Politnetz: Wahlkampf 2.0

Ein Zürcher Start-up-Unternehmen vernetzt auf ­seiner Internetplattform ­Politiker und Bürger. 12'000 Personen und 60 Nationalräte sind Mitglieder bei Politnetz.

VonSarah Forrer
21.10.2011

Das Telefon klingelt. Ein junger Mann ist überfordert mit den Wahlunterlagen und bittet um Hilfe. Eine ältere Politikerin bringt ihr Profilbild nicht auf die Internetseite. Medienvertreter wollen Statistiken über die Nutzung der sozialen Medien. Das Büro des Start-up-Unternehmens Politnetz in Zürich Wiedikon gleicht vor den eidgenössischen Wahlen einem Bienenhaus.

«Wir sind sozusagen eine Schnittstelle zwischen Politik und sozialen Medien», sagt Gabriel Hase, einer der drei Geschäftsführer der vor zwei Jahren gegründeten Internetplattform. Politiker wie Bürger veröffentlichen auf der Seite Berichte, kommentieren, verlinken und informieren sich über die Schweizer Politszene. Daneben betreibt Politnetz einen Facebook- und Twitterradar. Ähnlich wie an der Börse ermittelt es, welche Profile der Politiker und der Politgruppen an Einfluss – sprich neuen Mitgliedern – gewonnen und welche verloren haben.

Artikel werden bis zu 10'000-mal angeklickt

Politnetz zählt über 12'000 Mitglieder. In den letzten Wochen hat vor allem das Interesse der Parlamentarier zugenommen. «Heute sind über 60 Nationalräte mit dabei. Das ist ein Drittel mehr als noch vor drei Monaten», sagt der 28-jährige Hase. Angelockt werden sie von der Möglichkeit, ihre Meinung im Netz zu präsentieren. Die einzelnen Artikel auf der Seite werden zwischen 500- und 10'000-mal angeklickt. Als Magnet erwiesen sich zudem Medienpartnerschaften. Die qualitativen Inhalte machen für Hase den Unterschied zu andern Internet-Politseiten wie smartvote, oder easyvote aus. «Unser Angebot geht breiter und tiefer. Es ergänzt die schon vorhandenen Tools», sagt Hase.

Viel lieber als von möglichen Konkurrenten spricht Hase über das Potenzial des Internets in politischen Belangen. Stuttgart 21 oder die Aktion Occupy Wallstreet seien politische Kinder des Internets und fänden dank den sozialen Medien die nötige Verbreitung. Angst vor einem vorübergehenden Hype haben die Betreiber nicht. «Das Web 2.0 steckt, was politische ­Diskussionen anbelangt, noch in den Kinderschuhen. Da ist noch viel Raum vorhanden.» Seit dem Startschuss 2009 haben Informatiker und Politikwissenschaftler viel getüftelt und die Seite wieder angepasst. «Trial and Error» ist das Credo der fünf Betreiber, die zu 100 Prozent für Politnetz arbeiten.

Trotz des hohen Einsatzes schaut noch kein Gewinn heraus. Die Plattform finanziert sich bis anhin von privaten Ersparnissen und Medienpartnerschaften. Vor einem Jahr hat sie von der Zürcher Kantonalbank ein Darlehen für Start-ups erhalten. Das Ziel ist klar: Bis spätestens in zwei Jahren soll die Seite Gewinn erwirtschaften. «Wir sind daran, die Medienpartnerschaften auszubauen.» Auch für spezifische Softwarelösungen sehen die Informatiker genügend Potenzial.

Ausbau in der Westschweiz

Nicht zuletzt zahlen Politiker schon heute für bestimmte Dienstleistungen wie die Verlinkung der Inhalte 15 Franken im Monat. Ganz glücklich ist Hase mit dieser Lösung nicht. «Wichtiger als Geld ist, so viele politische Player wie möglich auf unserer Seite zu vereinen.»

Ihm ist durchaus bewusst, dass Erfolg oder Niederlage davon abhängt. Dass das Konzept den Nerv der Zeit trifft, steht für Hase ausser Frage. Er spricht von Bürgerjournalismus. Als Beispiel nennt er die «Huffington Post», eine Online-Zeitung, die mehrheitlich aus Blogs besteht und in der wichtige Köpfe aus Politik und Wirtschaft ihre Kommentare platzieren. Monatlich klicken rund 25 Millionen Personen die Seite an. Ihr Einfluss auf Medien und Gesellschaft ist mittlerweile unbestritten. «Wenn es uns gelingt, genügend Leute zu mobilisieren, die ihre Meinung exklusiv bei uns verbreiten, sind wir in einer extrem starken Position.» Geld fliesse dann von alleine.

Dies ist Zukunftsmusik. Konkret steht erst einmal der Ausbau in die Romandie an. Bis zu den nächsten Abstimmungen im Februar 2012 will die Plattform in der welschen Schweiz präsent sein. Direkt nach den Wahlen hat Hase sich aber nur eines vorgenommen: Überzeit abbauen und in die Ferien fahren.

 

Social Media: Smartvote, Easyvote und Votez

Bei smartvote.ch können Wähler seit 2003 ihre Fragebogen mit denjenigen von Parteien und Kandi­daten vergleichen. 2007 nutzten eine Million Menschen die Wahlhilfe. Betrieben wird die Seite von Politools. Easyvote.ch ist eine diesjährige Kampagne der Schweizer Jugend­parlamente, um Junge an die Urne zu bringen. Beide sind Partner von poltinetz.ch und politisch neutral. Aus der Reihe tanzt votez.ch, die auch Stimm-Empfehlungen abgibt. Die Seite wird ehrenamtlich betrieben.

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«Wir sind sozusagen eine Schnittstelle zwischen Politik und sozialen Medien», sagt Gabriel Hase, einer der drei Geschäftsführer der vor zwei Jahren gegründeten Internetplattform. Politiker wie Bürger veröffentlichen auf der Seite Berichte, kommentieren, verlinken und informieren sich über die Schweizer Politszene. Daneben betreibt Politnetz einen Facebook- und Twitterradar. Ähnlich wie an der Börse ermittelt es, welche Profile der Politiker und der Politgruppen an Einfluss – sprich neuen Mitgliedern – gewonnen und welche verloren haben.

Artikel werden bis zu 10'000-mal angeklickt

Politnetz zählt über 12'000 Mitglieder. In den letzten Wochen hat vor allem das Interesse der Parlamentarier zugenommen. «Heute sind über 60 Nationalräte mit dabei. Das ist ein Drittel mehr als noch vor drei Monaten», sagt der 28-jährige Hase. Angelockt werden sie von der Möglichkeit, ihre Meinung im Netz zu präsentieren. Die einzelnen Artikel auf der Seite werden zwischen 500- und 10'000-mal angeklickt. Als Magnet erwiesen sich zudem Medienpartnerschaften. Die qualitativen Inhalte machen für Hase den Unterschied zu andern Internet-Politseiten wie smartvote, oder easyvote aus. «Unser Angebot geht breiter und tiefer. Es ergänzt die schon vorhandenen Tools», sagt Hase.

Viel lieber als von möglichen Konkurrenten spricht Hase über das Potenzial des Internets in politischen Belangen. Stuttgart 21 oder die Aktion Occupy Wallstreet seien politische Kinder des Internets und fänden dank den sozialen Medien die nötige Verbreitung. Angst vor einem vorübergehenden Hype haben die Betreiber nicht. «Das Web 2.0 steckt, was politische ­Diskussionen anbelangt, noch in den Kinderschuhen. Da ist noch viel Raum vorhanden.» Seit dem Startschuss 2009 haben Informatiker und Politikwissenschaftler viel getüftelt und die Seite wieder angepasst. «Trial and Error» ist das Credo der fünf Betreiber, die zu 100 Prozent für Politnetz arbeiten.

Trotz des hohen Einsatzes schaut noch kein Gewinn heraus. Die Plattform finanziert sich bis anhin von privaten Ersparnissen und Medienpartnerschaften. Vor einem Jahr hat sie von der Zürcher Kantonalbank ein Darlehen für Start-ups erhalten. Das Ziel ist klar: Bis spätestens in zwei Jahren soll die Seite Gewinn erwirtschaften. «Wir sind daran, die Medienpartnerschaften auszubauen.» Auch für spezifische Softwarelösungen sehen die Informatiker genügend Potenzial.

Ausbau in der Westschweiz

Nicht zuletzt zahlen Politiker schon heute für bestimmte Dienstleistungen wie die Verlinkung der Inhalte 15 Franken im Monat. Ganz glücklich ist Hase mit dieser Lösung nicht. «Wichtiger als Geld ist, so viele politische Player wie möglich auf unserer Seite zu vereinen.»

Ihm ist durchaus bewusst, dass Erfolg oder Niederlage davon abhängt. Dass das Konzept den Nerv der Zeit trifft, steht für Hase ausser Frage. Er spricht von Bürgerjournalismus. Als Beispiel nennt er die «Huffington Post», eine Online-Zeitung, die mehrheitlich aus Blogs besteht und in der wichtige Köpfe aus Politik und Wirtschaft ihre Kommentare platzieren. Monatlich klicken rund 25 Millionen Personen die Seite an. Ihr Einfluss auf Medien und Gesellschaft ist mittlerweile unbestritten. «Wenn es uns gelingt, genügend Leute zu mobilisieren, die ihre Meinung exklusiv bei uns verbreiten, sind wir in einer extrem starken Position.» Geld fliesse dann von alleine.

Dies ist Zukunftsmusik. Konkret steht erst einmal der Ausbau in die Romandie an. Bis zu den nächsten Abstimmungen im Februar 2012 will die Plattform in der welschen Schweiz präsent sein. Direkt nach den Wahlen hat Hase sich aber nur eines vorgenommen: Überzeit abbauen und in die Ferien fahren.

 

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Bei smartvote.ch können Wähler seit 2003 ihre Fragebogen mit denjenigen von Parteien und Kandi­daten vergleichen. 2007 nutzten eine Million Menschen die Wahlhilfe. Betrieben wird die Seite von Politools. Easyvote.ch ist eine diesjährige Kampagne der Schweizer Jugend­parlamente, um Junge an die Urne zu bringen. Beide sind Partner von poltinetz.ch und politisch neutral. Aus der Reihe tanzt votez.ch, die auch Stimm-Empfehlungen abgibt. Die Seite wird ehrenamtlich betrieben.

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