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Bürogolf: Abschlagen, wo ­andere arbeiten

Computerkabel und Bürostühle sind ihre Hindernisse. In verschiedenen deutschen Städten treffen sich Geschäftsleute zum Bürogolf. Die Idee könnte in der Schweiz Nachahmer finden.

VonValerie Landau
07.05.2012

Heiko Wachtmann liegt mit dem Bauch auf dem Boden. Er presst sein Gesicht gegen den anthrazitfarbenen Teppich und peilt sein Ziel an: Loch 7. Vorbei am Schreibtischstuhl, unter dem Schreibtisch entlang, vorbei an Computerkabeln und dem Konferenztisch. Der Geschäftsmann spielt Golf – im Büro.

Alle zwei Monate treffen sich Hamburger Geschäftsleute aus den unterschiedlichsten Branchen nach Feierabend zum Golfen in fremden Büroräumen. Wenn Männer in Anzug und Krawatte unter Tische krabbeln und Bälle einlochen, sieht das etwas anders aus als auf den Greens elitärer Golfklubs. Halt fast so wie Kleinkinder zu Hause beim Spielen.

Gespielt wird an diesem Abend auf 700 Quadratmetern in einem Glaskomplex in der Hamburger Hafencity. Aus den Büros, in denen tagsüber Fonds vermittelt werden, reicht der Blick über den Hafen bis zur Elbphilharmonie. Neun mobile Löcher werden in eben so viele Arbeitszimmer verteilt. Wer Drucker, Kabel, Tischbeine oder sonstige Gegenstände berührt, kassiert Strafschläge. Mit Bier und Golfschläger in der Hand laufen die Männer durch die Büros und üben schon mal ein paar Schläge. Und sie klagen. «Wo sind denn die Frauen?», fragt ein Bürogolfer in die Runde.

Erleichterung bei den Männern, als dann doch noch nach und nach einige Golferinnen aus dem Lift steigen. Eine von ihnen ist Jessica Stelling. Sie arbeitet bei einer Bank und startet in ihrer Gruppe bei Loch 9. Von dort aus geht es quer durchs Treppenhaus. Ein Stockwerk liegt zwischen dem Abschlag und dem Ziel. Locker aus der Hüfte heraus trifft sie den Gummigolfball, der speziell für die Fliesen im Treppenhaus ausgewählt wurde. Eine S­tufe nach der anderen hüpft der Ball hinunter.

Golfen quer durchs Treppenhaus

Kerstan Glant entscheidet sich stattdessen für eine risikoreichere Variante – schliesslich will er das Loch in weniger Schlägen als seine Konkurrentin schaffen. Dafür zielt er durch das Geländer und schlägt den Ball quer durchs Treppenhaus. Der Ball landet direkt auf der nächsten Etage. Ein weiterer Schlag und der Ball ist eingelocht.

Der IT-Experte will durch das Bürogolfen sein Netzwerk vergrössern: «Wenn ich Kunden habe, die einen Profi aus einer ­anderen Branche suchen, kann ich ihnen vielleicht jemanden empfehlen, den ich persönlich kenne», sagt Glant. Andere ­machen mit, um Kollegen zu treffen oder auch einfach nur um Spass zu haben.

Im Raucherbüro am Ende einer der verwinkelten Gänge scheint der Chef der Firma zu sitzen – so mutmassen zumindest einige Teilnehmer. Sie schliessen das daraus, dass ein kleiner Konferenztisch im Büro steht. Als Erstes fällt allen der Filmscheinwerfer auf, der auf die Luxus-Apartments gegenüber in der Hafencity gerichtet ist. Direkt daneben steht ein riesiges Fernrohr.

«Sieben Schläge», ruft der Flight Commander, nachdem Heiko Wachtmann den Ball ins Loch nebenan versenkt hat. Der Flight Commander ist der Kapitän, der Schiedsrichter jeder Gruppe. «Sechs, das waren höchstens sechs Schläge», korrigiert Wachtmann energisch. «Heiko ist Einkäufer. Der will immer verhandeln», schmunzelt seine Teampartnerin Christin Schröder.

Gespielt wird nicht nur in den Büros, sondern auch in den Gängen. Sogar im Druckerraum ist eine Station aufgebaut. Mindestens die Hälfte der 30 Teilnehmer ist neu an diesem Abend – dementsprechend kommen häufig Bälle vom Parcours ab und landen auf den Bahnen in den Nachbarbüros. So trifft man die Bürogolfer anderer Teams zumindest nicht nur auf dem Weg zum Kühlschrank, wo das Bier gelagert wird.

Netzwerken beim Golfen im Büro

«Mit manchen, die ich hier kennen­gelernt habe, spiele ich auch ab und zu eine echte Runde Golf, draussen auf dem Golfplatz», sagt Arne Glage, der beruflich Events organisiert. «Ich profitiere von den Verbindungen und dem Austausch mit anderen Selbstständigen.» Die meisten der Mitspieler seien Businessleute in Führungspositionen. «Ich bin zudem auch neugierig, in andere Büros zu ­gucken», gibt Glage zu, während sein Blick über die Regale und Schreibtische schweift.

Sehr individuell sehen die Büros, in ­denen an diesem Abend gespielt wird, allerdings nicht aus. Fast alle sind gleich eingerichtet: Schwarze Tische, schwarze Stühle, schwarze Regale; selbst die Fenster- und Türrahmen sind schwarz. Nur in einigen Räumen stapeln sich Papiere auf den Schreibtischen und Fussball-Aufkleber liegen überall verstreut herum. Für viel Aufsehen sorgen allerdings die Schaumstoffraketen auf einem Schreibtisch, mit denen man den Kollegen gegenüber abfeuern kann. «Finden wir cool», schreibt Projektleiterin Christin Schröder auf einen Zettel und klebt ihn an die Raketenstation.

Die Punkte sind beim Bürogolfen gar nicht so wichtig. Denn selbst der Verlierer mit den meisten Schlägen bekommt bei der Siegerehrung einen Preis...

 

Office Putting: Eine Abart des klassischen Golfspiels

Spielweise
Die aus den USA importierte art Bürogolf – auch Office Putting – ist nicht mit gleichzusetzen, sondern orientiert sich am herkömmlichen Golf. So darf der Ball lediglich den Boden, den jeweiligen Schläger und das Loch berühren.

Alle anderen Berührungen, wie etwa ­Wände und Inventar, werden mit ­einem Strafschlag geahndet.

Herkunft
Die Trendsportart stammt aus den USA und wird dort seit Jahren praktiziert. Von Übersee kam der Bürosport zeitverzögert nach Europa; er wurde zunächst in in der Bankenszene praktiziert. Mittlerweile wird in verschiedenen Städten Deutschlands gespielt. In der Schweiz ist noch keine Bürogolfer-Szene bekannt. Anzunehmen ist hingegen, dass hin und wieder in Büros in Pausen das Putten geübt wird.

Ablauf
Benötigt wird die übliche Golfausrüstung mit , und . Als «Ziele» dienen spezielle Übungslöcher, etwa aus Metall. Es spielt immer der Spieler, dessen Ball am weitesten vom Loch entfernt liegt. Das nächste Loch wird vom besten Spieler des vorherigen Lochs begonnen. Jede Berührung der Wände, Türen, Einrichtungsgegenstände oder der Mitspieler ergibt 1 Strafschlag. Wie beim traditionellen Golf gewinnt der­jenige, der insgesamt die wenigsten Schläge benötigt, um den Ball in alle Löcher des Parcours zu befördern. Der Parcours besteht in der Regel aus neun Löchern. Eine Bürofläche von mindestens 400 Quadratmetern ist für einen Parcours nötig, wobei auch über Treppen gespielt werden kann. Da noch kein offizielles Bürogolf-Reglement existiert, werden verschiedene Varia­tionen gespielt.

Unterlage
Auf grauer spielt es sich anders und schneller als auf dem klassischen Golfrasen. Aber auch auf Betonböden und Böden wird gespielt. Teilweise werden Teppichrollen ausgelegt.

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Heiko Wachtmann liegt mit dem Bauch auf dem Boden. Er presst sein Gesicht gegen den anthrazitfarbenen Teppich und peilt sein Ziel an: Loch 7. Vorbei am Schreibtischstuhl, unter dem Schreibtisch entlang, vorbei an Computerkabeln und dem Konferenztisch. Der Geschäftsmann spielt Golf – im Büro.

Alle zwei Monate treffen sich Hamburger Geschäftsleute aus den unterschiedlichsten Branchen nach Feierabend zum Golfen in fremden Büroräumen. Wenn Männer in Anzug und Krawatte unter Tische krabbeln und Bälle einlochen, sieht das etwas anders aus als auf den Greens elitärer Golfklubs. Halt fast so wie Kleinkinder zu Hause beim Spielen.

Gespielt wird an diesem Abend auf 700 Quadratmetern in einem Glaskomplex in der Hamburger Hafencity. Aus den Büros, in denen tagsüber Fonds vermittelt werden, reicht der Blick über den Hafen bis zur Elbphilharmonie. Neun mobile Löcher werden in eben so viele Arbeitszimmer verteilt. Wer Drucker, Kabel, Tischbeine oder sonstige Gegenstände berührt, kassiert Strafschläge. Mit Bier und Golfschläger in der Hand laufen die Männer durch die Büros und üben schon mal ein paar Schläge. Und sie klagen. «Wo sind denn die Frauen?», fragt ein Bürogolfer in die Runde.

Erleichterung bei den Männern, als dann doch noch nach und nach einige Golferinnen aus dem Lift steigen. Eine von ihnen ist Jessica Stelling. Sie arbeitet bei einer Bank und startet in ihrer Gruppe bei Loch 9. Von dort aus geht es quer durchs Treppenhaus. Ein Stockwerk liegt zwischen dem Abschlag und dem Ziel. Locker aus der Hüfte heraus trifft sie den Gummigolfball, der speziell für die Fliesen im Treppenhaus ausgewählt wurde. Eine S­tufe nach der anderen hüpft der Ball hinunter.

Golfen quer durchs Treppenhaus

Kerstan Glant entscheidet sich stattdessen für eine risikoreichere Variante – schliesslich will er das Loch in weniger Schlägen als seine Konkurrentin schaffen. Dafür zielt er durch das Geländer und schlägt den Ball quer durchs Treppenhaus. Der Ball landet direkt auf der nächsten Etage. Ein weiterer Schlag und der Ball ist eingelocht.

Der IT-Experte will durch das Bürogolfen sein Netzwerk vergrössern: «Wenn ich Kunden habe, die einen Profi aus einer ­anderen Branche suchen, kann ich ihnen vielleicht jemanden empfehlen, den ich persönlich kenne», sagt Glant. Andere ­machen mit, um Kollegen zu treffen oder auch einfach nur um Spass zu haben.

Im Raucherbüro am Ende einer der verwinkelten Gänge scheint der Chef der Firma zu sitzen – so mutmassen zumindest einige Teilnehmer. Sie schliessen das daraus, dass ein kleiner Konferenztisch im Büro steht. Als Erstes fällt allen der Filmscheinwerfer auf, der auf die Luxus-Apartments gegenüber in der Hafencity gerichtet ist. Direkt daneben steht ein riesiges Fernrohr.

«Sieben Schläge», ruft der Flight Commander, nachdem Heiko Wachtmann den Ball ins Loch nebenan versenkt hat. Der Flight Commander ist der Kapitän, der Schiedsrichter jeder Gruppe. «Sechs, das waren höchstens sechs Schläge», korrigiert Wachtmann energisch. «Heiko ist Einkäufer. Der will immer verhandeln», schmunzelt seine Teampartnerin Christin Schröder.

Gespielt wird nicht nur in den Büros, sondern auch in den Gängen. Sogar im Druckerraum ist eine Station aufgebaut. Mindestens die Hälfte der 30 Teilnehmer ist neu an diesem Abend – dementsprechend kommen häufig Bälle vom Parcours ab und landen auf den Bahnen in den Nachbarbüros. So trifft man die Bürogolfer anderer Teams zumindest nicht nur auf dem Weg zum Kühlschrank, wo das Bier gelagert wird.

Netzwerken beim Golfen im Büro

«Mit manchen, die ich hier kennen­gelernt habe, spiele ich auch ab und zu eine echte Runde Golf, draussen auf dem Golfplatz», sagt Arne Glage, der beruflich Events organisiert. «Ich profitiere von den Verbindungen und dem Austausch mit anderen Selbstständigen.» Die meisten der Mitspieler seien Businessleute in Führungspositionen. «Ich bin zudem auch neugierig, in andere Büros zu ­gucken», gibt Glage zu, während sein Blick über die Regale und Schreibtische schweift.

Sehr individuell sehen die Büros, in ­denen an diesem Abend gespielt wird, allerdings nicht aus. Fast alle sind gleich eingerichtet: Schwarze Tische, schwarze Stühle, schwarze Regale; selbst die Fenster- und Türrahmen sind schwarz. Nur in einigen Räumen stapeln sich Papiere auf den Schreibtischen und Fussball-Aufkleber liegen überall verstreut herum. Für viel Aufsehen sorgen allerdings die Schaumstoffraketen auf einem Schreibtisch, mit denen man den Kollegen gegenüber abfeuern kann. «Finden wir cool», schreibt Projektleiterin Christin Schröder auf einen Zettel und klebt ihn an die Raketenstation.

Die Punkte sind beim Bürogolfen gar nicht so wichtig. Denn selbst der Verlierer mit den meisten Schlägen bekommt bei der Siegerehrung einen Preis...

 

Office Putting: Eine Abart des klassischen Golfspiels

Spielweise
Die aus den USA importierte art Bürogolf – auch Office Putting – ist nicht mit gleichzusetzen, sondern orientiert sich am herkömmlichen Golf. So darf der Ball lediglich den Boden, den jeweiligen Schläger und das Loch berühren.

Alle anderen Berührungen, wie etwa ­Wände und Inventar, werden mit ­einem Strafschlag geahndet.

Herkunft
Die Trendsportart stammt aus den USA und wird dort seit Jahren praktiziert. Von Übersee kam der Bürosport zeitverzögert nach Europa; er wurde zunächst in in der Bankenszene praktiziert. Mittlerweile wird in verschiedenen Städten Deutschlands gespielt. In der Schweiz ist noch keine Bürogolfer-Szene bekannt. Anzunehmen ist hingegen, dass hin und wieder in Büros in Pausen das Putten geübt wird.

Ablauf
Benötigt wird die übliche Golfausrüstung mit , und . Als «Ziele» dienen spezielle Übungslöcher, etwa aus Metall. Es spielt immer der Spieler, dessen Ball am weitesten vom Loch entfernt liegt. Das nächste Loch wird vom besten Spieler des vorherigen Lochs begonnen. Jede Berührung der Wände, Türen, Einrichtungsgegenstände oder der Mitspieler ergibt 1 Strafschlag. Wie beim traditionellen Golf gewinnt der­jenige, der insgesamt die wenigsten Schläge benötigt, um den Ball in alle Löcher des Parcours zu befördern. Der Parcours besteht in der Regel aus neun Löchern. Eine Bürofläche von mindestens 400 Quadratmetern ist für einen Parcours nötig, wobei auch über Treppen gespielt werden kann. Da noch kein offizielles Bürogolf-Reglement existiert, werden verschiedene Varia­tionen gespielt.

Unterlage
Auf grauer spielt es sich anders und schneller als auf dem klassischen Golfrasen. Aber auch auf Betonböden und Böden wird gespielt. Teilweise werden Teppichrollen ausgelegt.

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