18.11.2009 | 05:30
PATEK PHILIPPE
Von:
Gisbert L. Brunner und Markus Köchli
Foto:
Bild: ZVG
 

Ladies First - die Hommage an die Damen

Eine Premiere in Paris und ein neuer Chef in Genf - und erstmals wird das marktfrische Chronographen-Kaliber CH 29-535 PS nicht etwa in eine Männeruhr eingebaut, sondern in ein Prunkstück für die zarte Damenhand. Dessen Name: «Ladies First».

Unspektakulär ging am Chemin du Pont-du-Centenaire 141 in Plan-les-Ouates der Chefwechsel über die Bühne: Vor wenigen Wochen übergab Vater Philippe Stern (70) das Präsidium und damit die operative Leitung des Familienunternehmens Patek Philippe an Sohn Thierry (40). Dieser - innerhalb wie ausserhalb des eigenen Hauses beruflich bestens vorbereitet auf die Aufgabe an der Spitze der Nummer eins unter den Manufakturen am Lac Léman - startet nun mit einem Feuerwerk: Dem neuen Chronographen-Kaliber CH 29-535 PS. Dieses ist - vielleicht sogar, weil Thierry Sterns Ehefrau Sandrine im Hintergrund charmant ihren Einfluss geltend machte? - den Damen vorenthalten. In den nächsten Monaten wenigstens, denn es liegt auf der Hand, dass spätestens nach der «BaselWorld» 2010 auch die Männer kaum auf dieses Kaliber verzichten wollen.

Eine wichtige Eckmarke gesetzt

So oder so: Viele möchten einen, aber nur wenige können sich so etwas leisten. Gemeint ist generell ein Chronograph von Patek Philippe - entweder in puristischer Form oder garniert beispielsweise mit einem Ewigen Kalendarium. Der Rückblick auf die lange Entwicklungsgeschichte der Armband-Stoppuhren im Hause Patek Philippe fördert denn auch zutage, dass eigene Kaliber mit Handaufzug eher selten waren. Das Genfer Familienunternehmen der Sterns kaufte seine Rohwerke u.a. bei Victorin Piguet, Valjoux oder bei der Nouvelle Lémania, die inzwischen zur Breguet-Manufaktur mutierte.

Die anerkannt herausragende Qualität der zeitschreibenden Gesamtkunstwerke resultiert bei Patek Philippe traditionsgemäss nur teilweise aus den zugekauften Ebauches. Deren technische Modifikation und eine liebevolle Finissage bis ins letzte Detail liess sich die Manufaktur von Anbeginn niemals nehmen. Das gilt auch für das ab 1986 verbaute CH 27-70, ein 27 mm grosses Handaufzugswerk mit Schaltrad-Chronograph.

Als Patek Philippe seine ersten diesbezüglichen Orders bei Nouvelle Lémania platzierte, redete im Vallée de Joux noch niemand von der Swatch Group. Von Anbeginn stand zudem fest, dass die Genfer ihre Version zu mehr als 60% modifizieren würden, um sie mit ihren eigenen Standards kompatibel zu machen. Nicht widerlegbare Beweise für überaus gründliche Arbeit sind die horizontale Räderkupplung, die Gyromax-Unruh und die deutlich höhere Gangautonomie.

Trotz überragender Leistungsmerkmale und grosser Beliebtheit in potenziellen Kundenkreisen geht die Ära des CH 27-70 bei Patek Philippe nun unwiderruflich zu Ende. Dass es eines Tages einen mindestens adäquaten Nachfolger mit manuellem Aufzug geben werde, hatte Präsident (bis September 2009) und Eigentümer Philippe Stern schon vor Jahren durchblicken lassen.

Da gut Ding in Plan-les-Ouates besonders viel Weile braucht, zogen deshalb fünf lange Jahre durchs Land, bis das neue Kaliber CH 29-535 PS ans Licht der Öffentlichkeit treten durfte. Dem sechsköpfigen Entwicklungsteam um Uhreningenieur Pierre Maurice Rochat hatte Philippe Stern von Anbeginn einige fundamentale Aspekte ins Pflichtenheft geschrieben. «Auf keinen Fall sollte das neue Uhrwerk dem CH 27-70 zu sehr ähneln. Und dann wollte ich eine möglichst hohe Gangautonomie, die über ein Wochenende hinweg reicht.»

Höchste Präzision und Zuverlässigkeit standen ebenfalls nicht zur Debatte. Hier standen den Technikern und Uhrmachern unkonventionelle Wege offen, welche sie da und dort auch tatsächlich beschritten.

Der vor wenigen Tagen in Paris vorgestellte Newcomer fügt sich namentlich lückenlos in die von Patek Philippe verwendete Kaliber-Diktion. CH 29-535 PS stellt für Kundige eine aussagekräftige Botschaft dar. CH meint Chronograph, PS Kleine Sekunde, dazu 29 mm Durchmesser und 5,35 mm Höhe.

Will heissen: Das neue Kaliber ist gegenüber dem CH 27-70 um 2 mm gewachsen. Auch bei der Unruhfrequenz lässt sich ein deutliches Plus konstatieren. 4 Hertz, stündlich 28800 Halbschwingungen oder Achtelsekunden-Stoppgenauigkeit lautet das Gebot der Stunde, bewerkstelligt von einer vierarmigen Gyromax-Unruh mit frei schwingender Breguet-Spirale. Silizium blieb hingegen aussen vor.

Nur auf ersten Blick konventionell

Auf den ersten Blick wirkt das komplexe, aus 269 Teilen (CH 27-70: 208) bestehende Opus technicus in der Tat reichlich konventionell. Und das war von Philippe Stern durchaus gewollt. Ein Klassiker oder ein Kaliber, das dazu werden soll, braucht beinahe zwangsläufig eine horizontale Räderkupplung, welche auf Knopfdruck die Verbindung zwischen Uhrwerk und Chronographen herstellt. Sie gewährleistet vollen Einblick in die funktionalen Zusammenhänge, während die kraftschlüssige Vertikalvariante eher im Verborgenen kuppelt. Auch am überlieferten Schaltrad zur Steuerung der chronographischen Funktionen Start, Stopp und Nullstellung führte selbstredend kein Weg vorbei.

Gut gekuppelt ist halb geschaltet

Bei der vertikalen Räderkupplung handelt es sich um einen schwenkbaren Hebel, an dem ein Zwischenrad befestigt ist. Die Betätigung des Start-Drückers verbindet das Sekundenrad des Uhrwerks per Zwischenrad mit dem sogenannten Chrono-Zentrumsrad. Der feine Unterschied zwischen dem, was Patek Philippe und was andere machen, besteht im Drehpunkt des Kupplungshebels. Bei den Genfern befindet er sich seit Jahrzehnten aus geometrischen Gründen exakt dort, wo das Sekundenrad seine Kreise zieht. Und das ist auch beim neuen Kaliber der Fall. Beim CH 29-535 besitzen die Kupplungsräder überdies eine speziell entwickelte, abrollende Verzahnung. Diese gewährleistet einen wenig kraftzehrenden, gleichförmigen und weitestgehend zitterfreien Lauf des Chronographen-Zeigers.

Auch der gefürchtete, aus dem Ineinandergreifen der Zahnräder rührende Startsprung minimiert sich. Diese Verzahnung hat Patek Philippe schon vor Jahren für dieses neue Uhrwerk kreiert. Gleichwohl feierte sie ihre Premiere schon beim sündhaft teuren, da weitgehend handgefertigten Schleppzeiger-CHR 25-525 PS.

Wer Augen hat zu sehen, der wird relativ schnell die nun getrennten Kloben für das Chrono-Zentrumsrad und den 30-Minuten-Zähler entdecken. Bislang fand sich an dieser Stelle ein v-förmiges Gebilde.

Und damit ist jener Totalisator an der Reihe, welcher bis zu 30 Umläufe des zentralen Chronographenzeigers zählt. Hier ist praktisch alles neu. Die Ingenieure haben eine aufwendige, weil blitzschnell springende Konstruktion ersonnen. Die Sprünge löst eine Schnecke auf der Welle des Chronographen-Zeigers aus. Ein Schalthebel und eine Spiralfeder lassen den kleinen Zählzeiger bei der 3 mit minimaler Zeittoleranz exakt dann einen Schritt vorwärtsschnellen, wenn der rotierende Chronographen-Zeiger die 12 erreicht.

Nach dem Anhalten des Chronographen müssen die Zeiger zum Ablesen der gestoppten Zeitintervalle eisern an der letzten Position verharren. Dafür sorgen Blockierhebel, welche sich nach Betätigung des Stopp-Drückers wie Bremsklötze an die Chronographen-Räder legen. Hier glänzt das CH 29-535 durch eine intelligente Zwangssteuerung mit Hilfe des ausschwenkenden Kupplungshebels. Dessen freies Ende wird von den acht Säulen des drehbar gelagerten Schaltrads zum Auskuppeln abgehoben. Beim Starten fällt es hingegen jeweils zwischen zwei Säulen. Dabei bedarf es einer exakten Definition der Eingriffstiefe.

Hier erhält die überlieferte Abdeckkappe als Merkmal feinster Chronographen erstmals eine aktive Funktion: Minimale Exzentrizität gestattet sensibles Regulieren des Kupplungshebel-Bewegungswinkels. Traditionell kommt dieser Job einer weniger feinfühlig verstellbaren Exzenterschraube in der Platine zu.

Bleibt die Nullstellung des Chronographen. Dem Hebel, dessen beide Enden auf die Nullstellherzen drücken, haben die Uhrmacher ein gleichermassen stabiles wie leichtgängiges Rubinlager gegönnt. Das v-förmige Gebilde besteht beim CH 29-535 aus zwei Teilen. Der linke schiebt nach Betätigung des Nullstelldrückers zunächst den zentralen Chronographenzeiger «gegen Norden».

Mit kurzer zeitlicher Verzögerung tritt der rechte, dem Minutenzähler zugeordnete Arm in Aktion. Die in engen Massen flexible Befestigung und die Verwendung einer separaten Nullstellfeder für jedes Ende gestatten die von Philippe Stern gewünschte Präzision auch ohne individuelle Anpassung und Justage. Die funktionsbezogene Geometrie bleibt immer erhalten.

Hommage an die Damen

Bei aller ihm stets eigenen Bescheidenheit mag Philippe Stern seinen Stolz auf dieses neue Uhrwerk aus seinem Haus nicht verbergen: «Ausserdem ist es das erste, welches wir mit Blick auf unser eigenes Patek-Philippe-Qualitätssiegel entwickelt haben.»

In den Genuss der ersten Exemplare wird diesmal explizit das zarte Geschlecht kommen. Aus diesem Grund nennt sich die zugehörige Armbanduhr schlicht «Ladies First.» 136 Diamanten und ein Roségold-Gehäuse spielen die Begleitmusik der Uhr, deren Preis über 70000 Fr. zu liegen kommt.

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EURO STOXX 218.5 1.7 0.8%
FTSE 100 5'354.1 49.6 0.9%
Dow Jones 30 Industrial 12'504.5 135.1 1.1%
NASDAQ 100 2'545.4 66.9 2.7%
S&P 500 1'295.2 -9.6 -0.7%
Nikkei 225 8'729.3 95.4 1.1%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
57.70 1.65 2.94
37.75 0.69 1.86
1'700.00 22.00 1.31
15.40 0.18 1.18
10.81 0.12 1.12
54.05 0.10 0.19
156.40 0.00 0.00
48.80 -0.10 -0.20
54.35 -0.15 -0.28
40.24 -0.58 -1.42
Name Kurs +/- +/- %
37.86 0.67 1.79
35.79 0.59 1.68
1.46 0.02 1.60
62.65 0.88 1.42
131.15 1.70 1.31
29.81 0.08 0.27
75.88 0.14 0.18
53.05 0.06 0.11
51.79 0.02 0.04
75.76 -0.28 -0.37
Name Kurs +/- +/- %
33.92 1.19 3.64
1.02 0.03 2.66
2.29 0.06 2.51
2.48 0.05 1.89
16.20 0.30 1.89
2.36 0.00 -0.17
13.16 -0.11 -0.79
8.57 -0.15 -1.72
15.37 -0.56 -3.52
0.72 -0.03 -4.50

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