03.11.2010 | 05:30
INTERNET-AUFTRITT
Von:
Madeleine Stäubli-Roduner
Foto:
HZ-Montage
 

Geburt der papierlosen Bilanz

Georg Fischer ist die Überraschung im Test der Homepages der 500 grössten Schweizer Firmen. Trotzdem überarbeitet der Konzern seine Webpräsenz. Sie bekommt in der Kommunikation eine zentrale Stellung.

Nebenartikel:

Den Geschäftsbericht 2011 werden wir noch einmal klassisch drucken, dann gehen wir über die Bücher»: Urs Frei, Kommunikationschef von Georg Fischer, befasst sich seit Wochen vermehrt mit dem Thema der Digitalisierung und stellt fest: «Der Wechsel zu Online-Geschäftsberichten hat einen Hype-Charakter angenommen.»

Die Verschiebung zu Online-Kommunikation bei Geschäftsberichten liegt laut Edition Renteria voll im Trend. Der Zürcher Medienfachverlag hat eben sein jährliches Website-Ranking veröffentlicht und dabei einmal mehr die Internetseiten der 500 grössten Schweizer Unternehmen durchleuchtet. Das Fazit: «Kommunika-tion wird auch im Finanzbereich mobil», sagt Hannes Zaugg, Geschäftsführer von Renteria. Immer drängender werde der Wunsch von Investoren, Unternehmensinformationen online zu erhalten und mobil - etwa auf dem iPad - abrufen zu können.

Das neue Werkzeug

Noch vor wenigen Jahren habe die Schweizer Börse unter «Publikation des Geschäftsberichts» selbstverständlich die Herausgabe einer gedruckten Auflage verstanden. Demnächst akzeptiere die SIX die Einreichung signierter und paraphierter Ausdrucke von Zwischenberichten und Geschäftsberichten anstelle gedruckter Publikationen.

Als nächsten Schritt erwartet Bernhard Schweizer, Präsident der Jury-Kommission zum Online-Ranking, dass kotierte Unternehmen ihre Geschäftsberichte über das neue Reporting-Tool Connexor der Börse einzureichen hätten. Daher erstaune nicht, dass etliche Firmen ihre Zwischenberichte bereits nur noch online publizierten und erste Unternehmen dies auch bei den Geschäftsberichten so handhabten. Allmählich komme in der Schweiz auch die Aufbereitung der Finanzzahlen in XBRL («eXtensible Business Reporting Language»), einer Sprache, mit der elektronische Dokumente in der Finanzberichterstattung erstellt und insbesondere Jahresabschlüsse generiert werden.

Geschäftsberichte nur noch online? Diesen Schritt hat der Migros-Konzern als Vorreiter bereits vollzogen: Das jährliche Hochglanzdokument in seiner gedruckten Ausgabe gibt es nicht mehr. Das Beispiel wird Schule machen, allerdings lassen sich andere Unternehmen Zeit. «Wir haben nicht dieselben Vorgaben wie Firmen, die an einer amerikanischen Börse kotiert sind», sagt Georg-Fischer-Kommunikationschef Urs Frei.

Trotzdem ist der Schaffhauser Konzern interessiert an den neuen Kommunikationsarten. «Es gibt online viele Spielformen, wir müssen aber immer fragen, was sie genau bringen», sagt Frei. Aufgrund seiner Grösse nehme man laufend Kosten-Nutzen-Analysen vor, um abzuwägen, welche Kommunikationsform mit welchen Kosten verbunden sei. Experten haben diese verschiedentlich berechnet und stellen fest: «Ein professionell erstellter Multimedia-Geschäftsbericht kommt gleich teuer wie ein gedruckter.»

Der Konzern legt zudem grossen Wert auf die Frage: «Was will unsere Zielgruppe, welche Bedürfnisse hat sie?» Daher wird Georg Fischer den Geschäftsbericht 2011 nochmals in gewohnter Manier drucken, denn «wir haben ein klassisches Aktionariat» und daher Ansprechpersonen, die «gerne etwas in der Hand halten». Doch nächstes Jahr wird der Konzern seinen Webauftritt als umfassendes Gesamtprojekt angehen: «Wir haben den Handlungsbedarf erkannt», sagt Frei. Konkret soll die Nutzung verschiedener technologischer Plattformen koordiniert werden.

Dabei könnten sich die Macher zurücklehnen und auf ihren Lorbeeren ausruhen: Die GF-Website belegt im Ranking 2010 der Edition Renteria hinter Credit Suisse und vor der UBS den zweiten Platz. Georg Fischer, Sieger der beiden Vorjahre, führt laut Jury eine Homepage mit einer Art Portalfunktion. Sie überzeugt mit Analystenempfehlungen sowie einem Excel-Datenexport, einem Vorläufer von XBRL.

Die mustergültige Website hat aber auch eine Schwachstelle: Sie konfrontiert gemäss der siebenköpfigen Jury die User mit einem Übermass an PDF-Dateien. Tatsächlich finden sich auf georgfischer.com unzählige Daten zum Herunterladen. Dazu Frei: «Dass ein Unternehmen auf seiner Homepage immer mehr Informationen anbietet, ist eine klassische Entwicklung.» Georg Fischer habe das Angebot laufend ausgebaut, aber nie reduziert; die Obergrenze sei erreicht. Mit diesem Problem befindet sich der Konzern in guter Gesellschaft: Die meisten Unternehmen haben im Lauf der Zeit immer mehr Informationen auf ihre Homepage gepropft, was zu Datenfriedhöfen führt.

Nichtkotierte als Schlusslichter

Den ersten Platz des Rankings belegt die Credit Suisse mit einer klar strukturierten Informationspalette. Die Homepage der UBS auf Platz drei bezeichnet die Jury als «funktional sehr gut». Sie sei aber verunsichert worden durch die Farbgebung, welche sehr an die Konkurrenz erinnere. Die Jury bemängelte zudem das Fehlen von Analystenschätzungen und die Verfügbarkeit in sämtlichen Sprachen.

Was die Schlusslichter des Ratings angelangt, publiziert die Edition Renteria keine Namen. Grundsätzlich sind es laut Zaugg nichtbörsenkotierte Unterneh-men, die punkto Investor Relations wenig Informationen bieten. Ein Vertreter der Gruppe ist die Migros-Bank. Sprecher Albert Steck: «Als nichtkotiertes Unternehmen mit dem Migros-Genossenschafts-Bund als einzigem Aktionär richten wir unsere Homepage nicht auf Investor Relations aus, sondern wenden uns an die Kunden.» Dass Renteria künftig die Benutzerfreundlichkeit gewichtet, eröffnet der Migros-Bank im nächsten Ranking reelle Chancen auf einen guten Platz.

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Name Kurs +/- +/- %
15.33 0.44 2.93
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Name Kurs +/- +/- %
30.03 0.92 3.16
11.72 0.32 2.76
15.00 0.40 2.74
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