«E-Mails werden abgefangen»

Der ETH-Dozent rät Firmen dringend, Daten zu verschlüsseln. Denn die Gefahr ist gross, dass heikle Informationen in falsche Hände geraten.

VonInterview: Jorgos Brouzos
03.02.2011

Müssen Unternehmen ihre Kommunikation verschlüsseln?

Martin Hirt: Unbedingt. Die Kommunikation über Webseiten, per E-Mail oder Telefon ist per se unsicher. Daten lassen sich abfangen oder abhören. Deswegen müssen Informationen, die für das Unternehmen heikel sind, verschlüsselt werden.

Gibt es die unknackbare Verschlüsselung?

Hirt: Im Prinzip schon, doch sie ist nicht praxistauglich. Die üblichen Verschlüsselungsverfahren bieten einen sehr hohen Schutz. Es lässt sich jedoch nie ausschliessen, dass ein Algorithmus gefunden wird, um eine Verschlüsselung zu knacken.

Gibt es Beispiele von Unternehmen, die ausgespäht wurden?

Hirt: Die USA und weitere Staaten untersuchen seit Jahren mit ihrem Echelon-Netz den weltweiten Mailverkehr, Telefongespräche und Fax-Nachrichten auf Stichwörter und werten die Ergebnisse von Hand aus. Es gibt Beispiele, bei denen E-Mails mit heiklen Daten aus der Wirtschaft abgefangen wurden.

Oftmals fordern Regierungen einen Key Escrow, also einen Schlüssel, der es Behörden in gewissen Situationen erlaubt, Daten abzuhören. Zuletzt drängte etwa Indien auf den Blackberry-Schlüssel.

Hirt: Firmen sind darauf angewiesen, neuralgische Daten sicher kommunizieren zu können. Wenn die indische Regierung den Schlüssel für die Blackberry-Verschlüsselung hätte, würden wohl viele Firmen auf den Einsatz dieser Business-Geräte in Indien verzichten.

Ist es vorstellbar, dass Schweizer Behörden über solche Schlüssel verfügen?

Hirt: Banken und ihre Kunden würden es nicht akzeptieren, dass der Staat etwa die Schlüssel des E-Banking kennt. Es ist auch schwierig sicherzustellen, dass der Staat mit dem Schlüssel nur das tut, was er darf. Zudem ist die Aufbewahrung des Escrow-Schlüssels extrem kritisch. Man stelle sich vor, ein Schlüssel käme in falsche Hände: Das wäre ein wirtschaftlicher Super-GAU für die Schweiz.

Schützt Verschlüsselung auch vor Datendiebstahl?

Hirt: Eine Firma kann ihre Daten noch so sicher verschlüsseln: Am Ende müssen die Mitarbeiter Zugriff haben. Und dann können die Daten auch gelesen, kopiert oder abfotografiert werden. Mit Verschlüsselung kann aber der Zugriff erschwert werden - etwa wenn ein Mitarbeiter eine Festplatte gestohlen hat.

Diskussion
- Kommentare

Müssen Unternehmen ihre Kommunikation verschlüsseln?

Martin Hirt: Unbedingt. Die Kommunikation über Webseiten, per E-Mail oder Telefon ist per se unsicher. Daten lassen sich abfangen oder abhören. Deswegen müssen Informationen, die für das Unternehmen heikel sind, verschlüsselt werden.

Gibt es die unknackbare Verschlüsselung?

Hirt: Im Prinzip schon, doch sie ist nicht praxistauglich. Die üblichen Verschlüsselungsverfahren bieten einen sehr hohen Schutz. Es lässt sich jedoch nie ausschliessen, dass ein Algorithmus gefunden wird, um eine Verschlüsselung zu knacken.

Gibt es Beispiele von Unternehmen, die ausgespäht wurden?

Hirt: Die USA und weitere Staaten untersuchen seit Jahren mit ihrem Echelon-Netz den weltweiten Mailverkehr, Telefongespräche und Fax-Nachrichten auf Stichwörter und werten die Ergebnisse von Hand aus. Es gibt Beispiele, bei denen E-Mails mit heiklen Daten aus der Wirtschaft abgefangen wurden.

Oftmals fordern Regierungen einen Key Escrow, also einen Schlüssel, der es Behörden in gewissen Situationen erlaubt, Daten abzuhören. Zuletzt drängte etwa Indien auf den Blackberry-Schlüssel.

Hirt: Firmen sind darauf angewiesen, neuralgische Daten sicher kommunizieren zu können. Wenn die indische Regierung den Schlüssel für die Blackberry-Verschlüsselung hätte, würden wohl viele Firmen auf den Einsatz dieser Business-Geräte in Indien verzichten.

Ist es vorstellbar, dass Schweizer Behörden über solche Schlüssel verfügen?

Hirt: Banken und ihre Kunden würden es nicht akzeptieren, dass der Staat etwa die Schlüssel des E-Banking kennt. Es ist auch schwierig sicherzustellen, dass der Staat mit dem Schlüssel nur das tut, was er darf. Zudem ist die Aufbewahrung des Escrow-Schlüssels extrem kritisch. Man stelle sich vor, ein Schlüssel käme in falsche Hände: Das wäre ein wirtschaftlicher Super-GAU für die Schweiz.

Schützt Verschlüsselung auch vor Datendiebstahl?

Hirt: Eine Firma kann ihre Daten noch so sicher verschlüsseln: Am Ende müssen die Mitarbeiter Zugriff haben. Und dann können die Daten auch gelesen, kopiert oder abfotografiert werden. Mit Verschlüsselung kann aber der Zugriff erschwert werden - etwa wenn ein Mitarbeiter eine Festplatte gestohlen hat.

Meistgelesen

McDonald’s will seine Menüs überarbeiten
Fast Food

Viele Burgerfans kehren der weltgrössten Imbisskette McDonald's den Rücken. Billig-Konkurrenz in den USA, ein Gammelfleisch-Skandal in China und Schliessungen in Russland bedrängen den Konzern. Mehr...

21.10.2014
Migros-Tochter druckt Hitler auf Kaffeerahm
Handel

Die Migros-Tochter Elsa hat Adolf Hilter und Benito Mussolini auf Deckel von Kaffeerahm-Portionen gedruckt. Der Konzern will jetzt seine Kontrollen verschärfen. Mehr...

22.10.2014
Roche baut in Basel einen 205-Meter-Turm
Erweiterung

Roche überholt sich selbst: Der Pharmakonzern investiert 3 Milliarden Franken in Basel. Und plant das zukünftige höchste Gebäude der Schweiz nach dem Roche-Tower. Mehr...

22.10.2014
USA gegen Putin gegen Opec: Der Kalte Krieg ums Öl
Machtkampf

Rohöl erlebt einen fast beispiellosen Preisverfall. Zwischen den grössten Förderländern tobt ein erbitterter Kampf. Russland vermutet ein Komplott der USA. Doch die werden von der Opec bedrängt. Mehr...

VonDominic Benz
21.10.2014
Kaffeerahm-Deckeli-Firma: Hitler-Verherrlichung «absurd»
Nazi-Sujet

Eine Migros-Tochter hat Kaffeerähmli mit aufgedruckten Porträts von Adolf Hitler und Benito Mussolini verkauft. Der kleine Hersteller der Deckeli verteidigt sich und fühlt sich missverstanden. Mehr...

VonStefan Eiselin
22.10.2014
Ehemalige UBS-Kunden belasten Raoul Weil
Prozess

Scheinfirmen in Hongkong, Stiftungen in Liechtenstein: Ehemalige Kunden der Schweizer Grossbank UBS sagen im Prozess gegen Raoul Weil aus – und berichten davon, wie die UBS Geld versteckt haben soll. Mehr...

21.10.2014
EZB riskiert Milliarden für einen Weg aus der Krise
Geldpolitik

Die EZB will angeblich Firmenanleihen kaufen. Es handelt sich dabei um ein wenig erprobtes Mittel der Geldpolitik, das als letzter Schritt vor dem grossangelegten Kauf von Staatsanleihen gilt. Mehr...

21.10.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Nestlé eröffnet Abfüllanlage in Äthiopien. Mehr

Swisscom hat Grosskunden im Visier. Mehr

Bruder von TV-Star Vujo Gavric sorgt für Eklat. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...