GastroSuisse schlägt Alarm: Schweizer essen lieber zu Hause

Schweizer Konsumenten essen lieber zu Hause. Dieser beschert der hiesigen Gastronomie Mindereinnahmen von beinahe zwei Milliarden Franken.

11.04.2012

Lieber daheim eine Kerze auf den Tisch stellen als zum Candlelight-Dinner ins Restaurant gehen - das ist günstiger und schmeckt auch besser. Davon sind Schweizerinnen und Schweizer überzeugt. Das treibt so manchen Wirten die Sorgenfalten auf die Stirn.

Kein Winder, denn fast 1,9 Milliarden Franken weniger flossen gemäss Branchenverband GastroSuisse letztes Jahr in die Kassen der Schweizer Gastrobetriebe. Das sind zwar immer noch 24,2 Milliarden Franken, aber doch sieben Prozent weniger als im Jahr 2010, wie GastroSuisse-Direktor Bernhard Kuster am Mittwoch in Zürich vor den Medien ausführte. Vor allem bei den Getränken sparten die Gäste: 13 Prozent weniger zahlten sie für Getränke zum Essen. Jene, die einzig etwas trinken wollten, gaben gar 22,3 Prozent weniger aus. Fürs Essen ausser Haus gaben Schweizerinnen und Schweizer 4,1 Prozent weniger Geld aus.

Hotellerie und der starke Franken

GastroSuisse beurteilt die Lage als besorgniserregend. Die Konsumentenstimmung liegt laut Kuster deutlich unter dem langjährigen Mittel. Sie sei für die Gastronomie das grosse Problem. Der Hotellerie bereitet dagegen vor allem der starke Franken Sorgen. Die Situation sei «wirklich dramatisch», vor allem für Regionen - wie den Kanton Graubünden - mit einem grossen Anteil an Gästen aus Europa. In der Vierwaldstättersee-Region könne der Rückgang zumindest teilweise durch Gäste aus Asien wettgemacht werden.

Der Rückgang der Nachfrage hat sich gemäss Kuster auch auf den Personalbestand ausgewirkt. Die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten ging um 4210 zurück, jene der Teilzeit-Angestellten um rund 4500. Zwar versuche die Branche «auf Kurs zu bleiben» und investiere, die Politik lege ihr aber immer mehr Steine in Form von immer neuen und strengeren Vorschriften in den Weg, sagte Zentralpräsident Klaus Künzli.

GastroSuisse will tieferen Mehrwertsteuersatz

Die «Beseitigung der steuerlichen Diskriminierung des Gastgewerbes» sei eine der Hauptforderungen an die Politik. Es gehe nicht an, dass im Restaurant abgegebene Lebensmittel höher besteuert würden als jene, die beim Detailhändler oder am Take-Away gekauft würden. Das sei ungerecht. Die GastroSuisse-Volksinitiative, welche die ungleichen Mehrwertsteuersätze abschaffen will, müsse gleichzeitig mit der geplanten Revision des Mehrwertsteuer-Gesetzes behandelt werden, verlangt Künzli. Eine Besteuerung gastgewerblicher Leistungen zum reduzierten Satz (2,5 statt 8 Prozent) sei die «richtige Lösung».

Als «reine Zwängerei» bezeichnete Künzli die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» der Lungenliga. Das geltende Bundesgesetz «zum Schutz vor Passivrauchen» sei ein «realistischer politischer Kompromiss». Die mit der neuen Volksinitiative verlangte Verschärfung sei unverhältnismässig und beschränke die unternehmerische Freiheit über Gebühr.

Kritik übte der GastroSuisse-Präsident auch an drei weiteren Gesetzesvorlagen: Das Präventionsgesetz sei überflüssig und öffne weiteren Staatsinterventionen Tür und Tor. Mit der Revision des Lebensmittelgesetzes gebe es Deklarationen, die «den zumutbaren administrativen Aufwand deutlich übersteigen».

Weiter wehre sich GastroSuisse gegen zwei Verschärfungen des neuen Alkoholgesetzes, nämlich das Happy-hour-Verbot für Spirituosen und die Testkäufe durch Jugendliche. Zuversichtlich ist der Branchenverband allerdings, dass aufgrund einer Motion im eidgenössischen Parlament die bürokratischen Hürden zur Errichtung von Strassencafés beschränkt werden.

(muv/chb/sda)

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Kein Winder, denn fast 1,9 Milliarden Franken weniger flossen gemäss Branchenverband GastroSuisse letztes Jahr in die Kassen der Schweizer Gastrobetriebe. Das sind zwar immer noch 24,2 Milliarden Franken, aber doch sieben Prozent weniger als im Jahr 2010, wie GastroSuisse-Direktor Bernhard Kuster am Mittwoch in Zürich vor den Medien ausführte. Vor allem bei den Getränken sparten die Gäste: 13 Prozent weniger zahlten sie für Getränke zum Essen. Jene, die einzig etwas trinken wollten, gaben gar 22,3 Prozent weniger aus. Fürs Essen ausser Haus gaben Schweizerinnen und Schweizer 4,1 Prozent weniger Geld aus.

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GastroSuisse beurteilt die Lage als besorgniserregend. Die Konsumentenstimmung liegt laut Kuster deutlich unter dem langjährigen Mittel. Sie sei für die Gastronomie das grosse Problem. Der Hotellerie bereitet dagegen vor allem der starke Franken Sorgen. Die Situation sei «wirklich dramatisch», vor allem für Regionen - wie den Kanton Graubünden - mit einem grossen Anteil an Gästen aus Europa. In der Vierwaldstättersee-Region könne der Rückgang zumindest teilweise durch Gäste aus Asien wettgemacht werden.

Der Rückgang der Nachfrage hat sich gemäss Kuster auch auf den Personalbestand ausgewirkt. Die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten ging um 4210 zurück, jene der Teilzeit-Angestellten um rund 4500. Zwar versuche die Branche «auf Kurs zu bleiben» und investiere, die Politik lege ihr aber immer mehr Steine in Form von immer neuen und strengeren Vorschriften in den Weg, sagte Zentralpräsident Klaus Künzli.

GastroSuisse will tieferen Mehrwertsteuersatz

Die «Beseitigung der steuerlichen Diskriminierung des Gastgewerbes» sei eine der Hauptforderungen an die Politik. Es gehe nicht an, dass im Restaurant abgegebene Lebensmittel höher besteuert würden als jene, die beim Detailhändler oder am Take-Away gekauft würden. Das sei ungerecht. Die GastroSuisse-Volksinitiative, welche die ungleichen Mehrwertsteuersätze abschaffen will, müsse gleichzeitig mit der geplanten Revision des Mehrwertsteuer-Gesetzes behandelt werden, verlangt Künzli. Eine Besteuerung gastgewerblicher Leistungen zum reduzierten Satz (2,5 statt 8 Prozent) sei die «richtige Lösung».

Als «reine Zwängerei» bezeichnete Künzli die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» der Lungenliga. Das geltende Bundesgesetz «zum Schutz vor Passivrauchen» sei ein «realistischer politischer Kompromiss». Die mit der neuen Volksinitiative verlangte Verschärfung sei unverhältnismässig und beschränke die unternehmerische Freiheit über Gebühr.

Kritik übte der GastroSuisse-Präsident auch an drei weiteren Gesetzesvorlagen: Das Präventionsgesetz sei überflüssig und öffne weiteren Staatsinterventionen Tür und Tor. Mit der Revision des Lebensmittelgesetzes gebe es Deklarationen, die «den zumutbaren administrativen Aufwand deutlich übersteigen».

Weiter wehre sich GastroSuisse gegen zwei Verschärfungen des neuen Alkoholgesetzes, nämlich das Happy-hour-Verbot für Spirituosen und die Testkäufe durch Jugendliche. Zuversichtlich ist der Branchenverband allerdings, dass aufgrund einer Motion im eidgenössischen Parlament die bürokratischen Hürden zur Errichtung von Strassencafés beschränkt werden.

(muv/chb/sda)

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