05.08.2008 | 21:00
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Liebe Anleger

Die europäischen Bankaktien sind im Sinkflug. Alle Aktien in Europa? Nein! Eine kleine Schweizer Bank leistet Widerstand und entzieht sich dem kräftigen Abwärtssog. Valiant hat im letzten Jahr über 10% zugelegt. Die grösste Schweizer Regionalbank ist damit die einzige Bankaktie in Europa, mit der die Anleger Geld verdient haben. Die Aktie ist allerdings ein Liebhabertitel. Es ist also wegen der geringen Liquidität möglich, dass hohe Kurssteigerung schnell einmal nicht mehr gerechtfertigt ist. Die Ertragskraft der Bank kann sich jedoch sehen lassen: In den letzten Jahren ging es stetig aufwärts. Valiant hat 2007 zum elften Mal in Folge ein Rekordergebnis erzielt und liess an der Jahresmedienkonferenz durchblicken, dass sie Kundengelder von den Instituten, die von der Subprime-Krise gebeutelt wurden, gewonnen hat.

Alle anderen 62 europäischen Banken im Dow Jones Stoxx Banking Index mussten in der gleichen Periode teils herbe Kursverluste hinnehmen. Viele haben mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren, einige zwei Drittel und mehr. Am stärksten ist die Aktie des angeschlagenen britischen Hypothekenfinanzierers Bradford & Bingley mit einem Kurseinbruch von knapp 90% unter die Räder gekommen. Die Bank musste zuletzt ihre Pläne zur Aufnahme von frischem Kapital revidieren. Eine Private-Equity-Gesellschaft will nun doch kein Geld einschiessen, die Bank muss sich wohl oder übel an die Aktionäre wenden. Es ist kein Zufall, dass Bradford & Bingley das Schlusslicht bildet: Die britischen Banken wurden zweifellos am härtesten getroffen. Die Hypothekenfinanzierer HBOS und Alliance & Leicester haben rund 70% verloren – nur noch die UBS reiht sich in dieses Verliererfeld ein. Die britischen Hypothekenbanken leiden vor allem unter dem Verfall der Häuserpreise in Grossbritannien. Seit dem Höhepunkt im Sommer 2007 sind die Immobilienpreise eingestürzt, die Häuserpreise sind um fast 10% zurückgegangen. Die Analysten der Ratingagentur Standard&Poor’s (S&P) halten es allerdings für möglich, dass die Preise noch weitere 17% fallen.

In der letzten Fondsmanagerumfrage von Merrill Lynch hat Grossbritannien nicht gut abgeschnitten, das Euroland wird ebenfalls zunehmend unbeliebt. Auch die Schwellenländer werden von den Fondsmanagern nicht mehr so vorteilhaft eingeschätzt wie in früheren Umfragen. Dagegen sind die Märkte Japan und USA leicht in der Gunst gestiegen. Merrill Lynch befragt monatlich jeweils über 300 global investierende Fondsmanager zu ihrer Einschätzung der Finanzmärkte und zu ihrer aktuellen Asset Allocation. Dabei zeigt sich, dass die negative Börsenstimmung auch den Profis auf das Gemüt geschlagen hat. Gerade einmal 16% der Fondsmanager stuften in der letzten Umfrage Aktien als günstig ein. Und die meisten waren der Ansicht, dass die Gewinnerwartungen zu hoch sind. Dafür wird die Inflation nicht mehr als so gefährlich eingeschätzt für die Finanzmärkte. Vielmehr sorgen sich die Fondsmanager um die Wirtschaftsabschwächung.

Die Wirtschaftsflaute hat auch die Stimmung der Einkaufsmanager in der Eurozone gründlich eingetrübt. Der Gesamtwirtschaftsindex für den Monat Juli sei von 49,3 auf 47,8 Punkte gesunken, hiess es am Dienstag. Unter einem Wert von 50 Punkten deuten die Indikatoren auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität hin. Die Dienstleister in Deutschland blicken gar so pessimistisch in die Zukunft, wie seit 2002 nicht mehr. Dies ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Markit unter 500 Unternehmen. Offenbar leiden die Firmen unter höheren Kosten. Die Verteuerung von Energie und Kraftstoffen sowie höhere Löhne machten den Unternehmen insbesondere im Bereich Transport und Lagerhaltung zu schaffen.

Davon kann die spanische Fluggesellschaft Iberia ein Lied singen. Die Airline ist im 1. Halbjahr wegen der rekordhohen Kerosinpreise in die Verlustzone gerutscht. Wie das Unternehmen mitteilte, beläuft sich der Verlust vor Steuern und Zinsen auf gut 32 Mio Euro. Iberia steht derzeit vor der Fusion mit British Airways. Besser hat sich indes die Konkurrentin Air France-KLM gehalten. Im 1. Quartal erzielte Europas grösste Fluggesellschaft einen Gewinn und bestätigte ihre Prognose für das Gesamtjahr. Auch Lufthansa, die grösste europäische Airline, erreichte im 2. Quartal in einem schwierigen Marktumfeld ein gutes Zwischenresul-tat. Das operative Ergebnis steigerte sich auf 517 Mio Euro.

Doch nicht nur die Energiepreise stehen derzeit auf Höchstständen. Auch die Agrargüter erleben einen Boom. So haben nach der massiven Verteuerung im letzten Jahr Weizen (Plus 77%), Soja (Plus 78%) und Mais (Plus 17%) auch dieses Jahr bereits wieder neue Höchststände erreicht in den letzten Tagen gab es nur eine leichte Linderung. Infolge der Hausse der Soft Commodities klettern auch die Preise für das amerikanische Ackerland auf neue Rekordhöhen. Seit Jahresbeginn steigerte sich der Wert von Farmland durchschnittlich um 8,8% auf 2.35 Dollar pro Acre. Die Landwirte beobachten den rasanten Anstieg mit wachsender Besorgnis. Sie befürchten, dass die Preisrally von kurzer Dauer sein könnte und – ähnlich wie Immobilienanlagen und Technonogieaktien – implodieren könnte.

Während die Nachfrage nach Basisnahrungsmitteln stetig steigt, scheint bei Herstellern von Luxusartikeln wie Schmuck und Uhren ein sinkender Bedarf spürbar zu werden. Der weltweit drittgrösste Anbieter von Luxusgütern, Bulgari, wies einen niedrigen Jahresgewinn aus und senkte die Gewinnprognose. Die Valoren gaben im italienischen Handel teilweise bis zu 9,5% nach. Auch für die beiden Schweizer Luxusfirmen Swatch und Richemont stehen ungewisse Zeiten bevor. Richemont profitiert vorerst noch von seiner Beteiligung von BAT und der bevorstehenden Abspaltung.

Nicht nur in der Luxusbranche ist die Zukunft ungewiss, sondern auch in der Pharmaindustrie stehen tiefgreifende Änderungen an – zumindest laut der Studie von EvaluatePharma. Die Experten gehen davon aus, dass die derzeitige Nummer eins weltweit, der New Yorker Pharmariese Pfizer, im Jahr 2014 wegen massiver Patentausfälle mit dem sechsten Platz der Weltrangliste vorlieb nehmen muss. Den Spitzenplatz einnehmen würde dann Roche. Grund dafür ist gemäss Studie die Stärke des Unternehmens im wachsenden Geschäft mit Biotech-Medikamenten. Zudem be-stünden beim Basler Unternehmen kaum Patentrisiken. Bei Pfizer hingegen verlören in den kommenden Jahren mehrere Schlüsselmedis ihren Patentschutz.

Eine zweifelhafte Auszeichnung hat die Firma Ecofact den Unternehmen Wal-Mart, Chevron und BP verliehen. Wie eine Studie des zürcherischen Beratungsunternehmens mit Spezialisierung auf Reputationsrisiken ergeben hat, belegen die drei Grossfirmen die ersten Plätze, was den Verstoss gegen Umwelt- und Sozialverträglichkeit angeht. Ecofact stützt sich auf Berichte von Medien und Nichtregierungsorganisationen.

SMI6.153,388,9plus1,5%
SPI5.579,978,7plus1,4%
SLI944,614,9plus1,6%
SMIM1.202,316,3plus1,4%
DAX 306.766,7111,0plus1,7%
EURO STOXX 502.515,237,0plus1,5%
Dow Jones Ind.12.862,2156,8plus1,2%
S&P 5001.263,013,4plus1,1%
NASDAQ Composite Index2.648,4-0,4minus-0,0%
Nikkei 2258.831,9-44,9minus-0,5%
EUR/CHF1,20740,0plus0,2%
USD/CHF0,91790,0plus0,1%
Ölpreis (WTI)97,81,4plus1,5%
Goldpreis1.737,9-31,7minus-1,8%

Top und Flops

NameKurs+/-+/- %
48,431,713,66
13,450,463,54
25,710,672,68
156,903,902,55
227,604,902,20
417,708,202,00
290,005,001,75
36,370,571,59
52,600,801,54
37,85-0,05-0,13
NameKurs+/-+/- %
45,461,363,08
69,981,982,91
142,204,002,89
31,590,862,78
106,452,852,75
11,320,272,44
39,760,902,32
75,831,632,20
7,610,152,04
47,27-0,04-0,08
NameKurs+/-+/- %
24,031,536,79
69,782,083,07
106,503,123,02
45,251,312,98
6,450,192,97
143,50-4,13-2,80
15,24-0,18-1,15
0,78-0,01-0,89
47,13-0,19-0,40

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