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Die Weltausstellung als neue Seidenstrasse

Austausch

Die Expo 2015 war mehr als ein Schaufenster für die teilnehmenden Staaten. Sie war die Manifestation des internationalen Austauschs. Und glich damit stark dem ursprünglichen Konzept der Seidenstrasse.

VonSumnima Udas (CNN International)
29.02.2016
Diskussion
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Ist eine Ausstellung wie die Expo 2015 in Mailand im Zeitalter des Internets überhaupt noch relevant? Ist es in einer so globalisierten Welt, wie der unseren, wirklich noch nötig, dass Millionen über Millionen Menschen Messen besuchen, um mehr über den Planeten zu erfahren?

Das Konzept stammt aus den 50er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts. In einer Zeit, die so viel weniger vernetzt war als die heutige, bot die Expo den Staaten damals die Möglichkeit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen und die Entwicklungen des Welthandels, der Kunst und Architektur, der Bildung, der Technologie und des Tourismus zu beeinflussen.

Länder präsentieren sich als Marke

Erfindungen wie das Telefon, Aluminium und Stahl wurden im Rahmen solcher Ausstellungen erstmals präsentiert. Denker wie Charles Darwin stellten auf Expos ihre Forschungsergebnisse vor. Kulturen trafen aufeinander, Wissen wurde geteilt. Ein Konzept, das der ursprünglichen Seidenstrasse sehr ähnelt.

Bis heute ermöglichen die alle paar Jahre abgehaltenen Weltausstellungen den kulturellen Austausch und geben den Ländern die Möglichkeit, sich wie Marken zu präsentieren. Auf einer Fläche von über einer Million Quadratmetern wurden Land für Land 54 speziell entworfene Pavillons angelegt. Ganze 140 Nationen nahmen teil. An ihrem Ende hatten mehr als zwanzig Millionen Menschen die Expo von Mailand besucht.

Italien demonstriert seine Vorzüge

Für Mailand, das zum zweiten Mal Gastgeber der Weltausstellung war, stellte dies die Möglichkeit dar, Optimismus zu versprühen. Wie der General Director der Expo 2015 Piero Galli darlegte, hat Italien in letzter Zeit in wirtschaftlicher Hinsicht eine schwierige Zeit zu bewältigen. Die Expo stellt nun einen Wendepunkt dar und ist gar ein Symbol der Wiederauferstehung.

Für die Einheimischen bot sich so die Möglichkeit, ein Gefühl von Stolz und Zuversicht zu vermitteln, während alle Italiener auf diese Weise demonstrieren konnten, wozu ihr Land im Stande ist. Während meines Besuchs lautete das Motto Feeding the Planet – und wer könnte dies besser, als die Italiener?

Widersprüche der heutigen Welt

Egal, ob es um vom italienischen manieristischen Maler Guiseppe Arcimboldo inspirierte, gigantische Nahrungsmittelstatuen, Installationen, die chinesische Getreidefelder symbolisieren, oder aber um Algen-Panna Cotta ging – das Ziel bestand darin, dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich mit den Themen Landwirtschaft, Umwelt und der Zukunft unserer Ernährung auseinanderzusetzen.

Die Besucher, wurden auf ihrer Reise durch die Kulturen des Planeten aber auch dazu animiert, über die Widersprüche unserer heutigen Welt nachzudenken. Während 870 Millionen Menschen unterernährt sind, werden pro Jahr gleichzeitig 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel verschwendet.

Wie können wir die uns zur Verfügung stehenden Nahrungsmittelressourcen besser nutzen? Wie können wir die existierenden Technologien so einsetzen, dass eine Balance zwischen Verfügbarkeit und Konsum der Ressourcen entsteht? Von was werden wir uns ernähren, wenn die konventionellen Proteinquellen versiegt oder zu teuer geworden sind?

«Supermarkt der Zukunft»

Im «Supermarkt der Zukunft» experimentierten Experten auf der Expo mit veränderten Präsentationen von Lebensmitteln sowie mit einer grösseren Transparenz in Geschäften. So wurden die Gerichte beispielsweise in niedrigen Ständen zur Schau gestellt, die an Basare unter freiem Himmel erinnerten. Vom einen Ende der riesigen Halle konnte man bis an deren Ende sehen – und nahm somit natürlich auch alle darin befindlichen Menschen und Güter wahr.

Die Idee bestand darin, den Supermarkt wieder zu einem Treffpunkt zu machen, an dem es nicht nur um Nahrungsmittel, sondern vielmehr um Menschen geht. Ein Ort, der nicht nur zum Konsum, sondern auch zum Gespräch einlädt. Wichtige Informationen über das Produkt werden auf digitalen Bildschirmen zur Verfügung gestellt: von den Ursprüngen, über die Kalorien und das im Prozess ausgestossene Kohlenstoffdioxid, bis hin zum Baum oder der Pflanze, auf der es gewachsen ist.

Baku, Samarkand – und Mailand

Die Mailänder Expo ist auf verschiedenste Weisen der perfekte Ort, die neunmonatige Reise entlang der Seidenstrasse im Rahmen der CNN Serie zu einem Ende zu bringen. Vor Jahrhunderten kamen Händler an Handelszentren wie Baku oder Samarqand zusammen.

Heute treffen sie sich auf Expos, der ultimativen Manifestation des kulturellen und wirtschaftlichen Gedankenaustauschs. Auf diese Weise werden Millionen Menschen zusammengeführt, Ideen geteilt, Innovationen gefördert, Handel wird vorangetrieben und – vielleicht der wichtigste Punkt – die Basis zukünftiger Entwicklungen wird gelegt.

Alles ist darauf zugeschnitten, zu vereinen und Neugier zu schüren. Anders als über das Internet, kann man auf der Weltausstellung richtige Unterhaltungen mit richtigen Menschen aus aller Welt führen und wahrhaftige Erfahrungen machen. Man kann selbstverständlich Google befragen, wie ein Krokodil- oder Zebra-Burger aus Simbabwe aussieht, doch hier auf der Expo kann man ihn auch probieren und schmecken.

The Silk Road in Venedig:

The Silk Road in Como:

CNN International Korrespondentin Sumnima Udas bereist jeden Monat ein anderes Land entlang der Seidenstrasse. In dem 30-minütigen Format wird die moderne Welt in den historischen Kontext gestellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Microsite und unter #CNNSilkRoad. Diese Kolumne lesen Sie in der Schweiz exklusiv auf handelszeitung.ch.

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