29.07.2008 | 21:00
MARC FABER
Von:
Roberto Stefano
Foto:
|
 

Crash-Prophet empfiehlt Cash

In den nächsten Jahren werden sich Aktien nicht besonders gut halten, ist der Börsen-Guru überzeugt. Er rät daher zu Cash-Positionen, auch wenn diese real an Wert einbüssen. Steigen dürfte aber der Goldpreis.

Er gilt als Querdenker und Paradiesvogel innerhalb der Investorenszene. Um den 62-jährigen Doktor der Wirtschaftswissenschaften mit dem unverkennbaren Rossschwanz als Markenzeichen ranken sich Legenden, seit er vor 35 Jahre nach Asien gezogen ist, um von dort an den Weltmärkten zu investieren.

Keine Legende ist, dass Marc Faber wenige Tage vor dem «Black Monday» 1987 zum Ausstieg aus der US-Börse geraten hat oder den Zusammenbruch des japanischen Aktienmarktes im Jahr 1990 prognostizierte. Auch das Platzen der Technologieblase zum Jahrtausendwechsel sah er kommen.

Seine Crash-Vorhersagen haben ihm Übernamen wie «Dr. Doom» oder «Untergangs-Prophet» eingebracht. In seinen Prognosen, die er mit farbigen Bildern ausschmückt, nimmt Faber kein Blatt vor den Mund und bezeichnet Bankiers schon mal als Voll-idioten, «deren Intelligenz die Anleger nicht überschätzen und den Schwachsinn, den sie erzählen, unterschätzen sollen». Trotzdem wird seinen Voraussagen, auch von der Wall Street, hohe Beachtung geschenkt.

Bessere Kaufchancen abwarten

Getreu seinem Ruf als Crash-Guru warnt Marc Faber bereits seit mehr als einem Jahr vor einem Absturz der Finanzmärkte und befürchtet gar einen Kollaps des Systems. Es erstaunt wenig, dass er bis Ende 2008 noch keine Entspannung der Situation erwartet. «Ich bin der Ansicht, dass Aktien sich in den nächsten Jahren nicht besonders gut halten werden, und dass sich nächstes Jahr oder gar im 2010 bessere Kaufgelegenheiten bieten werden», so Faber.

Dies bedeutet aber keineswegs, dass ab 2009 mit einem Aufschwung in dieser Anlageklasse zu rechnen ist. Schliesslich neigt Faber zu einem «Contrarian»-Investment-Stil. Hinter dieser Strategie steht die Idee, dass eine Kurswende bevorsteht, wenn alle Marktteilnehmer dasselbe tun: Kaufen alle zu steigenden Kursen, werden dem Markt irgendwann die Käufer ausgehen. Verkaufen alle zu fallenden Kursen, gibt es irgendwann keine Abgabebereitschaft mehr.

Mao-Memorabilia als Investment

«Ich versuche, vernachlässigte und unbeliebte Märkte und Anlageobjekte inklusive Immobilien, Rohstoffe, Aktien, Kunst und Sammelobjekte zu kaufen und übermässig beliebte Anlagen zu verkaufen», erklärt der Vermögensverwalter und Herausgeber des Anlegerbriefs «The Gloom, Boom & Doom Report». Als seine beste je getätigte Investition bezeichnet er denn auch nicht ein Wertpapier einer Firma, sondern den Erwerb seiner Mao-Tse-tung-Memorabilia-Sammlung, die prozentual am meisten Wert zugelegt habe. Gekauft hat sie der Asien-Kenner zu Lebzeiten des Revolutionsführers für wenig Geld in der Annahme, dass diese nach dem Tod von Mao bei Sammlern sehr gesucht sein werde. Die Wette scheint aufgegangen zu sein.

Auch heute hat es dem «Orakel von Chiang Mai», wie Faber aufgrund seines mittlerweile im Norden Thailands liegenden Hauptquartiers auch genannt wird, keine Aktie besonders angetan. «Ich nehme an, dass alle Börsen und die meisten Anlageobjekte noch fallen werden», sagt Faber. Vielmehr rät er deshalb, Bargeld zu halten, obwohl auch dieses zurzeit real gemessen an Wert verliere, weil die Inflation über den Zinsen liege. «Aber lieber jedes Jahr real 3% zu verlieren als 50 bis 90% mit Bankaktien», ist der Börsenguru überzeugt.

Die grösste Herausforderung der nächsten Jahre sieht Faber ohnehin darin, die Kaufkraft seines Geldes zu schützen. Schliesslich würden die Zinsen auf Depositen weit unter der Konsumentenpreisinflation liegen. Und nicht einmal die Flucht ins Gold scheint für den Profiinvestor kurzfristig einen ruhigen Schlaf zu ermöglichen. «Meine grösste Position ist zwar physisches Gold. Wenn aber die Weltwirtschaft so zusammenbricht, wie ich es erwarte, könnte es auch zu Turbulenzen am Goldmarkt kommen», prognostiziert Faber.

Traue keinem Finanzexperten

Mittelfristig ist er aber zuversichtlich, dass sich mit dem Edelmetall noch viel Geld verdienen lässt. Er begründet seine Annahme mit der überaus expansiven Geldpolitik der Notenbanken. «Wenn mit der Zeit alle Notenbanken Geld drucken werden, dürfte der Goldpreis noch wesentlich zunehmen», ist Faber überzeugt. Als negatives Beispiel führt er dabei die amerikanische Fed an, deren Vorsteher er aufgrund seiner Strategie gar als «hirnverbrannt» bezeichnet.

Hart ins Gericht geht der seit 1990 im Vermögensverwaltungsgeschäft tätige Faber aber auch mit der eigenen Zunft: Analysten und Fondsmanager wirft er Eigeninteresse vor, wenn diese positiv über ihre Branche und über ihre Anlagen schreiben. Ähnlich skeptisch gibt er sich gegenüber Firmen- managern und nennt diese «geborene Lügner», die immer positiv über ihr Geschäft Auskunft geben werden. Folglich empfiehlt er den Anlegern, «weder dem Management einer Gesellschaft zu glauben noch den Analysten und Fondsmanagern zu trauen».

SMI 5'797.8 -75.0 -1.3%
SPI 5'419.8 -69.1 -1.3%
SLI 871.9 -15.4 -1.7%
SMIM 1'120.6 -17.8 -1.6%
DAX 30 6'271.2 -37.7 -0.6%
EURO STOXX 215.7 -1.0 -0.5%
FTSE 100 5'267.6 -70.8 -1.3%
Dow Jones 30 Industrial 12'369.4 -73.1 -0.6%
NASDAQ 100 2'478.5 -30.5 -1.2%
S&P 500 1'304.9 -19.9 -1.5%
Nikkei 225 8'641.3 30.0 0.4%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
54.50 0.00 0.00
156.40 -0.60 -0.38
48.90 -0.20 -0.41
53.95 -0.25 -0.46
350.00 -3.00 -0.85
54.25 -1.60 -2.86
37.06 -1.17 -3.06
382.80 -14.70 -3.70
302.30 -11.70 -3.73
30.90 -1.33 -4.13
Name Kurs +/- +/- %
23.25 0.36 1.57
15.20 0.18 1.20
75.31 0.49 0.65
8.75 0.05 0.59
40.73 0.23 0.57
59.20 -1.22 -2.02
61.31 -1.42 -2.26
46.39 -1.13 -2.37
MAN
78.18 -2.34 -2.91
6.20 -0.23 -3.55
Name Kurs +/- +/- %
4.94 0.18 3.69
3.40 0.12 3.51
4.58 0.13 2.97
26.23 0.75 2.94
13.68 0.35 2.63
119.75 -2.50 -2.04
61.31 -1.42 -2.26
46.39 -1.13 -2.37
53.39 -1.63 -2.96
9.92 -0.69 -6.51

Aktuelle Ausgabe - Jetzt am Kiosk!

Aktuelle Ausgabe der Handelszeitung

  • EFTA-Gerichtshof- präsident: «Ein EWR-Beitritt wäre sinnvoll». Lesen
     
  • St. Galler KB forciert Geschäft in Deutschland. Lesen
     
  • Philippe Gaydoul verliert Navyboot-Chefdesigner. Lesen
     
  • Kommentar von Beat Balzli: CDS = Chemie der Sorglosigkeit. Lesen

 

Dieses und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis
Abonnement bestellen

Steuerrechner


Unser Steuerrechner zeigt Ihnen, wie sich die Steuern bei einem Wohnortswechsel verändern.
Zum Tool

Werden Sie angemessen bezahlt?

Unser Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss darüber, ob Sie genügend entlöhnt werden
Das Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss.
Zum Tool

finanzen.ch


Die aktuellen Börsenberichte aus aller Welt und weitere Infos für Anleger finden Sie laufend aktualisiert auf dem Schweizer Börsen- und Finanzportal finanzen.ch - einer Partner-Seite der Handelszeitung.
www.finanzen.ch

Artikel

Schweizer Konsumenten zuversichtlicher
Beim Blick auf die Wirtschaftslage und den Arbeitsmarkt sind die Schweizer...
Nato startet Raketenschild, Hacker attackieren Website
Die Nato hat ihre europäische Raketenabwehr teilweise einsatzbereit gemacht....
Grünes Licht aus China: Google darf Motorola Mobility übernehmen
Die letzte Hürde ist genommen: Die chinesischen Behörden haben Google die...
Machtwechsel in Serbien: Nationalist wird Präsident
Nach acht Jahren haben die Serben ihren pro-europäischen Präsidenten Boris...
René Hermann: Euro-Krise: «Spanien ist ein Wackelkandidat»
Er erwartet, dass neben Griechenland auch Portugal aus der Euro-Zone austreten...
Sarasin-Verkauf an Safra mit Verspätung
Sarasin-Chef Strähle im Visier der US-Steuerbehörden, der Safra-Hauptaktionär...
Moralische Unterstützung für Griechenland
Die wichtigsten westlichen Industriestaaten und Russland machen sich in Camp...
Blasphemie: Pakistan sperrt Twitter
Ein Wettbewerb zur Verbreitung von Mohammed-Karikaturen hat das Fass zum...
Grübel kritisiert: Nationalbank ist Euroraum ausgliefert
Der ehemalige UBS- und CS-Chef Oswald Grübel rechnet bei der Stützung des...
Economiesuisse-Präsident rechnet mit Euro-Austritt
Nur ein Wunder kann laut Gerold Bührer Griechenland in der Eurozone halten. In...

iPad

Die Handelszeitung auf Ihrem iPad und iPhone
Die Handelszeitung mobil auf Ihrem iPad und Ihrem iPhone.
Mehr Infos

RSS abonnieren

ANZEIGE

Newsletter bestellen

Der Newsletter von Handelszeitung informiert Sie wöchentlich über die wichtigsten News der Schweizer WirtschaftAbonnieren Sie unseren Newsletter und Sie erhalten wöchentlich die wichtigsten News der Schweizer Wirtschaft per E-Mail.
Newsletter abonnieren

ANZEIGE

Mobile Apps

Die wichtigsten und beliebtesten Apps für iPhones, Blackberrys und andere mobile Geräte.
Weiterlesen

ANZEIGE

Dossiers

Die grosse Analyse - auch abseits des Spielfelds: «Handelszeitung Online»...
Alt und schön: Von klassischen Oldtimern geht eine ungewöhnliche Faszination...
Griechenland steckt in einer politischen Krise - die finanzielle Zukunft des...
Hollande oder Sarkozy? Alle Fakten und Hintergründe im Vorfeld der Stichwahl am...
Am Mittwoch hat die Schweizerische Nationalbank wieder eine komplette...