Euro-Zone ohne Griechenland kaum vorstellbar

Analysten verschiedener Banken stehen einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone äusserst skeptisch gegenüber: Dadurch würden sich die Risiken für andere taumelnde Euro-Länder wie etw

20.02.2012

Analysten schätzen, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone dem Ansehen der Gemeinschaftswährung in jedem Fall schaden würde. Ein solcher Schritt erhöht in ihren Augen die Risiken für andere hoch verschuldete Euro-Länder.

«Der Euro würde einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion überleben», fasst Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank zusammen. Aber so ein Austritt sei nur schwer vorstellbar und würde zudem die Risiken verschärfen.

Für Hellmeyer hätte ein Austritt Griechenlands vor allem eine verheerende Aussenwirkung: «Was für ein Bild gäbe die Euro-Zone vor der Welt und den Kapitalmärkten ab, wenn sie nicht in der Lage wäre, ein absolut überschaubares Problem zu lösen.»

«Jeder Austritt aus der Euro-Zone würde zweifelsohne durch eine Phase enormer Unsicherheit geprägt werden", sagt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Die Anleger würden sich rasch in den Dollar zurückziehen, erwarten auch Händler.

Heikel für Italien und Portugal

Besonders kritisch dürften die Investoren in einem solchen Fall die Zukunft Portugals, Irlands, Italiens und Spaniens sehen. «Die Ansteckungsgefahr dürfte enorm zunehmen», warnt Eugen Keller, Analyst bei der Metzler Bank in Frankfurt.

Dies würde sich an den Kapitalmärkten in einem fallenden Euro-Kurs und steigenden Renditen der Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder widerspiegeln. Damit würden die Probleme Portugals oder Italiens wieder dramatisch zunehmen. Die grösste Herausforderung für diese Länder ist es laut Börsianern ohnehin, das Vertrauen der Anleger zu behalten beziehungsweise wiederzugewinnen.

Schon jetzt haben Länder wie Italien und Spanien nach einer Studie der Commerzbank mit Kapitalabflüssen zu kämpfen. Dass beide Staaten sich in diesem Jahr an den Rentenmärkten problemlos neue Gelder beschaffen konnten, wird auf die Liquiditätsspritze zurückgeführt, die die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken kurz vor Weihnachten gesetzt hatte.

Fast 500 Milliarden Euro pumpte die EZB in den Geldmarkt - und zwar für drei Jahre mit einem Zins von einem Prozent. Vor allem Banken in den hoch verschuldeten Ländern wie Italien dürften einen Teil ihres bei der EZB geliehenen Geldes für den Kauf von heimischen Staatsanleihen verwendet haben.

ESM ausbauen

Im Falle eines Austritts Griechenlands schliesst die Commerzbank nicht aus, dass die EZB weitere Gelder nachschiessen müsste. Zudem könnte sie sich zu einer weiteren Abschwächung der Sicherheiten, die Banken für Kredite bei der Zentralbank hinterlegen müssen, veranlasst sehen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen inzwischen für eine Aufstockung des künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) durch die nicht verbrauchten Mittel des aktuellen Euro-Rettungsschirms EFSF aus. Damit würde sich die Euro-Zone besser gegen weitere Probleme in Italien oder Spanien wappnen, argumentieren auch Analysten.

Für Griechenland wird die Lage nach Ansicht von Experten aber auch nach einem möglichen zweiten Rettungspaket extrem schwierig bleiben. «Das Land hat grundsätzliche strukturelle Probleme, die von aussen kaum zu lösen sind», erklärt Karpowitz.

(rcv/sda)

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Analysten schätzen, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone dem Ansehen der Gemeinschaftswährung in jedem Fall schaden würde. Ein solcher Schritt erhöht in ihren Augen die Risiken für andere hoch verschuldete Euro-Länder.

«Der Euro würde einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion überleben», fasst Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank zusammen. Aber so ein Austritt sei nur schwer vorstellbar und würde zudem die Risiken verschärfen.

Für Hellmeyer hätte ein Austritt Griechenlands vor allem eine verheerende Aussenwirkung: «Was für ein Bild gäbe die Euro-Zone vor der Welt und den Kapitalmärkten ab, wenn sie nicht in der Lage wäre, ein absolut überschaubares Problem zu lösen.»

«Jeder Austritt aus der Euro-Zone würde zweifelsohne durch eine Phase enormer Unsicherheit geprägt werden", sagt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Die Anleger würden sich rasch in den Dollar zurückziehen, erwarten auch Händler.

Heikel für Italien und Portugal

Besonders kritisch dürften die Investoren in einem solchen Fall die Zukunft Portugals, Irlands, Italiens und Spaniens sehen. «Die Ansteckungsgefahr dürfte enorm zunehmen», warnt Eugen Keller, Analyst bei der Metzler Bank in Frankfurt.

Dies würde sich an den Kapitalmärkten in einem fallenden Euro-Kurs und steigenden Renditen der Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder widerspiegeln. Damit würden die Probleme Portugals oder Italiens wieder dramatisch zunehmen. Die grösste Herausforderung für diese Länder ist es laut Börsianern ohnehin, das Vertrauen der Anleger zu behalten beziehungsweise wiederzugewinnen.

Schon jetzt haben Länder wie Italien und Spanien nach einer Studie der Commerzbank mit Kapitalabflüssen zu kämpfen. Dass beide Staaten sich in diesem Jahr an den Rentenmärkten problemlos neue Gelder beschaffen konnten, wird auf die Liquiditätsspritze zurückgeführt, die die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken kurz vor Weihnachten gesetzt hatte.

Fast 500 Milliarden Euro pumpte die EZB in den Geldmarkt - und zwar für drei Jahre mit einem Zins von einem Prozent. Vor allem Banken in den hoch verschuldeten Ländern wie Italien dürften einen Teil ihres bei der EZB geliehenen Geldes für den Kauf von heimischen Staatsanleihen verwendet haben.

ESM ausbauen

Im Falle eines Austritts Griechenlands schliesst die Commerzbank nicht aus, dass die EZB weitere Gelder nachschiessen müsste. Zudem könnte sie sich zu einer weiteren Abschwächung der Sicherheiten, die Banken für Kredite bei der Zentralbank hinterlegen müssen, veranlasst sehen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen inzwischen für eine Aufstockung des künftigen Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) durch die nicht verbrauchten Mittel des aktuellen Euro-Rettungsschirms EFSF aus. Damit würde sich die Euro-Zone besser gegen weitere Probleme in Italien oder Spanien wappnen, argumentieren auch Analysten.

Für Griechenland wird die Lage nach Ansicht von Experten aber auch nach einem möglichen zweiten Rettungspaket extrem schwierig bleiben. «Das Land hat grundsätzliche strukturelle Probleme, die von aussen kaum zu lösen sind», erklärt Karpowitz.

(rcv/sda)

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