21.11.2011 | 14:59
 

Moody's-Warnung zwingt Märkte in die Knie

Moody's hat Frankreich laut einem Bericht mit dem Entzug der Bestnote «AAA» gedroht. In der Folge tauchten die Aktienmärkte Europas, überall ist man in Alarmbereitschaft.

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An den Märkten und in der EU-Kommission wachsen die Sorgen, dass nun auch Schwergewichte des Währungsraums tiefer in den Abwärtsstrudel der Schuldenkrise geraten. «Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen mache», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Die Ratingagentur Moody's warnte Frankreich vor einer Herabstufung von dessen Spitzen-Bonitätsnote «AAA». Sollten die erhöhten Finanzierungskosten für längere Zeit anhalten, würden die Haushaltsschwierigkeiten steigen und negative Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit haben, hiess es.

Der Warnschuss von Moody's trug dazu bei, dass die Aktienmärkte in die Knie gingen. Der deutsche Dax und der französische CAC 40 lagen am Mittag je rund 2,6 Prozent im Minus. An der Schweizer Börse tauchte der SMI im Handelsverlauf um knapp 2 Prozent.

Schlechtere Werte für zehnjährige Anleihen

Frankreich war zuletzt stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten und muss bereits höhere Refinanzierungskosten für seine Schulden zahlen. Die Regierung in Paris will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen, steht nach Ansicht von Moody's aber vor einer schwierigen Aufgabe.

«Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrössern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte», schrieb Moody's-Experte Alexander Kockerbeck im wöchentlichen Kreditausblick der Agentur.

Er verwies darauf, dass die Renditeaufschläge zehnjähriger französischer Staatsanleihen vorige Woche erstmals seit Bestehen der Währungsunion um 2 Prozentpunkte über deutschen Bonds lagen.

Viel höhere Kosten durch Renditeanstieg

Damit zahle Frankreich für langfristige Finanzierungen Anlegern fast das Doppelte wie Deutschland. Die Zinsen für zehnjährige französische Anleihen zogen auf bis zu 3,622 Prozent an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel gleichzeitig auf 1,869 (Freitag: 1,964) Prozent.

Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt bedeute für Frankreich pro Jahr etwa Zusatzkosten von rund 3 Milliarden Euro, erklärte Moody's. Das von der Regierung im nächsten Jahr erwartete Wachstum von nur einem Prozent erschwere den angepeilten Schuldenabbau.

Der Moody's Konkurrent Standard & Poor's hatte jüngst - nach eigenen Angaben - versehentlich Frankreichs Toprating «AAA» herabgestuft. Dies hatte für grosse Empörung in Frankreich gesorgt, aber vor allem für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Denn für den Kampf der Euroländer gegen die Krise wäre es ein heftiger Rückschlag.

Auch Rettungsschirm in Rating-Gefahr

Sollte Frankreich sein «AAA»-Rating verlieren, wäre auch das «AAA»-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet, betonte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. «Ich möchte nicht, dass das passiert», sagte Juncker in Mainz. Zur möglichen Herabstufung Frankreichs ergänzte er: «Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten.»

Für Finanzmarktprofis kommt der Warnschuss von Moody's aber nicht überraschend. «Dass Frankreich substanziell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen», kritisierte HSBC-Ökonom Rainer Sartoris.

Die Regierung in Paris will immerhin mit harter Sparpolitik den Verlust seiner Kreditwürdigkeit verhindern. Anfang des Monats kündigte Ministerpräsident François Fillon Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von 65 Milliarden Euro bis 2016 an.

Höhere Rendite für Spanien

Die Investoren misstrauen auch Spanien und Italien: Der Sieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen in Spanien beeindruckte sie nur wenig. Der Renditeaufschlag, den Investoren für zehnjährige spanische Papiere im Vergleich zu deutschen Bunds einfordern, legte zu Wochenbeginn um 29 auf 473 Basispunkte zu. Die Kurse der Anleihen gaben nach, die Rendite erhöhte sich auf 6,603 (Freitagabend: 6,403) Prozent.

Das von der Agentur Fitch mit «A+» bewertete Italien musste heute für seine Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit 6,826 Prozent berappen. Damit näherten sich die Renditen erneut der kritischen Marke von 7 Prozent.

(laf/tno/awp)

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