CES Las Vegas
Von:
Matthias Niklowitz
Foto:
Bild: ZVG
 

Mehr als nur Smartphones

An der Consumer Electronic Show in Las Vegas waren Smartphones das wichtigste Gesprächsthema. Darüber hinaus gab es auch viele Neuigkeiten aus den Bereichen E-Readern, Tablet-Computern und Digitalfernsehen. Die grossen PC- und Notebookhersteller warten auf den kommenden Erneuerungszyklus, der auch durch Windows 7 getrieben werden dürfte.

 

Die Stände sind abgebaut, die Kabel aufgerollt und die Organisatoren der jüngsten CES in Las Vegas konnten ein positives Fazit zur Ausstellung ziehen, obwohl Analysten unisono von kurzen Schlangen an den Taxiständen und ausgebliebenen Menschenansammlungen an den Verkaufsständen berichteten.

Gedämpfter war das Statement des Branchenverbandes Consumer Electronics Association (CEA). Hier rechnet man für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang über alle Kategorien um 7,8%, trotz leicht steigender Stückzahlen. Stabilisierend wirken die bommenden Bereiche Smartphones, E-Readers, Netbooks, Tablet-Notebooks sowie die Blue-Ray-Player. Im Fernsehbereich könnten die attraktiven Themen 3D, Internet, LED und OLED dazu führen, dass sich die Preise hier etwas stabilisieren. Von einzelnen Anbietern war zu hören, dass insbesonders das Notebook-Geschäft vor Weihnachten gut gelaufen war.
 

Smartphones
 

Eine Reihe von Themen zogen dieses Jahr besonders: Smartphones sind die Handy-Kategorie der Stunde, nachdem Google – sehr öffentlichkeitswirksam – und Dell – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit – eigene Modelle mit unterschiedlichen Features, aber dem gleichen Betriebs- und Vertriebsmodell (Direktverkauf) vorgestellt hatten. Hier sind sich beispielsweise die Analysten von Goldman Sach einig, dass die entscheidende Schlacht um die Kunden über die Apps-Stores und die Vertriebswege für digitalen Content geschlagen werden wird. Hier liegt Apple mit seinem geschlossenen und proprietären Modell sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich vorne. Ähnlich ist es beim Online-Konsum von Fernsehprogrammen in den USA. Die Google-Seiten (inkl. Youtube) haben sich aus dem Gesamtmarkt aller Videosendungen laut der jüngsten Comscore-Media-Metrix-Statistik einen Anteil von über 39% heraus geschnitten. Die Nummer 2, Hulu, kommt auf 3%, die Microsoft- und Yahoo-Seiten auf je 1,5% und Fox, Turner Networks oder CBS Interactive liegen noch weiter abgeschlagen zurück. Eine gute Position beim «gewöhnlichen» Fernsehen bedeutet keine Pole-Position bei interaktiven Plattformen. 
 

Fernseher
 

Fernseher werden jedenfalls interaktiver, (weiter) mit dem Internet verbunden und «grüner». Fast alle namhaften Anbieter zeigten zumindest ein 3D-Modell. Was hier (noch) fehlt, ist der entsprechende attraktive Content. Damit steigt auch die Zahl der Kaufargumente. In den letzten zwei Jahren waren die wichtigsten Argumente die grössere Auflösung und die fallenden Preise. Beides reichte nicht. LED-Monitore könnten zudem Energie sparen und durch die Internet-Anschlüsse ergeben sich neue Möglichkeiten wie interaktives Telefonieren über den Fernseher. Hinzu kommen neuerdings auch bei Fernsehern herunterladbare Applikationen.

Digitaler Content und Applikationen werden immer wichtiger, betonen alle Branchenvertreter. Egal ob es sich um Smartphones oder TVs handelt, Streaming auch für neue 3D-Formate wird immer bedeutender, um sich am Markt bei der Hardware durchzusetzen. Der Sportkanal ESPN, aber auch Discovery Network und DirecTV haben 3D-Formate und Programme angekündigt. Und auch bei den App-Stores gab es einige Newcomer mit Intel AppUp-Center für Netbooks, Vudu Apps für Fernseher, ein Smartphone-App-Store von Samsung sowie Boxee Box, wo man eine Konsolidierung der Multimedia-Inhalte auf einer Box ermöglicht.
 

E-Readers

E-Readers könnten in diesem Jahr zum Durchbruch gelangen und laut Analysten Teile des normalen PC- und Notebookmarktes kannibalisieren. 2009 war das entscheidende Jahr für den Durchbruch der eBooks gewesen. Amazons «Kindle» hat sich hinsichtlich der Marktposition etabliert, aber auch Barnes & Noble sowie Sony haben vergangenes Jahr erste Modelle verkauft. Viele neue Hersteller drängen sich in diesen Markt, aber die Analysten der Credit Suisse erwarten hier eine grosse Konsolidierungswelle. Zudem haben lediglich Geräte mit Preisen unter 200 Dollar eine Chance. Eine Reihe von Ausstellern stellte bemerkenswerte Geräte vor: E-Book-Reader konvergieren mit den Tablet-PC-Formaten. Entourage Edge beispielsweise stellte ein Modell mit zwei «Seiten» vor. Eine mit LCD und eine mit e-Ink. Andere wie das Modell QUE von Plastic Logic haben ultradünne Bildschirme. Samsung präsentierte gleich eine Reihe von Modellen zwischen 5 und 10 Zoll, mit denen sich aus den Google-Bibliotheksbeständen über eine Mio. Bücher herunter laden lassen. Pixel Qi stellte ein Modell vor, das in Gebäuden eine LED-Farbdarstellung aufweist und ausserhalb auf schwarzweiss umstellt, ähnlich wie die e-Ink-Technologie. Notion Ink verwendete einen solchen Pixel Qi-Monitür für einen sehr überzeugenden Tablet-Prototypen. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass E-Readers und Tablets zu einer einzigen Gerätekategorie zusammenwachsen könnten. Technologische Grundlage der E-Reader bilden die ARM-Prozessoren und Linux als Betriebssystem.

Und auch aus dem Firmenkundenbereich gab es einige Hinweise auf den aktuellen Geschäftsgang. HP-Vertreter äusserten sich positiv über die starke Nachfrage nach Industrie-Standardservern. Einige in den verlängerten Weihnachtsurlaub geschickte Serverexperten mussten aus den Ferien zurück gerufen werden, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Dell hingegen wartet (weiterhin) auf den PC-Erneuerungszyklus. Eine positive Überraschung scheint indes ausgeschlossen, weil es hier offenbar einige Probleme bei der Supply-Chain und der Lagerhaltung gegeben hatte, wie Analysten berichten. Auslöser eines Verkaufszyklus könnte die Auslieferung des Service-Pack 1 von Windows 7 sein – Firmenkunden pflegen, bei Microsoft-Produkten die erste Produktewelle zu überspringen, um ihre Sicherheits- und Implementierungsrisiken zu reduzieren. Die Analysten von Morgan Stanley weisen jedoch darauf hin, dass der kommende Erneuerungszyklus bei Firmenkunden auch mit einem weiter fortschreitenden Ersatz von Desktop-Modellen durch (höhermargige) Notebooks einher gehen dürfte. Lenovo und Acer machen mit Firmen- und Regierungskunden deutlich höhere PC- und Notebookumsätze als HP oder Toshiba. Dell liegt mit seinen Verkaufsanteilen dazwischen.
 

Video-Interview

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