Die Euro-Krise Schulden, Zinsen, Rettungspakete. Zum Dossier...

Zypern erhält bis zu 10 Milliarden an Euro-Geldern

Die Euro-Staaten haben Zypern ein umfassendes Hilfspaket in Aussicht gestellt. Auch der Internationale Währungsfonds wird sich an der Milliarden-Geldspritze für die Insel beteiligen.

27.06.2012

Zwei Tage nach dem Antrag haben die Euro-Staaten Zypern ein umfassendes Hilfspaket in Aussicht gestellt. Die Eurogruppe sicherte dem Inselstaat nach einer Telefonkonferenz am Mittwoch zu, «positiv» auf die eingegangene Anfrage zu reagieren. Wie bei früheren Hilfsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal werde sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) an den Notkrediten beteiligen.

Auflagen für die gesamte Wirtschaft

Eine Summe nannten die Euro-Finanzminister dabei nicht. In Nikosia ist von einem Betrag von bis zu 10 Milliarden Euro die Rede. Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF sollen den Finanzbedarf des Mittelmeerstaates nun sondieren.

Im Gegensatz zu Spanien, das lediglich Notkredite für die Sanierung seiner maroden Banken erhält, muss Zypern im Gegenzug Auflagen für die gesamte Wirtschaft einhalten. Die Finanzhilfe werde im Rahmen eines «umfassenden» Reformprogramms gewährt, schreibt die Eurogruppe. Dies basiere auf den Empfehlungen der EU-Kommission.

Ausuferndes Haushaltsdefizit

Die EU-Kommission hatte Zypern Ende Mai aufgefordert, unter anderem sein ausuferndes Haushaltsdefizit zu reduzieren und seine Banken stärker zu beaufsichtigen. Zudem verlangte Brüssel Reformen am Rentenmarkt, im Gesundheitssektor und am Arbeitsmarkt. Die Eurogruppe zeigt sich davon überzeugt, dass «die Umsetzung dieses Programms die finanziellen, haushaltspolitischen und strukturellen Herausforderungen der Wirtschaft entschlossen angehen wird».

[[nid:336090]]

Der Internationale Währungsfonds wird bei der Hilfe mitziehen. IWF-Chefin Christine Lagarde teilte in Washington mit: «Wir stehen bereit, unsere europäischen Partner zu unterstützen, um Zypern wieder zu einem stabilen und nachhaltigen Wachstum zu bringen und seinen Finanzsektor zu konsolidieren.» Der IWF hatte bei früheren Programmen ein Drittel übernommen.

Eng mit Griechenland verwickelt

Die Eurogruppe sprach in ihrer Erklärung von «einem sehr herausfordernden Umfeld» und Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen. Die Minister begrüssten, dass Zypern auch den IWF um Finanzhilfe gebeten habe.

Offen ist laut Eurogruppe noch, ob die Kredite aus dem derzeitigen Rettungsfonds EFSF oder aus seinem Nachfolger ESM, der im Juli starten soll, kommen werden.

Die Republik Zypern ist die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum. Zypern war am Montag als fünftes Euro-Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Als Hauptproblem des Inselstaates gilt der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft und auf Ramsch-Niveau gesetzt.

(chb/awp)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Zwei Tage nach dem Antrag haben die Euro-Staaten Zypern ein umfassendes Hilfspaket in Aussicht gestellt. Die Eurogruppe sicherte dem Inselstaat nach einer Telefonkonferenz am Mittwoch zu, «positiv» auf die eingegangene Anfrage zu reagieren. Wie bei früheren Hilfsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal werde sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) an den Notkrediten beteiligen.

Auflagen für die gesamte Wirtschaft

Eine Summe nannten die Euro-Finanzminister dabei nicht. In Nikosia ist von einem Betrag von bis zu 10 Milliarden Euro die Rede. Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF sollen den Finanzbedarf des Mittelmeerstaates nun sondieren.

Im Gegensatz zu Spanien, das lediglich Notkredite für die Sanierung seiner maroden Banken erhält, muss Zypern im Gegenzug Auflagen für die gesamte Wirtschaft einhalten. Die Finanzhilfe werde im Rahmen eines «umfassenden» Reformprogramms gewährt, schreibt die Eurogruppe. Dies basiere auf den Empfehlungen der EU-Kommission.

Ausuferndes Haushaltsdefizit

Die EU-Kommission hatte Zypern Ende Mai aufgefordert, unter anderem sein ausuferndes Haushaltsdefizit zu reduzieren und seine Banken stärker zu beaufsichtigen. Zudem verlangte Brüssel Reformen am Rentenmarkt, im Gesundheitssektor und am Arbeitsmarkt. Die Eurogruppe zeigt sich davon überzeugt, dass «die Umsetzung dieses Programms die finanziellen, haushaltspolitischen und strukturellen Herausforderungen der Wirtschaft entschlossen angehen wird».

Die Länder unter dem EU-Rettungsschirm

Langsam wird es eng: Bisher sind fünf Länder zumindest teilweise unter den EU-Rettungsschirm geflüchtet. Doch die Milliarden aus Brüssel sind an harte Sparauflagen und andere Bedingungen gebunden.

26.06.2012

Der Internationale Währungsfonds wird bei der Hilfe mitziehen. IWF-Chefin Christine Lagarde teilte in Washington mit: «Wir stehen bereit, unsere europäischen Partner zu unterstützen, um Zypern wieder zu einem stabilen und nachhaltigen Wachstum zu bringen und seinen Finanzsektor zu konsolidieren.» Der IWF hatte bei früheren Programmen ein Drittel übernommen.

Eng mit Griechenland verwickelt

Die Eurogruppe sprach in ihrer Erklärung von «einem sehr herausfordernden Umfeld» und Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen. Die Minister begrüssten, dass Zypern auch den IWF um Finanzhilfe gebeten habe.

Offen ist laut Eurogruppe noch, ob die Kredite aus dem derzeitigen Rettungsfonds EFSF oder aus seinem Nachfolger ESM, der im Juli starten soll, kommen werden.

Die Republik Zypern ist die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum. Zypern war am Montag als fünftes Euro-Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Als Hauptproblem des Inselstaates gilt der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft und auf Ramsch-Niveau gesetzt.

(chb/awp)

Meistgelesen

Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Nur Kleinanleger glauben noch an Gold
Kurs

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts. Mehr...

22.05.2013
Lohnstudie

Wer eine Schweizer Fachhochschule durchlaufen hat, verdient 2013 leicht weniger als vor zwei Jahren. In einigen Management-Stufen gibt es dagegen grosse Lohnsprünge nach oben. Mehr...

VonNorman Bandi
22.05.2013
Goldman-Sachs-Chefökonom: «Rezession in Europa geht weiter»
Eurokrise

Goldman-Sachs-Chefökonom Jan Hatzius befürchtet eine Rückkehr der Eurokrise, falls die Peripherieländer ihre Sparpolitik aufgeben. Mehr...

VonTim Höfinghoff
22.05.2013
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
Prognose

Der massive Absturz des des Goldes führt zu Verunsicherung. Der bekannte Anlageguru Mohamed El-Erian sieht darin Parallelen zum Einbruch der Apple- und Facebook-Aktie. Mehr...

23.05.2013
Schwarzer Börsentag: Der ganz normale Wahnsinn
Analyse

Die Aktienkurse tauchen nach dem Kurssturz in Japan weltweit. Auch an der Schweizer Börse geht es abwärts. Eine panische Reaktion ist trotzdem fehl am Platz. Mehr...

VonVolker Strohm
23.05.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Kommentar: Economiesuisse - das Grounding von 2013 Lesen

Fachhochschul-Absolventen stossen an Salärgrenzen. Lesen

Unterirdischer Güterverkehr: Geldsorgen. Lesen

Experten warnen vor Essen aus China. Lesen

Goldman-Sachs: «Rezession in Europa geht weiter». Lesen

Salat und Hemden im Schliessfach. Lesen

«Alstom ist keine Sozialversicherung ». Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...