Schreckgespenst Rezession verzieht sich

Eine KOF-Umfrage bringt es an den Tag: Die Schweizer Wirtschaft sieht Licht am Horizont. Doch nicht allen Branchen geht es gleichermassen gut.

04.05.2012

Die düsteren Wolken über der Schweizer Wirtschaft lockern sich auf. Die Geschäftslage der Firmen hat sich gemäss einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) in den vergangenen Monaten stabilisiert. Die Nachfrage ist ausser in der Gastronomie nicht weiter gesunken.

Die meisten Betriebe rechnen mit einer leichten Belebung der Nachfrage in den nächsten Monaten, wie die KOF vor den Medien in Zürich bekannt gab. Die Geschäftserwartungen seien nicht mehr so skeptisch wie zu Jahresbeginn, die Schweizer Wirtschaft fasse wieder Tritt.

Die Unternehmen seien wieder etwas zuversichtlicher bezüglich ihrer Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate, sagte KOF-Ökonom Klaus Abberger: «Wir haben den Boden offensichtlich gefunden. Die Wirtschaft ist aber noch nicht aus dem Tal heraus.»

Industrie sieht Licht am Horizont

In der Industrie hat sich die Geschäftslage nicht weiter eingetrübt, wie aus der im April durchgeführten Umfrage bei über 7000 Unternehmen hervorgeht. Der Rückgang der Bestellungseingänge habe sich verlangsamt.

Während die Lage der inlandorientierten Industriefirmen nicht schlecht sei, sei die Lage in der unter dem starken Franken leidenden Exportwirtschaft immer noch angespannt, sagte Abberger. Immerhin habe sich die Situation nicht weiter verschlechtert. Die Talsohle dürfte erreicht sein.

«Das heisst nicht, dass wir durch die Probleme durch sind», sagte Abberger. Die Auslastung der Kapazitäten sei gesunken und liege nun mit 82,2 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt von etwas mehr als 83 Prozent. Und die Gewinne seien sehr unter Druck.

Die Industrie habe einen Boden gefunden und bewege sich jetzt in langsamen Schritten nach oben, sagte Abberger. Sowohl die binnen- als auch die exportorientierten Firmen erwarteten eine leichte Erholung der Nachfrage in den kommenden drei Monaten. Die Firmen würden wieder über eine Ausweitung der Produktion nachdenken. Der Personalabbau dürfte sich spürbar verlangsamen.

Bau läuft gut

Im Bau sei die Lage sehr gut. Nach der Schwächephase im Herbst und Winter habe sich die Nachfrage in jüngster Zeit wieder spürbar belebt. Die Unternehmen wollten mehr Personal einstellen, sagte der KOF-Ökonom.

Auch die Detailhändler bewerten ihre Geschäftslage erneut als günstiger. Der Absatz in den Läden habe sich erholt und auch mit Blick auf die kommenden drei Monate seien die Verkaufserwartungen leicht positiv. Es kämen wieder mehr Kunden in die Läden.

Bei Banken und Versicherungen sei die Lage insgesamt gut. Für die Geschäftsentwicklung in der nächsten Zeit seien die Befragen wieder optimistischer. Die Mitarbeiterzahl werde nicht mehr als zu gross eingeschätzt, der Stellenabbau dürfte sich verlangsamen.

Gastgewerbe leidet weiter

Sorgenkind der Schweizer Wirtschaft ist das Gastgewerbe. Bei Restaurants und Hotels habe sich die Lage nochmals verschlechtert, sagte Abberger. Die Umsätze seien erneut deutlich gesunken und die Ertragslage sei sehr angespannt, wenn auch nicht mehr ganz so miserabel wie Ende 2011.

Vor allem den Hotels geht es schlecht, weil die Zimmerbelegung erneut kräftig zurückgegangen sei. Die Übernachtungen dürften weiter abnehmen. Für eine Reihe von Betrieben dürfte es ums Überleben gehen, sagte Abberger. Von einer anrollenden Pleitewelle wollte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm allerdings nicht sprechen.

(vst/sda)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema
04.05.2012

Die düsteren Wolken über der Schweizer Wirtschaft lockern sich auf. Die Geschäftslage der Firmen hat sich gemäss einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) in den vergangenen Monaten stabilisiert. Die Nachfrage ist ausser in der Gastronomie nicht weiter gesunken.

Die meisten Betriebe rechnen mit einer leichten Belebung der Nachfrage in den nächsten Monaten, wie die KOF vor den Medien in Zürich bekannt gab. Die Geschäftserwartungen seien nicht mehr so skeptisch wie zu Jahresbeginn, die Schweizer Wirtschaft fasse wieder Tritt.

Die Unternehmen seien wieder etwas zuversichtlicher bezüglich ihrer Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate, sagte KOF-Ökonom Klaus Abberger: «Wir haben den Boden offensichtlich gefunden. Die Wirtschaft ist aber noch nicht aus dem Tal heraus.»

Industrie sieht Licht am Horizont

In der Industrie hat sich die Geschäftslage nicht weiter eingetrübt, wie aus der im April durchgeführten Umfrage bei über 7000 Unternehmen hervorgeht. Der Rückgang der Bestellungseingänge habe sich verlangsamt.

Während die Lage der inlandorientierten Industriefirmen nicht schlecht sei, sei die Lage in der unter dem starken Franken leidenden Exportwirtschaft immer noch angespannt, sagte Abberger. Immerhin habe sich die Situation nicht weiter verschlechtert. Die Talsohle dürfte erreicht sein.

«Das heisst nicht, dass wir durch die Probleme durch sind», sagte Abberger. Die Auslastung der Kapazitäten sei gesunken und liege nun mit 82,2 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt von etwas mehr als 83 Prozent. Und die Gewinne seien sehr unter Druck.

Die Industrie habe einen Boden gefunden und bewege sich jetzt in langsamen Schritten nach oben, sagte Abberger. Sowohl die binnen- als auch die exportorientierten Firmen erwarteten eine leichte Erholung der Nachfrage in den kommenden drei Monaten. Die Firmen würden wieder über eine Ausweitung der Produktion nachdenken. Der Personalabbau dürfte sich spürbar verlangsamen.

Bau läuft gut

Im Bau sei die Lage sehr gut. Nach der Schwächephase im Herbst und Winter habe sich die Nachfrage in jüngster Zeit wieder spürbar belebt. Die Unternehmen wollten mehr Personal einstellen, sagte der KOF-Ökonom.

Auch die Detailhändler bewerten ihre Geschäftslage erneut als günstiger. Der Absatz in den Läden habe sich erholt und auch mit Blick auf die kommenden drei Monate seien die Verkaufserwartungen leicht positiv. Es kämen wieder mehr Kunden in die Läden.

Bei Banken und Versicherungen sei die Lage insgesamt gut. Für die Geschäftsentwicklung in der nächsten Zeit seien die Befragen wieder optimistischer. Die Mitarbeiterzahl werde nicht mehr als zu gross eingeschätzt, der Stellenabbau dürfte sich verlangsamen.

Gastgewerbe leidet weiter

Sorgenkind der Schweizer Wirtschaft ist das Gastgewerbe. Bei Restaurants und Hotels habe sich die Lage nochmals verschlechtert, sagte Abberger. Die Umsätze seien erneut deutlich gesunken und die Ertragslage sei sehr angespannt, wenn auch nicht mehr ganz so miserabel wie Ende 2011.

Vor allem den Hotels geht es schlecht, weil die Zimmerbelegung erneut kräftig zurückgegangen sei. Die Übernachtungen dürften weiter abnehmen. Für eine Reihe von Betrieben dürfte es ums Überleben gehen, sagte Abberger. Von einer anrollenden Pleitewelle wollte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm allerdings nicht sprechen.

(vst/sda)

Meistgelesen

Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Nur Kleinanleger glauben noch an Gold
Kurs

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts. Mehr...

22.05.2013
Lohnstudie

Wer eine Schweizer Fachhochschule durchlaufen hat, verdient 2013 leicht weniger als vor zwei Jahren. In einigen Management-Stufen gibt es dagegen grosse Lohnsprünge nach oben. Mehr...

VonNorman Bandi
22.05.2013
Goldman-Sachs-Chefökonom: «Rezession in Europa geht weiter»
Eurokrise

Goldman-Sachs-Chefökonom Jan Hatzius befürchtet eine Rückkehr der Eurokrise, falls die Peripherieländer ihre Sparpolitik aufgeben. Mehr...

VonTim Höfinghoff
22.05.2013
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
Prognose

Der massive Absturz des des Goldes führt zu Verunsicherung. Der bekannte Anlageguru Mohamed El-Erian sieht darin Parallelen zum Einbruch der Apple- und Facebook-Aktie. Mehr...

23.05.2013
Schwarzer Börsentag: Der ganz normale Wahnsinn
Analyse

Die Aktienkurse tauchen nach dem Kurssturz in Japan weltweit. Auch an der Schweizer Börse geht es abwärts. Eine panische Reaktion ist trotzdem fehl am Platz. Mehr...

VonVolker Strohm
23.05.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Kommentar: Economiesuisse - das Grounding von 2013 Lesen

Fachhochschul-Absolventen stossen an Salärgrenzen. Lesen

Unterirdischer Güterverkehr: Geldsorgen. Lesen

Experten warnen vor Essen aus China. Lesen

Goldman-Sachs: «Rezession in Europa geht weiter». Lesen

Salat und Hemden im Schliessfach. Lesen

«Alstom ist keine Sozialversicherung ». Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...