25.11.2009 | 05:30
ETF
Von:
Susanne Toren
Foto:
Bild: Bruna Arnold
 

Goldanlagen als Inflationsschutz

Das gelbe Metall bietet einen natürlichen Schutz vor der Inflation. Davon profitieren die Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold.

 

Nebenartikel:

Von Susanne Toren, Research, Zürcher Kantonalbank, Zürich.

Zwar hat Gold seine historisch gewachsene Funktion als Anker der nationalen und internationalen Währungsordnung praktisch völlig eingebüsst, und es ist nicht damit zu rechnen, dass seine Schlüsselrolle in der Währungsordnung wiederbelebt wird. Dennoch scheint der Glanz des Goldes eine gewisse Renaissance zu erleben. So schnellte die Nachfrage nach Gold gerade bei den Finanzinvestoren in den vergangenen Monaten massiv nach oben. Hintergrund bildet eine historisch einmalige globale Lockerungspolitik, deren Ausgang und Folgen noch kaum absehbar sind. Gold und Währungssysteme mit Goldbindung stehen zudem im Ruf, preisstabile Rahmenbedingungen beschert zu haben, da die Menge an umlaufendem Gold nicht wie Papiergeld beliebig erhöht werden kann. Somit lassen sich die Inflationsraten in einer Goldwährung von einer Notenbank weit weniger manipulieren.

Teil der Währungsgeschichte

Seit der Antike fand Gold nicht nur in der Schmuckindustrie, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel Verwendung. In der Neuzeit erlebte Gold eine Blütezeit durch seine Ankerfunktion innerhalb der sich etablierenden internationalen Währungssysteme. Ein bekanntes Beispiel aus der Geschichte ist der Goldstandard, der in seiner klassischen Form bis zum Ersten Weltkrieg Gültigkeit hatte. Eine zentrale Spielregel bestand in der Goldeinlöse- und Goldankaufspflicht der Notenbanken zum jeweils in Gold fixierten Währungskurs. Durch Eintauschen der Banknoten in Gold konnte im Goldstandard jeder jederzeit kontrollieren, ob der in Gold fixierte Kurs gehalten wurde. Innerhalb der rigiden Spielregeln funktionierte der klassische Goldstandard reibungslos. Der Preis hierfür waren allerdings hohe konjunkturelle Schwankungen, denen weder geld- noch fiskalpolitisch innerhalb des Goldstandardsystems begegnet werden konnte.

Während des sogenannten restaurierten Goldstandards zwischen den Weltkriegen wurden die Spielregeln immer weniger eingehalten, sodass das System schliesslich zusammenbrach. Aber auch die nach dem Zweiten Weltkrieg in Bretton Woods gegründete neue Weltwährungsordnung wählte nochmals Gold - konkret eine US-Dollar-Goldbindung von 35 Dollar pro Unze - als realen Anker. Die Rigidität und die schädlichen Nebeneffekte des früheren Goldwährungsmechanismus sollten unlängst durch mehr Flexibilität behoben werden. Beispielsweise waren fallweise Paritätsänderungen gegenüber dem realen Anker innerhalb des grundsätzlich festen Bretton-Woods-Wechselkurssystems möglich. Doch trotz der eingebauten Flexibilitäten brach auch dieses System zusammen. De jure wurde 1971 die Goldkonvertibilität des US-Dollars aufgehoben. Seitdem ist unser Währungssystem nicht mehr real durch Gold verankert.

Eine «natürliche» Knappheit

Seit Ende der 70er-Jahre ist die Wertaufbewahrungsfunktion von Gold in den Hintergrund gerückt, da die Inflationsraten weltweit niedrig waren und sind. Den Notenbanken gelang es, sich glaubwürdig für jedermann auf das Ziel der Preisstabilität einzuschwören. Die «natürliche» Knappheit des Goldes wurde für jedermann glaubwürdig durch eine «künstlich» erzeugte Knappheit des Zentralbankgeldes ersetzt. Im Verlauf der stabilitätspolitischen Ausrichtung der internationalen Geldpolitik und eines stabilen währungspolitischen Umfeldes verblasste denn auch der Glanz des Goldes. Goldanlagen zur Absicherung gegen Inflation wurden entbehrlich. Angesichts des angelaufenen, historisch einmaligen monetären Lockerungskurses weltweit, der noch dazu von einer letztlich rasant steigenden Staatsverschuldung ergänzt wird, befürchten manche Marktteilnehmer heute, dass die künstliche Knappheit des Papiergeldes mittel- und langfristig gefährdet ist. Und in der Tat gibt es einen gewissen statistischen Zusammenhang zwischen langfristiger Geldmengenentwicklung und Goldpreis (siehe Grafik).

Deflationsszenarien

Manchmal wird die Goldnachfrage aber auch in Abhängigkeit von Deflationsängsten gesehen. Unmittelbar aus einer Deflation ergibt sich kein Grund, Gold nachzufragen, denn im Fall der Deflation werden ja auch Papiergeldbeträge real mehr wert. Es sind vielmehr die häufigen Begleitumstände einer Deflation, wie wirtschaftliche Stagnation, Bankenkonkurse, Finanzmarktverwerfungen und Ähnliches, die eine Flucht ins Gold hervorrufen können. Und in der Tat: Gerade in extremen Marktsituationen entwickelt sich der Goldpreis typischerweise stabil. Auch während der jüngsten Krise konnte Gold seiner Rolle als «sicherer Hafen» vollständig gerecht werden: Während die Preise nahezu aller Assets im Winterhalbjahr 2008/09 kollabierten, entwickelte sich der Goldpreis überaus erfreulich. Nach den Regeln der Portfoliodiversifizierung kann es daher sinnvoll sein, einen kleinen Teil seines Portfolios in Gold zu halten, da Marktverwerfungen auch in Zukunft nicht auszuschliessen sind.

Gold-ETF als Sicherheit

Investitionen in Gold sind auf verschiedenste Arten möglich: Neben Goldmünzen bzw. -barren für kleinere Anleger eignet sich ein Metallkonto. Dieses erfordert keine Mindestmenge und ist kostengünstig. Allerdings hat es den Nachteil, dass es im Konkursfall der Bank in die Konkursmasse fällt. Mehr Sicherheit bieten, bei immer noch recht tiefen Kosten, die an der Börse gehandelten Gold-ETF. Diese sind physisch mit Gold hinterlegt und bilden den reinen Goldwert nach. Im Konkursfall einer Bank bilden sie ein Sondervermögen und fallen somit nicht in die Konkursmasse.

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