18.11.2009 | 05:30
JEAN-CLAUDE BIVER
Von:
Interview: Gisbert L. Brunner
Foto:
Bild: Bruno Arnold
 

«Wer die Absatzschwäche negiert – der lügt»

Jean-Claude Biver Der Chef der Uhrenmarke Hublot ist überzeugt, dass sich auch weiterhin Armbanduhren verkaufen lassen. Die Schweizer Uhrenindustrie leide aber momentan unter der Absatzschwäche. Jenen, die den Einbruch negieren oder gar schönrede, schreibt Biver ins Heft: „Sie sind aktuell nicht auf dem Markt – oder sie lügen“.

Nebenartikel:

Von Ihnen stammt der Ausspruch «Wer 8000 Fr. ausgibt, um die Zeit abzulesen, ist ein Idiot.» Ausgerechnet Hublot aber bewegt sich in diesem Preissegment. Ziemlich frech, Ihre Provokation ...

Jean-Claude Biver: Ich glaube weiterhin, dass niemand 8000 bis 15 000 Fr. nur dafür ausgeben kann, um die Zeit von einer Armbanduhr abzulesen. Wenn er das macht, dann ist er nicht ganz normal. Für dieses Geld bekommt man zum Glück andere Werte. Heute gibt es das Zeitablesen gratis am Handy, am Laptop.

Was ist denn aber der Zweck einer Luxusuhr?

Biver: Es muss neben dem eigentlichen Hauptwert einer Uhr noch Nebenwerte geben. Die sind am Ende wichtiger als der Hauptwert. Was nützt ein Auto, mit dem ich 300 Stundenkilometer schnell fahren kann, wenn ich in der Schweiz nur 120 fahren darf? Aber die Leute kaufen sich trotzdem einen Porsche, einen Mercedes. Ich kaufe mir das Auto nicht wegen der Geschwindigkeit. Ich kaufe es wegen der ganzen Atmosphäre, wegen der Emotionen, des Traums, des Status.

Übertragen auf die Uhr bedeutet dies was?

Biver: Mit der Uhr, die ich trage, demonstriere ich beispielsweise, ob ich ein eleganter, ein sportlicher oder ein origineller Typ bin. Das ist doch viel wichtiger. Die Uhr kommuniziert meine Persönlichkeit. Das Wer-bin-ich. Das sind die entscheidenden Werte.

Sind die Leute in Krisenzeiten überhaupt noch bereit, Geld für diese Werte auszugeben?

Biver. Die Konsumenten haben die Lust, Geld auszugeben, überhaupt nicht verloren. Aber wenn weniger Geld da ist, kann ich halt nur weniger ausgeben. Wenn jemand 2007 bei der UBS 10 Mio Fr. Bonus erhielt, dann gab er diese auch aus. Wenn er jetzt nur noch 3 Mio Fr. erhält, dann geht es ihm nicht schlecht. Aber er hat 7 Mio Fr. weniger zum Ausgeben. So einfach ist das. Und dann trifft er Entscheidungen. Ist es das Ferienhaus in Saint Tropez, das er nicht vergrössert? Ist es mein eigenes Haus am Zürichsee, wo ich den Swimmingpool nicht von 25 auf 50 m verlängere? Spare ich am neuen Auto? In jedem Fall wird er verschiedene Entscheidungen treffen.

Aber die Lust zum Traum, zur Emotion, zum Schönen, die bleibt beim Menschen erhalten.

Biver: Der Mensch ändert sich grundsätzlich nie. Träume, Emotionen, Lust auf Schönes, Exklusives, Rares sind Werte, die wir Menschen immer haben. Aber in der heutigen Situation sinkt die Bereitschaft, weil das Einkommen kleiner wurde. Aber so dramatisch ist die Lage nicht.

... aber Sie spüren den Einbruch?

Biver: Alle. Ein Uhrenhersteller, der sagt, dass er die Krise nicht spürt, der war entweder letztes Jahr nicht auf dem Markt - oder er lügt. Die Uhrenindustrie insgesamt hat gegen 30% Umsatz verloren. Manche leiden mehr, andere weniger. Hublot liegt derzeit bei minus 15%.

Leiden Sie persönlich darunter?

Biver: Ich leide nie persönlich. Ich fahre Velo. Ich wiege 35 kg zu viel. Mein Arzt sagt, wenn du so viel Velo fährst, müsstest du 20 kg abnehmen. Wenn ich mich aber fürs Abnehmen anstrengen muss, dann tu ich es nicht. Also, was mache ich? Ich fahre Velo und ich fahre immer bergauf. Ich fahre nie, wenn es flach ist, denn da finde ich es langweilig. Aber mit meinem Gewicht wäre es viel bequemer, wenn es flach ist. Da kann ich relativ schnell fahren. Nur wenn es bergauf geht, komme ich nicht mehr mit. Da ist sogar der Alte ohne ein Gramm Fett auf den Rippen vor mir. Aber ich gehe trotzdem bergauf, weil ich die Schwierigkeiten gern meistere. Das heisst: Ich bin vom Charakter her einer, der das Schwierige immer zuerst anpackt.

Übertragen heisst das ...

Biver: Heute ist es sehr attraktiv, in der Uhrenbranche zu arbeiten. Heute zeigt sich, wer ein guter Manager ist. Früher waren alle stark, hatten alle gute Ergebnisse.

Was ist der Unterschied zwischen Ihnen, der es schon ein paar Mal geschafft hat, und anderen?

Biver: Hublot-Besitzerin LVMH habe ich gesagt, ich werde keinen Cent weniger für Marketing ausgeben. Ich werde das gleiche Marketing machen wie vor der Krise. Ich werde die Entwicklungskosten für neue Produkte gegenüber 2008 sogar noch erhöhen. Ich werde an die Universität gehen und dort 2009 eine halbe Mio Fr. unter anderem in die Suche für neue Materialen investieren. Ich will auf keinen Fall die Manufaktur bremsen. Von den 50 neuen Arbeitsplätzen, die ich 2009 schaffen wollte, werden es vermutlich nur 35 werden. Aber diese 35 will ich. Alles was langfristig ist, will ich nicht auf dem «Altar der Krise» opfern. Ich will kein langfristiges Opfer wegen einer Krise, die 18 oder 24 Monate dauern wird. Beim Handwerk lässt sich nicht sparen, denn das braucht man morgen. Das wäre schade. Und LVHM hat meinen Begehren zugestimmt.

Wird dann gar nicht gespart?


Biver: Doch, überall aber anders. Zum Beispiel gibt es für interne Zwecke keine Farbkopien mehr. Telefoniert wird, wenns geht, über Skype. Das bringt erstaunlich viel. Wir haben gesagt, wir brauchen auf dem Dach der neuen Manufaktur eine Anlage für Solarstrom. So weit sind wir noch nicht. Aber das warme Wasser entsteht mit Solarenergie. Das war 2006 im Projekt nicht vorgesehen.

Und beim Reisen?


Biver: Dürfen wir keinesfalls sparen. Im Gegenteil: Heute müssen wir mehr reisen als früher, weil der Markt leidet. Wir müssen unsere Konzessionäre vor Ort unterstützen, wir müssen ihnen zeigen, dass wir da sind. Wir müssen zeigen, dass wir Geld ausgeben, um sie zu besuchen, dass wir Vertrauen haben. Ich gehe jeden Monat zwei Tage nach China, dazu mache ich einen Stopover abwechselnd in Hongkong, Bangkok oder Singapur. Das heisst, dort bin ich jeden dritten Monat. Andere in der Gruppe haben protestiert, aber ich bin hart geblieben. Wir erhöhen die Reisekosten. Wenn wir Kurz- und Mittelstrecke fliegen, ist Economy-Class angesagt. Bei 1 Stunde Flugzeit macht das doch keinen Unterschied. Nur bei Fernflügen gibt es weiterhin Business- oder für mich Firstclass.

Werden angesichts der Krise die Armbanduhren in der Zukunft anders aussehen als bisher? In den vergangenen Jahren sind die Preise ja förmlich explodiert. Manche Hersteller haben begonnen, die Preise für existente Produkte zu senken. Sind das probate Mittel zur Krisenbewältigung?

Biver: Wir pflegten immer eine ganz klassische Preisstrategie. Wir nehmen unsere Kosten und multiplizieren sie mit einem immer gleichen Kalkulationsfaktor, der alle Margen beinhaltet. Damit kommen wir auf einen Preis, der nicht beispielsweise von der Begehrlichkeit oder dem Erfolg eines Produkts abhängig ist. Wenn wir also die Preise ändern möchten, müssten wir also unsere oder eine andere Marge reduzieren. Die Kosten sind rational gerechnet. Da lässt sich nichts ändern. Wir sehen nicht ein, warum wir auch nur eine der Margen kürzen sollen. Also gibt es keine Preisänderungen. Bliebe also nur die Entwicklung neuer Produkte mit neuen Materialien, die einen geringeren Einstandspreis brächten. Auch da sagen wir nein, denn wir sind mit der bisherigen Einstandspreislage zufrieden. Wir finden, dass wir richtig positioniert sind. Eine Strategieänderung bei den Preisen steht also nicht zur Debatte.

Wird sich der Markt dauerhaft auf niedrigere Stückzahlen einstellen müssen? Werden langfristig einfach 10 oder 15% weniger Luxusuhren absorbiert? 

Biver: Ich vertrete die Auffassung, dass wir – schneller, als wir glauben – zum Niveau 2008 zurückfinden. 2009 wird das allerdings nicht der Fall sein, obwohl manche in der Branche behaupten, das sei machbar. Ich glaube dies aber nicht. Es könnte aber durchaus sein, dass wir 2010 zum 2008er-Niveau zurückfinden.

Ihre Begründung.

Biver: So lange sich die Weltkonjunktur vorwärtsentwickelt, werden die Uhren folgen. Wenn es mehr Chinesen mit mehr Geld gibt, werden sich auch mehr luxuriöse Uhren verkaufen lassen. Die Uhrenbranche tickt proportional. Wenn jemand sagt, die jungen Leute schauten zum Zeit-Ablesen aufs Telefon, dann stört oder beängstigt mich das nicht. Wir verkaufen ja keine Uhren, bloss um die Zeit abzulesen. Deshalb sind Handys keine Konkurrenz.

Sie verkaufen Nebenleistungen.

Biver: Wir verkaufen das Zusätzliche. Und dieses Zusätzliche wollen die Menschen auch weiterhin, selbst wenn sie die Zeit woanders ablesen können. Das Tragen der Uhr ist eine Tradition des menschlichen Kommunikationssystems geworden. Wir in der Schweizer Uhrenindustrie haben eine Unabhängigkeit vom reinen Zeit-Ablesen erreicht. Wenn wir das nicht geschafft hätten, sähe es vermutlich anders aus. Telefone sind keine Konkurrenz.

Was ist denn die Statuskonkurrenz für Uhren? Autos vielleicht?

Biver: Autos sind ein interessantes Beispiel. In Ländern, wo keine grosse Sicherheit herrscht, sind Luxusautos eher ein Problem. Sie setzen ein Signal. Man folgt dem Besitzer und kann seinen Wohnort ausmachen mit allen negativen Folgen. Man ist entdeckt. Das passiert bei einem eher kleinen und einfachen Auto nicht. Wenn ich mit einem teuren Auto zu einem Lieferanten oder Kunden fahre, wird vielleicht auch gefragt: Schau mal, wie der lebt, was für ein Auto der hat. Kein Wunder, der verkauft uns die Ware viel zu teuer. Und dann der Verkehr, ökologische Aspekte und die Beschränkung der Geschwindigkeit. Deshalb haben viele Leute gesagt: Anstelle des 200000-Euro-Autos kaufe ich mir lieber eine Uhr. Die ist diskret, die kann man zeigen oder nicht. Für manche ist die Uhr also ein Ersatz geworden. Autos haben heute ein strukturelles Problem, das die Uhrenindustrie so nicht kennt. Unser Problem besteht darin, dass die Leute derzeit weniger Geld zum Ausgeben haben. Wenn das alte Einkünfteniveau wiederhergestellt ist, wird auch wieder mehr Geld für Uhren ausgegeben. Ob man in fünf Jahren wieder mehr Geld ausgibt für ein klassisches Luxusauto, ist hingegen fraglich.

Wie sieht der klassische Hublot-Kunde aus?


Biver: Das ist eine gute Frage, deren Antwort vor zwei Jahren mit einer Reise nach Japan beginnt. In Tokio besuchte ich Mitsukoshi. Dort gab es eine grosse Uhren-Verkaufsaustellung. Mit einem Super-Umsatz. Um 5 Uhr abends ging ich weg. Vor dem Lift klopfte mir ein Verkäufer auf die Schulter. Herr Biver, wir haben gerade noch eine Big Bang verkauft. Der Kunde möchte eine Hand-Signatur von Ihnen auf dem Garantieschein. Ich gratulierte zum Kauf. Der Kunde fasste das irgendwie als Spott auf. «Ich bin Uhrensammler», sagte er. Ich: Sie sind Uhrensammler? «Ja», und er zeigte mir seine Platin Patek Philippe für mehr als 250000 Fr. Ich staunte und sagte, dass ich die Gleiche besitze. Er: «Gratulation. Ich besitze 157 Pateks!» Ich: Warum kaufen Sie dann ausgerechnet eine Hublot. Er: «Weil ich jetzt 92 Jahre alt bin und mit der Zukunft verbunden sein möchte.» Das war phantastisch, deckte sich genau mit meiner Fusions-Idee. Die Verbindung zwischen Tradition und Zukunft. Ich hatte erreicht, was ich wollte und hätte danach getrost in den Ruhestand gehen können. Bei der Rückreise mit Stopover in Hongkong sah ich meinen Sohn. Der berichtete mir, dass er ein Tourbillon an einen jungen Chinesen verkauft habe, dessen Vater in Shanghai im Immobiliengeschäft erfolgreich sei. Mein Sohn. «Der junge Mann ist sehr informiert über China, weilt gerade in Hongkong und mag dich treffen, wenn du willst.» Gesagt, getan. Natürlich fragte ich auch ihn, warum er sich die Uhr gekauft hatte. Seine Antwort: «Mein Vater ist Uhrensammler, besitzt aber keine Hublot. Sie unterscheidet mich demnach von meinem Vater.» Der hat also genau das Gegenteil des Anderen gesagt. Diese Uhr trennt mich von der Vergangenheit. Das ist, was ich mit Hublot erreichen möchte. Den Link zwischen Vergangenheit und Zukunft in einer Uhr. Wir wiederholen die Vergangenheit nicht. Wir nehmen sie, um die Zukunft zu interpretieren. Das ist unsere Philosophie. Unsere Kunden wollen sich nicht die 5. oder 10. Traditionsuhr kaufen.

Haben die klassischen Gehäusematerialien bei Hublot in Zukunft also ausgedient?

Biver: Genau genommen, ja. Unser Umsatzrenner ist die Uhr mit Rotgold und Keramik. Warum? Sie hat 80% Rotgold und dann die tiefschwarze Keramiklünette. Diese Mischung hat unglaublich viel geweckt. Wäre die Uhr am Anfang nur schwarz gewesen, hätte sie einen viel kleineren Impact gehabt. Gold gemischt mit Keramik und Kevlar hat hingegen voll eingeschlagen. Gold auf der einen Seite war Tradition, Keramik war Zukunft. Nur Keramik ist ja keine Fusion. Das Gold hat uns am meisten geholfen, die Fusion zu erklären.

Gibt es für die Zukunft noch andere Materialien, welche die Gehäusetechnologie vielleicht auf den Kopf stellen wird? Hublot investiert schliesslich eine halbe Mio Fr.

Biver: Wir bezahlen gerade einen Doktoranden. Es gibt zwei Arten der Forschung, die angewandte und diejenige, welche sich mit den Grundlagen beschäftigt. Wir zahle für letztere, bei der wir nicht wissen, was am Ende rauskommt. Aber wir sind sicher, irgendetwas kommt heraus. Wenn wir was gefunden haben, gehen wir einen Schritt weiter. Wir wollten keine Forschung in Gold, in Keramik oder in Kevlar. Wir wollten – egal, wo – unspezifisch forschen. Vorgaben waren Kratzfestigkeit, Leichtigkeit und mögliche Farbigkeit. Die Forschung muss eine Farbpalette eröffnen. Farbe ist immens wichtig. Während vielen Jahrhunderten kannte die Uhrenindustrie nur zwei Farben: Gelb für Gold und Silber für Weissgold und Platin. 1973 kam ein Luxusmarke mit Stahl. Aber Stahl ist auch irgendwie silberfarben. Stahl brachte aber keine zusätzliche Farbe. Wir bringen neue Farben und wollen noch weitere bringen.

Wieso setzen Sie auf Farben?


Biver: Die Farbe ist ein Element der Emotion. Farbe gibt Emotion, sonst könnte man keine Gemälde haben. Wenn meine Uhr eine bestimmte Farbe besitzt, kann sie eine andere Emotion ausstrahlen. Also brauchen wir eine Palette von Farben, die vor allem nie weggeht. Wir haben heute PVD, aber das bleicht mit der Zeit aus. Das passt nicht zur Luxusuhr, die auf Dauer ausgelegt ist. In 20 Jahren muss Schwarz noch schwarz, Rot immer noch rot sein. Vor allem für Frauen ist Farbe ganz wichtig.

Ist die Dauerhaftigkeit nicht kontraproduktiv. Hublot möchte nach zehn Jahren eine neue Uhr verkaufen, denn auch diese Mark lebt eher von Mehrfach- als Erst- oder Einmalkäufern …

Biver: Wir haben das Monoprodukt Big Bang, das aus einer Basis- der Stammkollektion in verschiedenen Varianten besteht. Weitgehend immer dasselbe in Stahl oder Gold. Die Frage lautet: Wie kann ich jemand, der schon dies oder das gekauft hat, noch eine Hublot verkaufen? Ganz einfach: Wir machen neben der Hauptstrasse kleine Raststellen mit limitierten Modellen. Sobald diese ausverkauft sind, geben wir die Strasse wieder frei für das Angestammte.

Ihre Beispiele.


Biver: Die limitierten Uhren Ayrton Senna oder Manchester United dienen nur dazu, dass derjenige, welcher schon drei Hublots hat, noch eine vierte findet. Aber wir müssen wirklich streng und konsequent limitieren. Sobald geliefert, müssen diese Kleinserien aus dem Angebot unbedingt wieder verschwinden.

Apropos Manchester. Dem Fussball haftet das Odium des irgendwie Unterschichtigen an. Passt das zu einer Luxusmarke?

Biver: Stimmt, das war früher einmal so. Aber inzwischen haben die Reichen den Fussball entdeckt. Abramowitsch, Hopp, Berlusconi, die Agnellis – sie alle haben sich Fussballklubs gekauft. Und die ziehen zahlungskräftiges Publikum an. Fussballspieler verdienen Geld, Trainer auch. Fussball-Profis sind fast wie Hollywood-Superstars. Fussball wurde vertikal populär. Von arm bis reich, von jung bis alt, vom Generaldirektor bis zum Arbeiter. Wegen der vertikalen Popularität finden wir unsere Kundschaft zunächst in der Spitze der Fan-Pyramide. In der Mitte gibt es Aufsteiger, beispielsweise Studenten, die eines Tages oben sein und dann zu unserer Klientel gehören werden. Die Basis unten stört nicht. Die wird niemals unsere Uhren kaufen können oder wollen. Aber die Bekanntheit unserer Marke wächst auch dort. Dort muss eine Luxusmarke auch bekannt sein. Jeder kleine Junge kennt Ferrari oder Rolls-Royce, das schadet den Marken nicht.

Reicht Fussball als Plattform aus?


Biver: Nein, zusätzlich müssen wir wegen der oben angesiedelten Zielgruppe auch noch in Polo, Segeln und Golf gehen. Dann haben wir fast alles abgedeckt. Das unsere Politik. Nicht nur Fussball. Wir müssen breit aufgestellt sein auch in diesen Elite-Sportarten, auch in unterschiedlichsten Ländern.

Sie haben seinerzeit Cindy Crawford zu Omega gebracht. Warum gibt es bei Hublot keine Testimonials?


Biver: Es wird eine geben. Eine Frau, sehr schön, sehr klug, universitär ausgebildet, fünf Sprachen sprechend, die für Victorias Secrets arbeitet.

Ihr Name?


Biver: Veronica Verakowa aus Tschechien.

In Ihrem Büro sind Bilder von Michael Douglas und Cameron Diaz zu sehen. Was ist also mit Hollywood-Stars und anderen Show-Bizz-Grössen?

Biver: Die haben ihre Hublots alle selber gekauft.

Sie sind bekannt für besondere Kreativität in der Kommunikation. Wie lautet ihre Philosophie?

Biver: Im Uhrenbusiness führt kein Weg an Kommunikation vorbei. Man muss kommunizieren. Uhren besitzen eine Seele. Hervorgerufen durch die Liebe der Uhrmacher, die die Uhr fertigen. Und natürlich auch hervorgerufen durch den Markenchef, der Charisma aufweist und der Uhr eine Persönlichkeit verleiht. Und wenn man eine Uhr mit Persönlichkeit besitzt, dann hat man plötzlich ein ganz anderes Produkt. Produkte, auch Uhren, leben durch Menschen. Wenn ich ein iPhone anschaue, sehe ich Steve Jobs vor mir. Oder Ferrari. Dann denke ich an Enzo Ferrari. Chanel, da wars die Coco Chanel, oder Laurent mit Yves an der Spitze. Wenn also unsere Uhren die Persönlichkeit haben und dazu die Liebe der Uhrmacher, dann habe ich plötzlich ganz andere Dimensionen. Also muss ich kommunizieren. Das kann ich.

Sie haben zwei Uhrenmarken von  null nach oben geführt. Was sind die wichtigsten Erfolgsrezepte?


Biver: Arbeit und nochmals Arbeit. Arbeit bedeutet Opfer. Man muss bereit sein, Opfer zu bringen. Egal wann, egal wie. Und jeden Tag zwei Stunden mehr arbeiten als die Konkurrenz. Das bringt bei 300 Arbeitstagen im Jahr 600 Stunden oder 15 Wochen Kreativitätsvorsprung. Mit zwei kleinen Stündchen pro Tag habe ich fast vier Monate Vorsprung.

Das allein kann es nicht sein...


Biver: Man muss teilen können. Wenn ich arbeite und nicht teile, bekomme ich keine Hilfe, bleibe ich alleine. Wenn ich teile, egal ob Sympathie, Wärme, Grosszügigkeit, Wissen, Erfahrungen, bekomme ich viel zurück. Und das ist wiederum Hilfe. Man muss lernfähig bleiben, muss zuhören können, muss andere Meinungen akzeptieren. Das hilft mir, erfolgreich zu werden.

Es fehlt hier der Begriff Vision.

Biver: Man muss Visionen haben und Führungscharisma. Es ist wichtig, die Mitarbeiter richtig führen und anleiten zu können. Zum Teamspirit gehört auch das Verzeihen können.

Im Segeln steht – sofern er nach dem juristischen Hickhack überhaupt ausgetragen wird – der 33. America’s Cup bevor. Hublot ist als Sponsor des Schweizer Alinghi-Teams dabei. Warum?

Jean-Claude Biver: Alinghi ist eigentlich ein nationales Projekt und eine Herausforderung für die Schweiz. Deswegen steht auch «Swiss Made» auf dem Boot. Allein Schweizer Unternehmen haben das Boot gebaut. In diesem Sinne geht es eigentlich auch um einen Technologiekampf zwischen den USA und der Schweiz oder Europa. Für uns als Schweizer Unternehmen ist das der wichtigste Punkt unseres Sponsorings.

Aber das Engagement geschieht sicher nicht ohne Erwartungen.

Biver: Nein, natürlich nicht. Wir versprechen uns zuerst mal einen Sieg. Und daran wollen wir partizipieren, wo immer auch der America’s Cup ausgetragen wird, ob in den VAE, in Australien oder eventuell halt doch wieder in Valencia. Wir wollen ferner eine Schweizer Marke sein, welche ein Schweizer Projekt unterstützt. Konkret werden wir mit der Alinghi werben und eine limitierte Alinghi-Uhr lancieren. Die soll in den Materialen des Bootes gebaut werden und auf 333 Stücke limitiert sein. Die Lieferung beginnt Anfang Januar 2010.

In welcher Form wird Hublot das America›s-Cup-Sponsoring für sich nutzen?

Biver: Das Sponsoring des Alinghi-Programms verstärkt und vertieft unser bereits vorhandenes Engagement in der Welt des Segelns und des Meeres. Es zeigt auch Konstanz, denn das letzte Mal waren wir ja schon als Partner des Teams Luna Rossa dabei.

Handelt es sich um ein längerfristiges Engagement oder betrifft es nur das nächste Rennen?


Biver: Zuerst beziehen sich die Aktivitäten nur auf den 33. America’s Cup. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir danach weitermachen werden.

Im Rahmen der diesjährigen Monaco Yacht Show fand im September die «OnlyWatch»- Wohltätigkeitsauktion statt. Speziell um die Patek Philippe gab es in der Versteigerung einen heftigen Bieterkampf. Am Ende bekamen Sie die Uhr für 535000 Euro. Weshalb haben Sie mitgeboten?

Biver: Drei Dinge haben mich bewogen, auf diese Armbanduhr zu bieten: Es ist Zeit, dass ich mit 60 – und gesegnet mit unendlichen Privilegien – anfange zu denken, zu teilen und weiterzugeben. Zudem  hat mein Sohn Pierre mit dem Sohn von Luc Pettavino vor dessen Erkrankung viel gespielt. Ich überlegte mir also, dass dieser Kauf für meinen Sohn Pierre eine doppelte emotionale Rolle spielt und die bezahlte Summe einem sehr menschenfreundlichen Zweck zu Gute kommt. Zu guter Letzt liebe ich diese Uhr. Es ist ausgesprochen selten, ein hochkarätiges Unikat von Patek Philippe kaufen und gleichzeitig das Geld für eine wirklich gute Sache ausgeben zu können.

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SMIM 1'131.7 5.1 0.5%
DAX 30 6'377.5 46.5 0.7%
EURO STOXX 218.2 1.4 0.7%
FTSE 100 5'348.3 43.8 0.8%
Dow Jones 30 Industrial 12'504.5 135.1 1.1%
NASDAQ 100 2'545.4 66.9 2.7%
S&P 500 1'295.2 -9.6 -0.7%
Nikkei 225 8'729.3 95.4 1.1%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
41.16 0.92 2.29
18.97 0.23 1.23
38.28 0.46 1.22
54.70 0.65 1.20
15.56 0.16 1.04
156.50 0.10 0.06
152.50 0.00 0.00
30.98 -0.02 -0.06
37.72 -0.03 -0.08
351.30 -0.70 -0.20
Name Kurs +/- +/- %
36.06 0.86 2.44
1.46 0.02 1.67
13.33 0.22 1.64
131.45 2.00 1.55
47.54 0.72 1.54
41.01 0.04 0.09
28.95 0.00 0.00
75.90 -0.14 -0.18
15.18 -0.09 -0.59
23.56 -0.44 -1.83
Name Kurs +/- +/- %
1.02 0.03 2.66
2.29 0.06 2.51
33.54 0.82 2.49
2.48 0.05 1.89
4.71 0.08 1.68
25.22 -0.10 -0.40
13.06 -0.21 -1.58
8.57 -0.15 -1.72
15.37 -0.56 -3.52
0.72 -0.03 -4.50

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