Griechenland-Krise Griechenland kommt nicht aus der Krise - die finanzielle Zukunft des Landes ist ungewiss. Zum Dossier...

Bundesbank erwartet neue Griechenland-Hilfen

Geldspritze

Kaum konnte Griechenland mit einem erfreulichen Haushalt aufwarten, fährt die Bundesbank dazwischen und malt Tiefschwarz.

11.08.2013

Die Bundesbank rechnet einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Hilfspaket für Griechenland nach der Bundestagswahl. «Der Spiegel» berichtet, das gehe aus einer Stellungnahme der Bundesbank für das Bundfinanzministerium und den Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor. Darin heisse es, die Europäer müssten spätestens Anfang 2014 «wohl in jedem Fall ein neues Kreditprogramm mit Griechenland beschliessen». Die Bundesbank wollte sich am Wochenende nicht zu dem Bericht äussern.

Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Sonntag, dass die Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF vor kurzem bestätigt habe, dass Griechenland alle geforderten 22 Vorrang-, Spar- und Reformmassnahmen erfüllt habe. «Deshalb sieht das Finanzministerium keinen Anlass, über irgendwelche Programmanpassungen oder -änderungen zu sprechen". Griechenland werde das Programm wie vereinbart umsetzen. Ausserdem habe die Euro-Gruppe dem krisengeschüttelten Mittelmeerland weitere Unterstützung zugesagt, ergänzte die Sprecherin.

Merkel pokert vor den Wahlen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble haben einem neuen Schuldenschnitt wiederholt eine Absage erteilt. Schäuble hat dem Land jedoch im Falle von Reformerfolgen für 2014 weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rechnet dagegen fest mit einem weiteren Schuldenerlass für Griechenland. Er wirft der Kanzlerin vor, die wahren Verpflichtungen Deutschlands zu verheimlichen und eine Entscheidung über neue Hilfen bis nach der Bundestagswahl herauszuzögern. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, stiess ins gleiche Horn: «Nach der Wahl wird es ein böses Erwachen geben. Die Bundeskanzlerin belügt die Menschen vor der Wahl, wenn sie weitere Hilfen für Griechenland abstreitet. Diese Hilfen werden mit Verlusten für den Steuerzahler in Deutschland verbunden sein».

Auch zahlreiche prominente Ökonomen gehen fest davon aus, dass Griechenland schon bald weitere Hilfen benötigt - etwa der frühere EZB-Forschungsdirektor und heutige Direktor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Selbst in der griechischen Regierung waren jüngst Forderungen nach einem weiteren Schuldenschnitt laut geworden. Im Rahmen zweier Hilfsprogramme wurde und wird das Land seit 2010 von seinen europäischen Partnern und dem IWF mit insgesamt fast 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Der Grosteil dieser Summe wurde bereits ausgezahlt.

Bundesbank übt scharfe Kritik an Regierung in Athen

Zugleich kritisierten die Notenbank-Experten dem Magazin zufolge die jüngste Kredittranche für das krisengebeutelte Euro-Land sowie die davor erfolgte Prüfung durch die Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF. Dies dürfte «politischen Zwängen geschuldet sein», werden die Bundesbanker zitiert. Die Risiken des Rettungsprogramms beurteilen sie demnach als weiter «aussergewöhnlich hoch» und kritisieren die Politik der griechischen Regierung als «kaum zufriedenstellend». An deren Reformfähigkeit bestünden «erhebliche Zweifel».

(chb/reuters)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Die Bundesbank rechnet einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Hilfspaket für Griechenland nach der Bundestagswahl. «Der Spiegel» berichtet, das gehe aus einer Stellungnahme der Bundesbank für das Bundfinanzministerium und den Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor. Darin heisse es, die Europäer müssten spätestens Anfang 2014 «wohl in jedem Fall ein neues Kreditprogramm mit Griechenland beschliessen». Die Bundesbank wollte sich am Wochenende nicht zu dem Bericht äussern.

Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Sonntag, dass die Troika aus EZB, EU-Kommission und IWF vor kurzem bestätigt habe, dass Griechenland alle geforderten 22 Vorrang-, Spar- und Reformmassnahmen erfüllt habe. «Deshalb sieht das Finanzministerium keinen Anlass, über irgendwelche Programmanpassungen oder -änderungen zu sprechen". Griechenland werde das Programm wie vereinbart umsetzen. Ausserdem habe die Euro-Gruppe dem krisengeschüttelten Mittelmeerland weitere Unterstützung zugesagt, ergänzte die Sprecherin.

Merkel pokert vor den Wahlen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble haben einem neuen Schuldenschnitt wiederholt eine Absage erteilt. Schäuble hat dem Land jedoch im Falle von Reformerfolgen für 2014 weitere Unterstützung in Aussicht gestellt. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rechnet dagegen fest mit einem weiteren Schuldenerlass für Griechenland. Er wirft der Kanzlerin vor, die wahren Verpflichtungen Deutschlands zu verheimlichen und eine Entscheidung über neue Hilfen bis nach der Bundestagswahl herauszuzögern. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, stiess ins gleiche Horn: «Nach der Wahl wird es ein böses Erwachen geben. Die Bundeskanzlerin belügt die Menschen vor der Wahl, wenn sie weitere Hilfen für Griechenland abstreitet. Diese Hilfen werden mit Verlusten für den Steuerzahler in Deutschland verbunden sein».

Auch zahlreiche prominente Ökonomen gehen fest davon aus, dass Griechenland schon bald weitere Hilfen benötigt - etwa der frühere EZB-Forschungsdirektor und heutige Direktor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Selbst in der griechischen Regierung waren jüngst Forderungen nach einem weiteren Schuldenschnitt laut geworden. Im Rahmen zweier Hilfsprogramme wurde und wird das Land seit 2010 von seinen europäischen Partnern und dem IWF mit insgesamt fast 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Der Grosteil dieser Summe wurde bereits ausgezahlt.

Bundesbank übt scharfe Kritik an Regierung in Athen

Zugleich kritisierten die Notenbank-Experten dem Magazin zufolge die jüngste Kredittranche für das krisengebeutelte Euro-Land sowie die davor erfolgte Prüfung durch die Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF. Dies dürfte «politischen Zwängen geschuldet sein», werden die Bundesbanker zitiert. Die Risiken des Rettungsprogramms beurteilen sie demnach als weiter «aussergewöhnlich hoch» und kritisieren die Politik der griechischen Regierung als «kaum zufriedenstellend». An deren Reformfähigkeit bestünden «erhebliche Zweifel».

(chb/reuters)

Meistgelesen

Zuwanderung: Schweizer Bevölkerung wächst rasant
Zunahme

Die hiesige Bevölkerung ist so stark gewachsen wie schon lange nicht mehr. Die neusten Zahlen zeigen: Die Schweiz ist eines der am stärksten wachsenden Länder in Europa. Mehr...

28.08.2014
Vor Start des iPhone 6: China bremst Apple aus
Einschnitte

China ist für Apple wichtig, doch wächst dort starke Konkurrenz heran. Nun wollen chinesische Mobilfunkanbieter ausgerechnet kurz vor der Einführung des iPhone 6 wichtige Smartphone-Zuschüsse kürzen. Mehr...

VonGabriel Knupfer
29.08.2014
Apples iPhone 6 – Träume, Gerüchte, Fakten
Smartphone

Über kein anderes Produkt wird weltweit mehr spekuliert als über Apples Kassenschlager. Verfolgen Sie mit unserem Ticker den Countdown bis zur Vorstellung des neuen iPhones. Mehr...

VonVolker Strohm
29.08.2014
Erwägt Credit Suisse den Kauf von Julius Bär?
Gerücht

Es wäre ein Mega-Deal: Die Credit Suisse soll an der Privatbank interessiert sein. Die Pläne würden aber erst in kleinem Kreis diskutiert. An der Börse schiesst die Bär-Aktie jedenfalls nach oben. Mehr...

29.08.2014
Wie Russland heimlich Gold hortet
Staatsschatz

Die russische Notenbank kauft still und leise riesige Mengen Gold auf. Mittlerweile besitzt Moskau den fünftgrössten Goldschatz aller Länder. Experten sehen darin eine geheime Strategie. Mehr...

VonDaniel Eckert («Die Welt»)
29.08.2014
Topmanager Robert Benmosche: «Habe noch neun Monate zu leben»
Offenbarung

Ende August tritt Robert Benmosche als AIG-Chef zurück. Der Amerikaner hatte den Versicherer nach der grössten Krise in der Konzerngeschichte wieder stark gemacht. Nun ist klar, weshalb er geht. Mehr...

VonStefan Eiselin
28.08.2014
Vulkanausbruch – Warnstufe «Rot» für Flugzeugec
Natur

In Island ist der Vulkan Bardarbunga ausgebrochen. Lava tritt aus einer Spalte aus. Für den internationalen Flugverkehr galt die Warnstufe «Rot», inzwischen gibts Entwarnung. Mehr...

29.08.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Stadler Rail entgeht Grossauftrag in Lettland. Mehr

Zigarren-Villigers grosse Deals mit Castros Kuba. Mehr

Meyer Burger sucht nach Grossaufträgen. Mehr

Grand Casino Baden will nach Berlin expandieren. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...