. Als direkte Folge des Madoff-Skandals soll zudem eine strenge Kausalhaftung mit Beweislastumkehr der Depotbank gegenüber dem AIFM und den Investoren Platz greifen. Die grösste Diskriminierung besteht darin, dass im Entwurf keine Delegation des Managements an Manager in Drittstaaten möglich ist. Damit wird das Asset Management von der Schweiz aus bedroht.

Was muss geändert werden, damit Drittstaaten wie die Schweiz nicht mehr diskriminiert werden?

Den Otter: Die Swiss Funds Association SFA hat in ihrem Positionspapier aufgezeigt, wie die entsprechenden Bestimmungen im Richtlinienentwurf zum Wohle der EU-Anleger geändert werden könnten. Im Bereich der Delegation von Teilaufgaben sehen wir keinen Grund für eine striktere Regulierung der AIFM, die ihre Fonds an institutionelle Investoren vertreiben, als für Fondsleitungen von Ucits, die an Privatkunden vertrieben werden.

Wie stehen die Chancen?

Den Otter: Angesichts der weitverbreiteten Opposition innerhalb und insbesondere auch ausserhalb der EU bin ich eigentlich optimistisch, dass die Richtlinie noch grundlegend überarbeitet wird.

Der EU-Pass und die Bewilligungspflicht für Manager von Alternativ Investment Funds (AIF) sind allgemein positiv ausgenommen worden. Gilt das auch aus schweizerischer Sicht?

Den Otter: Ja. Die Einführung einer Bewilligungspflicht und einer dauernden Aufsicht für AIFM ist die zentrale Neuerung. Sie wird das institutionelle Fondsgeschäft in Europa umgestalten, weil damit der begehrte EU-Pass für den gesamten Non-UCITS-Bereich verbunden ist. Wichtig ist, dass die Schweiz nicht aussen vor bleibt.

Die neu formierte Aufsichtbehörde Finma wirkt seit knapp einem Jahr. Hat sich das günstig auf die Fondsbranche ausgewirkt?

Den Otter: Durchaus, es gibt erste positive Anzeichen. Wir sehen aber noch Verbesserungspotenzial bei der Transparenz der Genehmigungs- und Bewilligungsverfahren im Bereich der Kollektivanlagen gegen aussen.

Die Finma will den Fondsbereich personell verstärken. Verkürzt sich damit das Bewilligungsverfahren für neue Fonds?

Den Otter: Darauf zählen wir. Dies ist wichtig für die ganze Schweizer Fondsbranche und wird unsere Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich stärken.

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EURO STOXX 221.1 4.3 2.0%
FTSE 100 5'403.3 98.8 1.9%
Dow Jones 30 Industrial 12'502.8 -1.7 0.0%
NASDAQ 100 2'539.2 -6.2 -0.2%
S&P 500 1'316.0 20.8 1.6%
Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
19.47 0.73 3.90
11.16 0.35 3.24
38.92 1.10 2.91
41.37 1.13 2.81
15.75 0.35 2.27
31.32 0.32 1.03
308.00 2.70 0.88
353.00 1.00 0.28
37.78 0.03 0.08
156.40 0.00 0.00
Name Kurs +/- +/- %
36.87 1.67 4.73
38.36 1.17 3.15
6.52 0.19 3.03
63.43 1.66 2.69
30.50 0.77 2.57
53.08 0.09 0.17
34.48 -0.02 -0.04
40.96 -0.02 -0.05
75.59 -0.15 -0.20
23.83 -0.18 -0.73
Name Kurs +/- +/- %
4.97 0.34 7.24
2.62 0.14 5.73
16.64 0.75 4.69
1.07 0.05 4.59
14.35 0.53 3.84
25.26 -0.06 -0.24
13.21 -0.06 -0.41
91.39 -0.55 -0.60
2.26 -0.02 -0.96
40.50 -0.55 -1.34

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