Risikoaufschlag für spanische Staatsanleihen auf Rekordhoch

Die Finanzmärkte haben zum Wochenausklang unmissverständlich klargemacht, dass sie von den Milliardenhilfen für die spanischen Banken nicht überzeugt sind.

20.07.2012

Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen kletterten auf ein Rekordhoch, die Rendite lag im richtungsweisenden Zehnjahresbereich deutlich über der Schmerzgrenze von sieben Prozent. Konjunktursorgen und ein Hilfsantrag der autonomen Region Valencia erschütterten das Vertrauen in die viertgrösste Euro-Volkswirtschaft. Experten glauben, dass die Bankenhilfen nicht ausreichen und Spanien komplett unter den Rettungsschirm muss.

Während die Euro-Finanzminister grünes Licht für bis zu 100 Milliarden Euro Rettungsgeld gaben, nahm die Flucht der Investoren aus spanischen Staatstiteln weiter zu. Bereits am Vortag, während das Hilfspaket für Spanien das deutsche Parlament passierte, «liess man spanisches Papier am Sekundärmarkt fallen wie eine heisse Kartoffel», kommentierte Commerzbank-Expertin Caroline Hecht. Die Euro-Retter agierten offenbar in einem «Paralleluniversum».

Siebten Tag in Folge gefallen

Die Kurse der spanischen Staatsanleihen bereits den siebten Tag in Folge. Im Gegenzug zogen die Renditen weiter kräftig an. Im fünf- und 30-jährigen Laufzeitbereich wurden die höchsten Niveaus seit der Euro-Einführung erreicht. Die Risikoprämie, die Anleger bei spanischen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit im Vergleich zu den als sicher geltenden Pendants aus Deutschland verlangen, stieg über 600 Basispunkte und erreichte damit ebenfalls einen Rekord. Auch italienische Staatstitel gerieten kräftig unter Druck. Die zehnjährige Rendite kletterte wieder deutlich über die Marke von sechs Prozent.

Händler machten die Skepsis gegenüber dem spanischen Hilfsplan für die gestiegene Unsicherheit verantwortlich. Zudem gab Madrid am Vormittag bekannt, dass man nun auch offiziell mit einer lang anhaltenden Rezession rechnet. Finanzminister Cristobal Montoro teilte mit, man erwarte, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpft. Ursprünglich war für 2013 ein geringes Wachstum von 0,2 Prozent prognostiziert worden.

Valencia braucht Geld

Darüber hinaus kündigte die ostspanische Region Valencia an, Mittel aus einem in der Vorwoche eingerichteten, 18 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Zentralregierung in Anspruch zu nehmen. Die zum Teil hochverschuldeten autonomen spanischen Regionen wie Katalonien und Valencia gelten als eines der Hauptprobleme in der Krise. Investoren zweifeln, ob es der Zentralregierung gelingt, sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu zwingen.

Etliche Experten glauben inzwischen, dass nicht nur die maroden spanischen Banken dringend Hilfe brauchen. «Wir erwarten trotz des Bailouts nicht, dass spanische Banken wieder mehr Geld an Haushalte und Unternehmen verleihen werden», so Citigroup-Ökonom Ebrahim Rahbari. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Spanien bis Anfang 2013 den kompletten Staatshaushalt unter den Rettungsschirm stellt.

Misstrauen gegenüber dem Euro steigt

Auch das Misstrauen gegenüber dem Euro nahm durch die eskalierende Lage am spanischen Anleihemarkt weiter zu. Die Gemeinschaftswährung fiel am Nachmittag bis auf ein Zweijahrestief von 1,2144 US-Dollar und sank gegenüber dem japanischen Yen sogar auf den tiefsten Stand seit November 2000.

«Dem Markt wird mehr und mehr bewusst, dass die bisherigen Massnahmen der Politik keinen Ausweg aus der Eurokrise weisen», sagte Sebastian Sachs, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler. «Mit Ankündigungen alleine kann man die Märkte nicht mehr überzeugen.»

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen kletterten auf ein Rekordhoch, die Rendite lag im richtungsweisenden Zehnjahresbereich deutlich über der Schmerzgrenze von sieben Prozent. Konjunktursorgen und ein Hilfsantrag der autonomen Region Valencia erschütterten das Vertrauen in die viertgrösste Euro-Volkswirtschaft. Experten glauben, dass die Bankenhilfen nicht ausreichen und Spanien komplett unter den Rettungsschirm muss.

Während die Euro-Finanzminister grünes Licht für bis zu 100 Milliarden Euro Rettungsgeld gaben, nahm die Flucht der Investoren aus spanischen Staatstiteln weiter zu. Bereits am Vortag, während das Hilfspaket für Spanien das deutsche Parlament passierte, «liess man spanisches Papier am Sekundärmarkt fallen wie eine heisse Kartoffel», kommentierte Commerzbank-Expertin Caroline Hecht. Die Euro-Retter agierten offenbar in einem «Paralleluniversum».

Siebten Tag in Folge gefallen

Die Kurse der spanischen Staatsanleihen bereits den siebten Tag in Folge. Im Gegenzug zogen die Renditen weiter kräftig an. Im fünf- und 30-jährigen Laufzeitbereich wurden die höchsten Niveaus seit der Euro-Einführung erreicht. Die Risikoprämie, die Anleger bei spanischen Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit im Vergleich zu den als sicher geltenden Pendants aus Deutschland verlangen, stieg über 600 Basispunkte und erreichte damit ebenfalls einen Rekord. Auch italienische Staatstitel gerieten kräftig unter Druck. Die zehnjährige Rendite kletterte wieder deutlich über die Marke von sechs Prozent.

Händler machten die Skepsis gegenüber dem spanischen Hilfsplan für die gestiegene Unsicherheit verantwortlich. Zudem gab Madrid am Vormittag bekannt, dass man nun auch offiziell mit einer lang anhaltenden Rezession rechnet. Finanzminister Cristobal Montoro teilte mit, man erwarte, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpft. Ursprünglich war für 2013 ein geringes Wachstum von 0,2 Prozent prognostiziert worden.

Valencia braucht Geld

Darüber hinaus kündigte die ostspanische Region Valencia an, Mittel aus einem in der Vorwoche eingerichteten, 18 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Zentralregierung in Anspruch zu nehmen. Die zum Teil hochverschuldeten autonomen spanischen Regionen wie Katalonien und Valencia gelten als eines der Hauptprobleme in der Krise. Investoren zweifeln, ob es der Zentralregierung gelingt, sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu zwingen.

Etliche Experten glauben inzwischen, dass nicht nur die maroden spanischen Banken dringend Hilfe brauchen. «Wir erwarten trotz des Bailouts nicht, dass spanische Banken wieder mehr Geld an Haushalte und Unternehmen verleihen werden», so Citigroup-Ökonom Ebrahim Rahbari. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Spanien bis Anfang 2013 den kompletten Staatshaushalt unter den Rettungsschirm stellt.

Misstrauen gegenüber dem Euro steigt

Auch das Misstrauen gegenüber dem Euro nahm durch die eskalierende Lage am spanischen Anleihemarkt weiter zu. Die Gemeinschaftswährung fiel am Nachmittag bis auf ein Zweijahrestief von 1,2144 US-Dollar und sank gegenüber dem japanischen Yen sogar auf den tiefsten Stand seit November 2000.

«Dem Markt wird mehr und mehr bewusst, dass die bisherigen Massnahmen der Politik keinen Ausweg aus der Eurokrise weisen», sagte Sebastian Sachs, Devisenexperte beim Bankhaus Metzler. «Mit Ankündigungen alleine kann man die Märkte nicht mehr überzeugen.»

Meistgelesen

Schweizer Steuergelder für BVB und Co.
Fussball

Gerne kommen internationale Spitzenklubs für ein Trainingslager in die Schweiz. Die Vereine mit Millionenbudget zahlen den Gemeinden oft nur einen Teil der Kosten. Mehr...

VonTobias Keller
18.06.2013
Mirgos Basel schliesst Filialen in Deutschland
Rückzug

Die Expansion über die Grenze ist gescheitert. Der Detailhandelskonzern gibt seine vier Filialen in Baden-Württemberg auf. Es kommt zu Entlassungen. Mehr...

VonStefan Eiselin
18.06.2013
Notenstein-Chef hält Bankenspaltung für gangbare Lösung
Steuerdeal

Adrian Künzi warnt die Politik vor einer Eskalation im Steuerstreit. Der Chef der Bank Notenstein erklärt auch, weshalb die Nationalbank die Banken nicht vor der US-Machtpolitik schützen kann. Mehr...

VonVasilije Mustur
18.06.2013
Commerzbank: Mehr als 5000 Stellen weg
Stellenabbau

Nach langen Verhandlungen haben sich die Führung der teilverstaatlichten Bank und die Gewerkschaften geeinigt. Für den Stellenabbau ist eine halbe Milliarde Euro bereitgestellt. Mehr...

18.06.2013
Philipp Müller nimmt zur Ablehnung Stellung
Interview

FDP-Präsident Philipp Müller erklärt, weshalb seine Partei gegen den Steuerdeal im Nationalrat stimmte und welcher Handlungsspielraum der Schweiz im Streit mit den USA nun noch bleibt. Mehr...

Interview vonVasilije Mustur
18.06.2013
«Die Schweiz in der Höhle des Löwen»
Steuerdeal

Der Nationalrat gab der Lex USA keine Chance und ist nicht auf die Vorlage eingetreten. Ohne Gesetz drohe eine Eskalation, sagte Finanzministerin Widmer-Schlumpf. Mehr...

18.06.2013
«Eine Katastrophe, wie man uns behandelt»
Interview

Die Wirtschaftskommission rät dem Nationalrat, nicht auf die Steuer-Deal-Vorlage einzutreten. SVP-Politiker Hans Kaufmann erklärt, warum – und spricht über seinen Interessenkonflikt als ZKB-Bankrat. Mehr...

VonTimo Nowack
14.06.2013

Die Handelszeitung – morgen am Kiosk

 

Aktuelle Ausgabe

 

Unsere Partner    

Bildergalerie: Die besten Manager der Schweiz. Lesen

Kommentar: Vier Prozent bringen uns nicht um. Lesen

Altersvorsorge: Professorin erwartet grosses Pensionskassensterben. Lesen

Economiesuisse: Zurück in der Realität. Lesen

Kleiderkette: Bayard übernimmt Zürcher Firma Schaad Mode. Lesen

Swift-Daten: USA haben Zugriff auf Schweizer Bankdaten. Lesen

Krankenkassen: Zahl der Betreibungen nimmt zu. Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...