Die Schweiz versinkt im Schnee, eisige Temperaturen in Europa

Unfälle, Flugausfälle, Lawinengefahr - die Menschen in der Schweiz bekommen auch die unangenehmen Folgen des Schneefalls zu spüren. In Russland sprechen die Behörden sogar schon vom härtesten Winter s

08.12.2012

Der grosse Schneefall hat in der Nacht auf Samstag angehalten. Das Ergebnis: Es kam zu vielen Unfällen, eine Bahnlinie musste gesperrt werden, und die Fussball-Cupspiele Wohlen - Thun und Kriens - Sitten wurden abgesagt.

Gemäss Wetterdienst Meteonews gab es seit Freitag vielerorts auf der Alpennordseite 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee. Lokal wuchs die Schneedecke sogar um 30 Zentimeter. Auf dem Pilatus (2130 m ü. M.) wurde der Höchstwert von 33 Zentimeter Neuschnee gemessen.

Auch Brienz BE (31 cm), Giswil OW (20 cm), Grenchen BE (18 cm) oder Sitten (17 cm) bekamen viel Schnee ab. Die Schneedecke wird in den nächsten Tagen weiter zunehmen. In den Bergen wird sich gemäss MeteoNews bis Mitte kommender Woche zusätzlich rund ein halber Meter Neuschnee anhäufen.

Behinderungen im Berner Oberland

Wegen möglicher Lawinenniedergänge hat die Zentralbahn (zb) den Zugsverkehr zwischen Brienz und Interlaken Ost am Samstagvormittag eingestellt. Laut Sprecher Martin Röthlisberger dauert der Unterbruch mindestens bis Sonntagmittag.

Auch die parallel verlaufende Kantonsstrasse ist zwischen Oberried und Ebligen wegen Lawinenniedergängen bis auf weiteres unterbrochen. Die Strasse war aus dem gleichen Grund bereits zwischen Donnerstagmorgen und Freitagnachmittag nicht befahrbar.

Gemäss TCS sind verschiedene weitere Strassen im Kantonsgebiet wegen Lawinengefahr gesperrt.

Weitere Flüge gestrichen

Auch der Flugbetrieb ist weiterhin beeinträchtigt. In Zürich mussten laut einem Flughafensprecher bis am Mittag 20 Flüge gestrichen werden. Betroffen seien 9 Ankünfte und 11 Abflüge gewesen. Zudem komme es zu Verspätungen von durchschnittlich 15 Minuten.

In Basel und Genf kommt es gemäss Flugplan zum Teil zu Verspätungen. Einzelne Flüge wurden ebenfalls annulliert.

Weniger Probleme hat die SBB. Trotz der heftigen Schneefälle kam es am Samstag auf dem SBB-Schienennetz nur zu kleineren Störungen, wie Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. «Vereinzelt gab es Verspätungen wegen defekter Weichen.»

Stromunterbruch auf der Marbachegg

Schnee und Eis auf den Strassen haben auch am Samstag viele Autofahrer überfordert. Von Freitagnachmittag bis Samstagvormittag wurden der Kantonspolizei Bern 77 Unfälle gemeldet. Es blieb grösstenteils bei Sachschäden. Im Kanton Zürich wurden von der Polizei über 30 Verkehrsunfälle gezählt.

Auch in den Kantonen Baselland und Solothurn kam es infolge des andauernden Schneefalls zwischen Freitagmittag und Samstag zu Dutzenden Unfällen. In Liesberg BL wurden zwei Personen verletzt. Im Kanton Nidwalden kam es zu zwei Selbstunfällen auf der schneebedeckten A2.

Schnee und Wind haben am Freitag zu einem Unterbruch der Stromversorgung auf der Marbachegg LU geführt. Wie die Centralschweizerische Kraftwerke mitteilten, wurde die Hochspannungsleitung durch eine Tanne stark beschädigt.

Im Gebiet Marbachegg seien rund 100 Kunden sowie der Skilift vom Stromunterbruch betroffen. Aufgrund der grossen Schneemassen gestalte sich die Reparatur schwierig, teilte das Stromunternehmen am späten Freitagabend mit.

Vorsicht: Lawinengefahr

Wer den Pulverschnee geniessen will, sei gewarnt: In den Berner und Walliser Alpen herrscht grosse Lawinengefahr. Touren und Variantenabfahrten erfordern viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und grosse Zurückhaltung, schreibt das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Mit reichlich Schnee und eisigen Temperaturen hielt der Winter in weiten Teilen Europas Einzug. Nachdem das Tief «Karin» Deutschland am Freitag mit einer Schneedecke überzogen hatte, strich die Lufthansa am Frankfurter Flughafen bis Samstagmorgen rund 100 Flüge. Am Samstag entspannte sich die Lage.

«Alles läuft glatt», sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Dagegen wurde der Flughafen von Zagreb wegen Schneefalls und starker Windböen am Samstag zunächst komplett geschlossen. 

«Bereits mindestens sechs Menschen erfroren»

Auch in Moskau fielen nach stundenlangem Schneefall und Eisregen auf den drei internationalen Flughäfen etliche Flüge aus. In der Metropole versuchten am Samstag etwa 7300 Arbeiter, die Wege von Glatteis und sieben Zentimetern Neuschnee zu befreien.

«In diesem härtesten Winter seit 20 Jahren in Russland sind in Moskau bereits mindestens sechs Menschen erfroren», sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums der Agentur Interfax. In Jakutsk im Fernen Osten des Landes wurden minus 29 Grad Celsius gemessen.

Auch in Deutschland fielen die Temperaturen in der Nacht zum Samstag vielerorts auf die kältesten Werte dieses Winters. In Pulheim/Brauweiler bei Köln sank das Thermometer dem Wetterdienst Meteomedia zufolge auf minus 14 Grad. In Sohland in der Oberlausitz meldete der Deutsche Wetterdienst sogar 22,3 Grad unter Null.

(tno/sda/awp)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Der grosse Schneefall hat in der Nacht auf Samstag angehalten. Das Ergebnis: Es kam zu vielen Unfällen, eine Bahnlinie musste gesperrt werden, und die Fussball-Cupspiele Wohlen - Thun und Kriens - Sitten wurden abgesagt.

Gemäss Wetterdienst Meteonews gab es seit Freitag vielerorts auf der Alpennordseite 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee. Lokal wuchs die Schneedecke sogar um 30 Zentimeter. Auf dem Pilatus (2130 m ü. M.) wurde der Höchstwert von 33 Zentimeter Neuschnee gemessen.

Auch Brienz BE (31 cm), Giswil OW (20 cm), Grenchen BE (18 cm) oder Sitten (17 cm) bekamen viel Schnee ab. Die Schneedecke wird in den nächsten Tagen weiter zunehmen. In den Bergen wird sich gemäss MeteoNews bis Mitte kommender Woche zusätzlich rund ein halber Meter Neuschnee anhäufen.

Behinderungen im Berner Oberland

Wegen möglicher Lawinenniedergänge hat die Zentralbahn (zb) den Zugsverkehr zwischen Brienz und Interlaken Ost am Samstagvormittag eingestellt. Laut Sprecher Martin Röthlisberger dauert der Unterbruch mindestens bis Sonntagmittag.

Auch die parallel verlaufende Kantonsstrasse ist zwischen Oberried und Ebligen wegen Lawinenniedergängen bis auf weiteres unterbrochen. Die Strasse war aus dem gleichen Grund bereits zwischen Donnerstagmorgen und Freitagnachmittag nicht befahrbar.

Gemäss TCS sind verschiedene weitere Strassen im Kantonsgebiet wegen Lawinengefahr gesperrt.

Weitere Flüge gestrichen

Auch der Flugbetrieb ist weiterhin beeinträchtigt. In Zürich mussten laut einem Flughafensprecher bis am Mittag 20 Flüge gestrichen werden. Betroffen seien 9 Ankünfte und 11 Abflüge gewesen. Zudem komme es zu Verspätungen von durchschnittlich 15 Minuten.

In Basel und Genf kommt es gemäss Flugplan zum Teil zu Verspätungen. Einzelne Flüge wurden ebenfalls annulliert.

Weniger Probleme hat die SBB. Trotz der heftigen Schneefälle kam es am Samstag auf dem SBB-Schienennetz nur zu kleineren Störungen, wie Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. «Vereinzelt gab es Verspätungen wegen defekter Weichen.»

Stromunterbruch auf der Marbachegg

Schnee und Eis auf den Strassen haben auch am Samstag viele Autofahrer überfordert. Von Freitagnachmittag bis Samstagvormittag wurden der Kantonspolizei Bern 77 Unfälle gemeldet. Es blieb grösstenteils bei Sachschäden. Im Kanton Zürich wurden von der Polizei über 30 Verkehrsunfälle gezählt.

Auch in den Kantonen Baselland und Solothurn kam es infolge des andauernden Schneefalls zwischen Freitagmittag und Samstag zu Dutzenden Unfällen. In Liesberg BL wurden zwei Personen verletzt. Im Kanton Nidwalden kam es zu zwei Selbstunfällen auf der schneebedeckten A2.

Schnee und Wind haben am Freitag zu einem Unterbruch der Stromversorgung auf der Marbachegg LU geführt. Wie die Centralschweizerische Kraftwerke mitteilten, wurde die Hochspannungsleitung durch eine Tanne stark beschädigt.

Im Gebiet Marbachegg seien rund 100 Kunden sowie der Skilift vom Stromunterbruch betroffen. Aufgrund der grossen Schneemassen gestalte sich die Reparatur schwierig, teilte das Stromunternehmen am späten Freitagabend mit.

Vorsicht: Lawinengefahr

Wer den Pulverschnee geniessen will, sei gewarnt: In den Berner und Walliser Alpen herrscht grosse Lawinengefahr. Touren und Variantenabfahrten erfordern viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und grosse Zurückhaltung, schreibt das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Mit reichlich Schnee und eisigen Temperaturen hielt der Winter in weiten Teilen Europas Einzug. Nachdem das Tief «Karin» Deutschland am Freitag mit einer Schneedecke überzogen hatte, strich die Lufthansa am Frankfurter Flughafen bis Samstagmorgen rund 100 Flüge. Am Samstag entspannte sich die Lage.

«Alles läuft glatt», sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Dagegen wurde der Flughafen von Zagreb wegen Schneefalls und starker Windböen am Samstag zunächst komplett geschlossen. 

«Bereits mindestens sechs Menschen erfroren»

Auch in Moskau fielen nach stundenlangem Schneefall und Eisregen auf den drei internationalen Flughäfen etliche Flüge aus. In der Metropole versuchten am Samstag etwa 7300 Arbeiter, die Wege von Glatteis und sieben Zentimetern Neuschnee zu befreien.

«In diesem härtesten Winter seit 20 Jahren in Russland sind in Moskau bereits mindestens sechs Menschen erfroren», sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums der Agentur Interfax. In Jakutsk im Fernen Osten des Landes wurden minus 29 Grad Celsius gemessen.

Auch in Deutschland fielen die Temperaturen in der Nacht zum Samstag vielerorts auf die kältesten Werte dieses Winters. In Pulheim/Brauweiler bei Köln sank das Thermometer dem Wetterdienst Meteomedia zufolge auf minus 14 Grad. In Sohland in der Oberlausitz meldete der Deutsche Wetterdienst sogar 22,3 Grad unter Null.

(tno/sda/awp)

Meistgelesen

McDonald’s will seine Menüs überarbeiten
Fast Food

Viele Burgerfans kehren der weltgrössten Imbisskette McDonald's den Rücken. Billig-Konkurrenz in den USA, ein Gammelfleisch-Skandal in China und Schliessungen in Russland bedrängen den Konzern. Mehr...

21.10.2014
EZB riskiert Milliarden für einen Weg aus der Krise
Geldpolitik

Die EZB will angeblich Firmenanleihen kaufen. Es handelt sich dabei um ein wenig erprobtes Mittel der Geldpolitik, das als letzter Schritt vor dem grossangelegten Kauf von Staatsanleihen gilt. Mehr...

21.10.2014
USA gegen Putin gegen Opec: Der Kalte Krieg ums Öl
Machtkampf

Rohöl erlebt einen fast beispiellosen Preisverfall. Zwischen den grössten Förderländern tobt ein erbitterter Kampf. Russland vermutet ein Komplott der USA. Doch die werden von der Opec bedrängt. Mehr...

VonDominic Benz
21.10.2014
Die Schweizer sind reicher denn je
Einkommen

Rund 170'000 Franken hat ein Berufstätiger in der Schweiz 2013 im Schnitt an Löhnen erhalten, zeigt eine Analyse des Gewerkschaftsbundes SGB. Vor allem die Grossverdiener profitieren davon. Mehr...

21.10.2014
Stresstest: Europa eifert Amerika nach
Vorbild

Die amerikanischen Banken erholten sich schnell nach der Krise. Mit dem härteren Stresstest eifert Europa den USA nach und hofft, dass Anleger auch den hiesigen Banken wieder vertrauen. Mehr...

21.10.2014
China will das Geschäft mit dem Gold an sich reissen
Börse

Trotz sinkender Nachfrage im Westen wird der Goldpreis weiterhin in London und New York bestimmt. Dies will China nun ändern. Aber die Chancen stehen nicht besonders gut. Mehr...

VonGabriel Knupfer
20.10.2014
Ehemalige UBS-Kunden belasten Raoul Weil
Prozess

Scheinfirmen in Hongkong, Stiftungen in Liechtenstein: Ehemalige Kunden der Schweizer Grossbank UBS sagen im Prozess gegen Raoul Weil aus – und berichten davon, wie die UBS Geld versteckt haben soll. Mehr...

21.10.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Anleger in Panik: Schweizer Börse auf Tauchgang. Mehr

Europarechtler fordert neues Referendum über Bilaterale. Mehr

Deutscher Möbelbauer wird schweizerisch. Mehr

Lanciert Amazon Musikdienst in der Schweiz? Mehr

Hypotheken-Vergabe soll erneut verschärft werden. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...