27.01.2011 | 05:30
Von:
Jürg Buri, ,
 

Erneuerbare Energien: Atomkraft ist zweifache Katastrophe

Ü ber 60 Prozent der neuinstallierten Kraftwerksleistung Europas stammten 2009 aus erneuerbaren Energien. Wind- und Solarenergie lieferten den grössten Anteil. Anders die Atomenergie: Sie liegt weit abgeschlagen auf dem zweitletzten Platz. Von einer Renaissance der Atomenergie kann keine Rede sein.

2010 wurden weltweit 17,5 Gigawatt Leistung Solarstrom installiert. 2010 hat die Windenergie weltweit zehnmal die Leistung des AKW Gösgen ans Netz gebracht. Gleichzeitig zeigt die Preisentwicklung bei den erneuerbaren Energien nur in eine Richtung: Steil nach unten. Die Vergütungsansätze für Solarstrom konnten in der Schweiz innert eines Jahres um 36 Prozent gesenkt werden. Und die grossen Investoren zögern, Milliarden in eine veraltete Atom-Technologie zu investieren, die, wie Alpiq-Chef Giovanni Leonardi selber zugibt, erst nach 40 Jahren eine Rendite abwerfen wird. Wenn überhaupt.

Ein Blick in die Statistik zeigt nämlich, dass weltweit neu 162 Milliarden Dollar in nachhaltige Energie investiert wurden. Dazu gehört die Atomenergie nicht. Investoren und Experten sehen die Atomenergie zunehmend als finanzielles Risiko. So hat der Staat Ontario in Kanada vor einem Jahr das Projekt für zwei neue Reaktoren sistiert, weil die Kosten mit 26 Milliarden Dollar nicht mehr tragbar waren. Die Notbremse hat Ende letzten Jahres auch der US-Konzern Constellation Energy gezogen. Der Konzern entschied, dass die drei geplanten Reaktoren in Maryland zu teuer sind und nicht finanzierbar wären. Und dies obwohl Washington für das Projekt 7,5 Milliarden Dollar Kreditgarantien gesprochen hatte. Dem nicht genug: Die Ratingagentur Moody’s erwägt jene Konzerne, die neue AKW planen, negativ zu bewerten. Und die Analysten der Grossbank Citigroup empfehlen Investitionen in neue AKW nur, wenn der Staat weitreichende Kreditgarantien übernimmt. Die finanziellen Risiken seien sonst zu gross.

Das ist die energiepolitische Realität. Denn Uran ist ebenso endlich wie Erdöl. Von einer Renaissance der Atomenergie ist nichts zu sehen. Im Gegenteil: Das Wachstum gehört den Erneuerbaren. Und die Aussichten sind gut. Die Vorteile der Erneuerbaren werden immer augenfälliger: Sinkende Preise, hohe Beschäftigung, boomende Märkte, politische Unabhängigkeit und schier unendlich verfügbare Ressourcen. Wer an dieser Entwicklung teilhaben will, muss jetzt die Weichen stellen.

In der Schweiz gibt es gemäss einer Untersuchung von Ernst Basler & Partner rund 160 000 «grüne» Arbeitsplätze. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz stellen dabei den grössten Anteil. Tendenz steigend. McKinsey hat in einer Studie von 2010 vorgerechnet, dass der «Subventionsfranken», den die Schweiz zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz einsetzt, das Fünf- bis Zehnfache an privaten Energieinvestitionen auslöst. Notabene Investitionsgelder, die zu einem grossen Teil hier bleiben, Arbeitsplätze schaffen, Steuereinnahmen generieren und die Volkswirtschaft stärken. Generell gilt, dass Volkswirtschaften, die in Zukunft vorne mit dabei sein wollen, heute in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren.

Die Schweiz tut deshalb gut daran, den Markt für erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit förderlichen Rahmenbedingungen auszustatten. Ein starker Heimmarkt ist eine der zentralen Herausforderungen, um im Wettbewerb um die weltweit lockenden Potenziale erfolgreich bestehen zu können. Die Politik ist gefordert, sich für bestmögliche Spielregeln einzusetzen. Mit dem Masterplan Cleantech hat der Bundesrat seinen Kurs festgelegt. Nun gilt es dafür zu sorgen, dass dieser auch eine adäquate Umsetzung erfährt. Nicht adäquat wäre es, noch einmal 80 Jahre auf eine veraltete und gefährliche Technologie zu setzen. Der Bau von zwei neuen AKW würde die Schweiz im Rennen um Anteile am boomenden Markt der erneuerbaren Energien um Jahrzehnte zurückwerfen. Mit dem Resultat, dass wir auf Zehntausende von neuen Arbeitsplätzen verzichten müssten. Atomkraft ist eben nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern auch wirtschaftlich eine Katastrophe.

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SMIM 1'127.5 0.8 0.1%
DAX 30 6'331.0 59.8 1.0%
EURO STOXX 218.5 1.7 0.8%
FTSE 100 5'354.1 49.6 0.9%
Dow Jones 30 Industrial 12'504.5 135.1 1.1%
NASDAQ 100 2'545.4 66.9 2.7%
S&P 500 1'295.2 -9.6 -0.7%
Nikkei 225 8'729.3 95.4 1.1%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
57.70 1.65 2.94
37.75 0.69 1.86
1'700.00 22.00 1.31
15.40 0.18 1.18
10.81 0.12 1.12
54.05 0.10 0.19
156.40 0.00 0.00
48.80 -0.10 -0.20
54.35 -0.15 -0.28
40.24 -0.58 -1.42
Name Kurs +/- +/- %
37.86 0.67 1.79
35.79 0.59 1.68
1.46 0.02 1.60
62.65 0.88 1.42
131.15 1.70 1.31
29.81 0.08 0.27
75.88 0.14 0.18
53.05 0.06 0.11
51.79 0.02 0.04
75.76 -0.28 -0.37
Name Kurs +/- +/- %
33.92 1.19 3.64
1.02 0.03 2.66
2.29 0.06 2.51
2.48 0.05 1.89
16.20 0.30 1.89
2.36 0.00 -0.17
13.16 -0.11 -0.79
8.57 -0.15 -1.72
15.37 -0.56 -3.52
0.72 -0.03 -4.50

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