Lombard Odier: Der Hai vom Genfersee

Hubert Keller baute den Investmentteil der Genfer Privatbank auf. Nach fünf Jahren wartet das Personal vergeblich auf Ruhe – und das Haus auf Resultate.

VonLukas Hässig
12.04.2012

Unter Bankern gibt es Haie und Karpfen. Hubert Keller gehört eindeutig zur Gattung der Raubfische. Seit mehr als fünf Jahren greift er ununterbrochen an. Gebracht hat die Strategie des Chefs des Asset-Management-Bereichs von Lombard Odier bislang wenig. Erz­rivale Pictet ist noch immer unbestrittene Nummer eins am Finanzplatz Genf.

Den Grund für die wenig erfolgreiche Offensive erkennen Kritiker in Kellers Ansatz, für Lombard Odier ein völlig neues Asset Management zu entwickeln. «Keller hat gewachsene Strukturen zerschlagen und ein Heer von neuen Investmentbankern ins Haus geholt, die viel kosten und bisher wenig brachten», sagt ein Ex-Manager der welschen Privatbank. Keller werde bei seinem Vorgehen von seinem Mentor Thierry Lombard unterstützt, dem starken Mann im Unternehmen.

Vertraute ins Boot geholt

Lombard Odier wird von acht Partnern geführt – darunter Lombard und Keller – und unterhält die beiden voneinander unabhängigen Geschäftsbereiche Vermögensverwaltung und Asset Management. Doch das Teilhabermodell ist inzwischen kein Garant mehr für Konstanz. Wichtige Personen kommen und gehen. Jüngstes Beispiel ist Kellers langjähriger Weggefährte und Hoffnungsträger für ein erfolgversprechendes Asset Management, Aziz Nahas. Er verliess die Bank per Ende 2011, bekannt wurde sein Abgang aber erst kürzlich. «Herr Nahas ist ein leidenschaftlicher Unternehmertyp und hat sich im Einverständnis mit Lombard Odier nach vier Jahren entschieden, seinen eigenen Hedgefonds zu lancieren», begründet ein Sprecher der Genfer Privatbank.

Keller und Nahas galten als unzertrennliches Duo, das Lombard Odier mit seinen Kreationen von attraktiven Produkten für eine anspruchsvolle institutionelle Kundschaft zu Ruhm und Geld bringen sollte. Keller war der Chef, Nahas sein Aktienmann. Beide haben einen Lebenslauf wie aus dem Investment-Banking-Bilderbuch. Keller stieg einst mit dem Inder Anshu Jain die Karriereleiter bei der Deutschen Bank hoch, bis sich Jain im Kopf-an-Kopf-Rennen durchsetzte und Chef der Investmentbank wurde und jetzt das Konzernsteuer vom Schweizer Josef Ackermann übernommen hat. Keller schied beim deutschen Finanzriesen aus und wechselte von London ins beschauliche Genf. Nahas war derweil für den berühmt-berüchtigten UBS-Hedgefonds Dillon Read tätig, der im Frühling 2007 einer ersten Verlustwelle auf Subprime-Papieren zum Opfer gefallen war.

Es war 2006, als Hubert Keller vom Collège des Associés der damaligen Lombard Odier Darier Hentsch in den erlauchten Kreis der Teilhaber der 216-jährigen Bank aufgenommen wurde. Dabei handelt es sich um das quasi heilige Gremium der obersten Partner, zu dem auch der Präsident der Bankiervereinigung, Patrick Odier, gehört.

Setzen auf Kräfte von ausserhalb

Schon bald kam es zu Reibereien mit langjährigen Führungsleuten. Serge Ledermann, ein hoher Manager der Privatbank im Investmentteil, und der Neue überwarfen sich. Der langjährige Kadermann ging im Sommer 2008 von Bord und heuerte bei der Konkurrentin Banque Heritage an. Damit war der Weg für Keller frei. Mit Ausnahme einer bekannten Wandelanleihen-Managerin, die noch von Ledermann angeworben worden war, wurden praktisch alle gestandenen Leute durch Vetraute von Keller abgelöst.

Eine frische Truppe mit Investmentbanker-Blut in den Adern übernahm das Steuer und drückte bei den beschaulichen Genfern aufs Tempo. Der Sprecher der Bank erklärt den Wandel mit einer neuen Anlagephilosophie zugunsten der Kunden. «Vor vier Jahren vollzog Lombard Odier einen fundamentalen Wechsel hin zu Investmentprodukten mit absoluter Rendite, anstelle von Produkten, die sich am Benchmark orientieren», sagt er. Die Idee sei gewesen, ein Geschäft auf die Beine zu stellen, das den Bedürfnissen der institu­tionellen Kunden entspreche. «Seit der Finanzkrise ist uns dies gelungen», findet der Lombard-Odier-Mann. Auch dank den vielen neuen Köpfen. Der tiefgreifende Wechsel habe nach Leuten mit anderen Fähigkeiten und Erfahrungen verlangt. «Deshalb setzten wir auf Kräfte von aus­serhalb, die sich einen Namen mit innovativen Ideen gemacht hatten.»

Der grosse Umbau trägt Kellers Handschrift. Ohne Rückendeckung durch Langzeitpartner Thierry Lombard wäre das nicht möglich gewesen. Lombard und Odier hatten sich in der komplexen Fusion mit Darier Hentsch gegen deren Partner durchgesetzt. Mit dem Ausscheiden des letzten echten Darier-Partners reduzierte sich der Kreis auf die beiden Banken-Geschlechter Lombard und Odier. Sie waren die Sieger, Darier und Hentsch die Verlierer. Seit Anfang 2009 tritt die Bank unter der Marke Lombard Odier auf.

Erfolg blieb aus

Für gestandene Darier-Hentsch-Banker ist Hubert Kellers Leistungsausweis umstritten. Statt als kühler Stratege mit ­ruhiger Hand habe er sich als Hüst-und-Hott-Chef entpuppt, sagt einer im Gespräch, und verweist als Beispiel auf die jüngere Geschichte des Lombard-Odier-Ablegers in New York.

Hubert Kellers Bruder Jean, der wie Vater Keller für die Bank arbeitete, schloss die Filiale nach der Jahrtausendwende. Wenig später verliess Jean Keller das Genfer Haus. Doch kaum war zwei Jahre später Bruder Hubert am Drücker, ging es in Übersee wieder zur Sache. Nicht nur eröffnete der frisch zum Partner gekürte Keller an der 7th Avenue in der Nähe des Central Park erneut eine Niederlassung. Er bündelte dort auch gleich die Fonds und übrigen Investmentprodukte für sämtliche aufstrebenden Volkswirtschaften. Vom Verliererstandort zum Kompetenzzen­trum für die boomenden neuen Märkte innerhalb weniger Jahre – das sei typisch Keller, meint die Quelle.

Der Erfolg wollte sich nicht einstellen, die Performance der Produkte blieb unbefriedigend. Da zerlegte Keller 2010 erneut die Strukturen und bündelte die Kräfte neu. Sämtliche Produkte wurden ab da aus New York heraus gemanagt, allerdings fehlten dafür zum Teil die Lizenzen. Doch wenn der Wurm drin steckt, nützen sich solche Strukturübungen rasch ab.

Vorsprung in Asien eingebüsst

Also müssen Köpfe rollen. Im Fall New York traf es Curtis Butler, den Leiter der Filiale New York. Der verliess die Bank Ende 2010. Die Nachricht von seinem Abgang sorgte intern für Wellen, immerhin galt Butler als Vertrauensmann von Keller. Alles im grünen Bereich, versucht die Pressestelle auch diese Personalie der jüngeren Geschichte zu entschärfen. «Weder Herrn Butlers noch unsere Erwartungen wurden erfüllt, und wir trennten uns in gutem Einvernehmen», sagt ein Sprecher.

Für die Zukunft von Lombard Odier ist möglicherweise nicht die erratische Geschäftsentwicklung in Amerika das Problem, sondern jene in Asien, meint ein Ex-Lombard-Banker. Dort habe die Bank ihren Vorsprung auf die Konkurrenz, den sie sich einst dank früher Präsenz herausholen konnte, leichtfertig verspielt. Weit zurückliegende Asset Manager wie die schottische Aberdeen seien in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Nichts heraus zu einer Macht geworden. Nicht so Lombard Odier. Trotz dem vermeintlichen Qualitätslabel mit Herkunft aus dem Bankenland Schweiz habe die Privatbank ihre gute Ausgangslage verspielt. Ob sie den inzwischen eingehandelten Rückstand noch aufholen könne, sei ungewiss.

Personelle Bewegungen im obersten Gremium der Bank lassen auf eine gewisse Nervosität an der Spitze schliessen. Gleich zwei Banker mit klingendem Namen wurden kürzlich in den verschworenen Führungszirkel geholt. Bei Frédéric Rochat handelt es sich um einen Abkömmling des altehrwürdigen Genfer Privatbankengeschlechts Chollet. Rochat verdiente sich seine Sporen bei der US-Investmentbank Goldman Sachs ab und soll nun aus London heraus die Vermögensverwaltung für Europa von Lombard Odier vorwärtsbringen.

Lombard Odier: raueres Klima für  Teilhaberbank

Der zweite Neuzuzug heisst Arthur Caye. Er ist der Schwiegersohn von Jacques Rossier, einem langjährigen Partner der Bank, der in der Bankiervereinigung lange ein gewichtiges Wort mitredete. Die beiden Novizen im Partnerpalast sollen das «Gewicht der jungen Generation» verstärken, schrieb die Bank unlängst. Dass es zu einem Zusammenstoss zwischen den aufstrebenden Jungen und dem bisher eigenmächtig operierenden Chef Keller kommen könnte, verneint Lombard Odier. Die Neuen und die Alten würden «eng und gut» zusammenarbeiten.

Abflüsse auch Lombard Odier bleibt  vom garstigen Umfeld für Finanz- dienstleister nicht verschont. so ver- waltete das Genfer Traditionshaus  Mitte 2011 rund 140 Milliarden Fran- ken an Kundenvermögen; das sind 3  Milliarden Franken weniger als Ende  2010. anfang 2010 summierten sich  die Depots noch auf 147 Milliarden  Franken. Damit liegt Lombard Odier  als Vermögensverwalter deutlich  hinter den Grossbanken, aber auch  hinter Julius Bär, Pictet, safra und  HsBC Private Bank. Das 1796 ge- gründete und heute von acht unbe- schränkt haftenden Teilhabern geführte Unternehmen beschäftigt  rund 1900 Mitarbeiter in 24 Ge- schäftsstellen weltweit.

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Unter Bankern gibt es Haie und Karpfen. Hubert Keller gehört eindeutig zur Gattung der Raubfische. Seit mehr als fünf Jahren greift er ununterbrochen an. Gebracht hat die Strategie des Chefs des Asset-Management-Bereichs von Lombard Odier bislang wenig. Erz­rivale Pictet ist noch immer unbestrittene Nummer eins am Finanzplatz Genf.

Den Grund für die wenig erfolgreiche Offensive erkennen Kritiker in Kellers Ansatz, für Lombard Odier ein völlig neues Asset Management zu entwickeln. «Keller hat gewachsene Strukturen zerschlagen und ein Heer von neuen Investmentbankern ins Haus geholt, die viel kosten und bisher wenig brachten», sagt ein Ex-Manager der welschen Privatbank. Keller werde bei seinem Vorgehen von seinem Mentor Thierry Lombard unterstützt, dem starken Mann im Unternehmen.

Vertraute ins Boot geholt

Lombard Odier wird von acht Partnern geführt – darunter Lombard und Keller – und unterhält die beiden voneinander unabhängigen Geschäftsbereiche Vermögensverwaltung und Asset Management. Doch das Teilhabermodell ist inzwischen kein Garant mehr für Konstanz. Wichtige Personen kommen und gehen. Jüngstes Beispiel ist Kellers langjähriger Weggefährte und Hoffnungsträger für ein erfolgversprechendes Asset Management, Aziz Nahas. Er verliess die Bank per Ende 2011, bekannt wurde sein Abgang aber erst kürzlich. «Herr Nahas ist ein leidenschaftlicher Unternehmertyp und hat sich im Einverständnis mit Lombard Odier nach vier Jahren entschieden, seinen eigenen Hedgefonds zu lancieren», begründet ein Sprecher der Genfer Privatbank.

Keller und Nahas galten als unzertrennliches Duo, das Lombard Odier mit seinen Kreationen von attraktiven Produkten für eine anspruchsvolle institutionelle Kundschaft zu Ruhm und Geld bringen sollte. Keller war der Chef, Nahas sein Aktienmann. Beide haben einen Lebenslauf wie aus dem Investment-Banking-Bilderbuch. Keller stieg einst mit dem Inder Anshu Jain die Karriereleiter bei der Deutschen Bank hoch, bis sich Jain im Kopf-an-Kopf-Rennen durchsetzte und Chef der Investmentbank wurde und jetzt das Konzernsteuer vom Schweizer Josef Ackermann übernommen hat. Keller schied beim deutschen Finanzriesen aus und wechselte von London ins beschauliche Genf. Nahas war derweil für den berühmt-berüchtigten UBS-Hedgefonds Dillon Read tätig, der im Frühling 2007 einer ersten Verlustwelle auf Subprime-Papieren zum Opfer gefallen war.

Es war 2006, als Hubert Keller vom Collège des Associés der damaligen Lombard Odier Darier Hentsch in den erlauchten Kreis der Teilhaber der 216-jährigen Bank aufgenommen wurde. Dabei handelt es sich um das quasi heilige Gremium der obersten Partner, zu dem auch der Präsident der Bankiervereinigung, Patrick Odier, gehört.

Setzen auf Kräfte von ausserhalb

Schon bald kam es zu Reibereien mit langjährigen Führungsleuten. Serge Ledermann, ein hoher Manager der Privatbank im Investmentteil, und der Neue überwarfen sich. Der langjährige Kadermann ging im Sommer 2008 von Bord und heuerte bei der Konkurrentin Banque Heritage an. Damit war der Weg für Keller frei. Mit Ausnahme einer bekannten Wandelanleihen-Managerin, die noch von Ledermann angeworben worden war, wurden praktisch alle gestandenen Leute durch Vetraute von Keller abgelöst.

Eine frische Truppe mit Investmentbanker-Blut in den Adern übernahm das Steuer und drückte bei den beschaulichen Genfern aufs Tempo. Der Sprecher der Bank erklärt den Wandel mit einer neuen Anlagephilosophie zugunsten der Kunden. «Vor vier Jahren vollzog Lombard Odier einen fundamentalen Wechsel hin zu Investmentprodukten mit absoluter Rendite, anstelle von Produkten, die sich am Benchmark orientieren», sagt er. Die Idee sei gewesen, ein Geschäft auf die Beine zu stellen, das den Bedürfnissen der institu­tionellen Kunden entspreche. «Seit der Finanzkrise ist uns dies gelungen», findet der Lombard-Odier-Mann. Auch dank den vielen neuen Köpfen. Der tiefgreifende Wechsel habe nach Leuten mit anderen Fähigkeiten und Erfahrungen verlangt. «Deshalb setzten wir auf Kräfte von aus­serhalb, die sich einen Namen mit innovativen Ideen gemacht hatten.»

Der grosse Umbau trägt Kellers Handschrift. Ohne Rückendeckung durch Langzeitpartner Thierry Lombard wäre das nicht möglich gewesen. Lombard und Odier hatten sich in der komplexen Fusion mit Darier Hentsch gegen deren Partner durchgesetzt. Mit dem Ausscheiden des letzten echten Darier-Partners reduzierte sich der Kreis auf die beiden Banken-Geschlechter Lombard und Odier. Sie waren die Sieger, Darier und Hentsch die Verlierer. Seit Anfang 2009 tritt die Bank unter der Marke Lombard Odier auf.

Erfolg blieb aus

Für gestandene Darier-Hentsch-Banker ist Hubert Kellers Leistungsausweis umstritten. Statt als kühler Stratege mit ­ruhiger Hand habe er sich als Hüst-und-Hott-Chef entpuppt, sagt einer im Gespräch, und verweist als Beispiel auf die jüngere Geschichte des Lombard-Odier-Ablegers in New York.

Hubert Kellers Bruder Jean, der wie Vater Keller für die Bank arbeitete, schloss die Filiale nach der Jahrtausendwende. Wenig später verliess Jean Keller das Genfer Haus. Doch kaum war zwei Jahre später Bruder Hubert am Drücker, ging es in Übersee wieder zur Sache. Nicht nur eröffnete der frisch zum Partner gekürte Keller an der 7th Avenue in der Nähe des Central Park erneut eine Niederlassung. Er bündelte dort auch gleich die Fonds und übrigen Investmentprodukte für sämtliche aufstrebenden Volkswirtschaften. Vom Verliererstandort zum Kompetenzzen­trum für die boomenden neuen Märkte innerhalb weniger Jahre – das sei typisch Keller, meint die Quelle.

Der Erfolg wollte sich nicht einstellen, die Performance der Produkte blieb unbefriedigend. Da zerlegte Keller 2010 erneut die Strukturen und bündelte die Kräfte neu. Sämtliche Produkte wurden ab da aus New York heraus gemanagt, allerdings fehlten dafür zum Teil die Lizenzen. Doch wenn der Wurm drin steckt, nützen sich solche Strukturübungen rasch ab.

Vorsprung in Asien eingebüsst

Also müssen Köpfe rollen. Im Fall New York traf es Curtis Butler, den Leiter der Filiale New York. Der verliess die Bank Ende 2010. Die Nachricht von seinem Abgang sorgte intern für Wellen, immerhin galt Butler als Vertrauensmann von Keller. Alles im grünen Bereich, versucht die Pressestelle auch diese Personalie der jüngeren Geschichte zu entschärfen. «Weder Herrn Butlers noch unsere Erwartungen wurden erfüllt, und wir trennten uns in gutem Einvernehmen», sagt ein Sprecher.

Für die Zukunft von Lombard Odier ist möglicherweise nicht die erratische Geschäftsentwicklung in Amerika das Problem, sondern jene in Asien, meint ein Ex-Lombard-Banker. Dort habe die Bank ihren Vorsprung auf die Konkurrenz, den sie sich einst dank früher Präsenz herausholen konnte, leichtfertig verspielt. Weit zurückliegende Asset Manager wie die schottische Aberdeen seien in den letzten zwei Jahrzehnten aus dem Nichts heraus zu einer Macht geworden. Nicht so Lombard Odier. Trotz dem vermeintlichen Qualitätslabel mit Herkunft aus dem Bankenland Schweiz habe die Privatbank ihre gute Ausgangslage verspielt. Ob sie den inzwischen eingehandelten Rückstand noch aufholen könne, sei ungewiss.

Personelle Bewegungen im obersten Gremium der Bank lassen auf eine gewisse Nervosität an der Spitze schliessen. Gleich zwei Banker mit klingendem Namen wurden kürzlich in den verschworenen Führungszirkel geholt. Bei Frédéric Rochat handelt es sich um einen Abkömmling des altehrwürdigen Genfer Privatbankengeschlechts Chollet. Rochat verdiente sich seine Sporen bei der US-Investmentbank Goldman Sachs ab und soll nun aus London heraus die Vermögensverwaltung für Europa von Lombard Odier vorwärtsbringen.

Lombard Odier: raueres Klima für  Teilhaberbank

Der zweite Neuzuzug heisst Arthur Caye. Er ist der Schwiegersohn von Jacques Rossier, einem langjährigen Partner der Bank, der in der Bankiervereinigung lange ein gewichtiges Wort mitredete. Die beiden Novizen im Partnerpalast sollen das «Gewicht der jungen Generation» verstärken, schrieb die Bank unlängst. Dass es zu einem Zusammenstoss zwischen den aufstrebenden Jungen und dem bisher eigenmächtig operierenden Chef Keller kommen könnte, verneint Lombard Odier. Die Neuen und die Alten würden «eng und gut» zusammenarbeiten.

Abflüsse auch Lombard Odier bleibt  vom garstigen Umfeld für Finanz- dienstleister nicht verschont. so ver- waltete das Genfer Traditionshaus  Mitte 2011 rund 140 Milliarden Fran- ken an Kundenvermögen; das sind 3  Milliarden Franken weniger als Ende  2010. anfang 2010 summierten sich  die Depots noch auf 147 Milliarden  Franken. Damit liegt Lombard Odier  als Vermögensverwalter deutlich  hinter den Grossbanken, aber auch  hinter Julius Bär, Pictet, safra und  HsBC Private Bank. Das 1796 ge- gründete und heute von acht unbe- schränkt haftenden Teilhabern geführte Unternehmen beschäftigt  rund 1900 Mitarbeiter in 24 Ge- schäftsstellen weltweit.

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