19.12.2011 | 18:06
 

«Wie seit Lehman Brothers nicht mehr»

So gefährdet war die Finanzstabilität in der Eurozone schon lange nicht mehr. Die Europäische Zentralbank warnt vor neuen Schockwellen.

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Die Finanzstabilität im Euroraum ist nach Einschätzung der EZB so stark gefährdet wie nie seit der Lehman- Pleite im Herbst 2008. Letztlich hätten sich die Spannungen auf dem Markt für Staatsanleihen gepaart mit schon vorhandenen Problemen vieler Geschäftsbanken derart verstärkt, «dass sie Dimensionen einer systemischen Krise annahmen, wie sie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor drei Jahren nicht zu beobachten war», schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Finanzstabilitätsbericht.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008 hatte weltweit Schockwellen ausgelöst. Staaten und Notenbanken pumpten in der Folge Milliarden in die Märkte, um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. In der zweiten Jahreshälfte 2011 hätten die Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum «beträchtlich» zugenommen, befanden die Währungshüter: Die Turbulenzen um hoch verschuldete Eurostaaten griffen zunehmend auf Geschäftsbanken über, dazu gesellten sich düstere Aussichten für die weltweite Konjunktur.

Staatem und Banken benötigen etliche Milliarden

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio wies bei der Vorstellung des Berichts in Frankfurt darauf hin, dass sowohl Staaten als auch Banken im Euroraum in den nächsten Jahren etliche Milliarden benötigen, um Schulden zu tilgen. Das sei kein leichtes Unterfangen angesichts des turbulenten Umfeldes. Für Banken belaufe sich der Bedarf allein im ersten Quartal 2012 auf 220 Milliarden Euro.

Die EZB ist bemüht, mit Zinsen auf Rekordtief die Konjunktur anzukurbeln, und mit einem Massnahmenpaket den von Staatsschulden- und Vertrauenskrise gebeutelten Banken wieder auf die Beine zu helfen.

Entscheidender Wendepunkt

Der Euroraum befinde sich an einem entscheidenden Wendepunkt, schreibt die EZB in ihrem Bericht: Massnahmen gegen die aktuelle Krise böten zugleich die Chance, Fehler aus Vorkrisenzeiten zu korrigieren. Was immer Staaten alleine und gemeinsam zur Lösung der Krise täten, sie sollten «nicht nur darauf abzielen, die aktuellen Spannungen zu mildern, sondern auch den Weg zu einer Stärkung der Grundlagen der Wirtschafts- und Währungsunion bereiten».

Constâncio mahnte, die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels von Anfang Dezember müssten nun rasch und überzeugend umgesetzt werden. Die 17 Euroländer und voraussichtlich 9 weitere EU-Staaten wollen einen zwischenstaatlichen Vertrag anstreben, der eine Schuldenbremse und automatische Sanktionen gegen Schuldenstaaten festschreibt. Sorgen um ein Ende der Union macht sich der Portugiese Constâncio nicht: «Ich lese in den Marktindikatoren kein Anzeichen für ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Wir sollten kein Risiko sehen, das undenkbar ist.»

(laf/vst/awp)

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