«Geheime Weltregierung» tagt in St. Moritz

Es ist ein von Verschwörungstheorien umranktes Treffen der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik: Die 
«Bilderberg-Konferenz» findet ab Donnerstag in St. Moritz statt. Die Einwohner werden davon nicht

VonReto Vasella
07.06.2011

Im diskreten Luxushotel «Suvretta-House»  bei St. Moritz, einer der wohl teuersten Immobilien der Schweiz, dort wo die prächtigen Villen von so sagenhaft reichen Berühmtheiten wie Onassis oder dem ehemaligen Schah von Persien stehen, tagt ab Donnerstag die 
«Bilderberg-Konferenz». Hier treffen sich die Mächtigen der Welt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alljährlich findet die Konferenz an einem anderen Ort statt.

Was dieses Geheimtreffen genau ist, bleibt Ansichtssache. Für die einen ist es eine Art «Weltregierung», für andere wiederum ist es schlicht ein überholter, elitärer Gesprächszirkel.

Klar dabei ist jedenfalls: Bei den Teilnehmern handelt es sich um rund 130 äusserst einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, die hier aber als Privatpersonen auftreten.Wer genau dabei ist, erfährt man erst nach Abschluss des Treffens.

Die Konferenz findet bereits zum fünften Mal in der Schweiz statt, letztmals tagten die Bilderberger 1995 auf dem Bürgenstock, hoch über dem Vierwaldstättersee. Den Namen «Bilderberg» verdankt der Zirkel dem gleichnamigen Hotel im holländischen Oosterbeek. Dort versammelte sich 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande zum ersten Mal eine Gruppe von Persönlichkeiten, um die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA zu stärken.

Nichts wird bestätigt

Der Club der Bilderberger mag es diskret, Informationen dringen praktisch keine nach aussen. Mit dieser Geheimniskrämerei tragen sie selber zu ihrem eigenen Mythos bei, Teil einer verschworenen Superelite zu sein, die die Geschicke der Welt im Geheimen lenkt.

So wird bezeichnenderweise nicht einmal bestätigt, dass das Treffen ab diesem Donnerstag in St. Moritz im «Suvretta-House» überhaupt stattfindet. Das Luxus-Hotel sagt auf Anfrage nur, dass das Haus erst am 25. Juni öffne, also genau zwei Wochen nach Ende der Veranstaltung.

Hingegen bestätigt die Bündner Justizdirektorin Barbara Janom Steiner, dass sie zusammen mit Regierungspräsident Martin Schmid zu eben dieser Konferenz, die eigentlich gar nicht stattfindet, eingeladen worden sei. Darüber hinaus ist der Kanton Graubünden zuständig für den Schutz von völkerrechtlich geschützten Personen, die offiziell gar nicht teilnehmen.

Die Einwohner von St. Moritz werden vom Treffen wahrscheinlich nicht sehr viel mitbekommen. So wird es im Dorf selber keine Verkehrsbehinderungen oder Sperren geben. Einzig mit einer erhöhten Frequenz von Privatjets am Flughafen Samedan bei der An- und Abreise und einem vermehrten Aufkommen von verdunkelten Limousinen dürfte zu rechnen sein. Dies ist jedoch für die Bündner Luxusdestination nicht etwas wirklich Spezielles.

Gegenveranstaltungen von Junger SVP bis Juso

Damit sich der Elite-Club dennoch nicht von der Öffentlichkeit komplett unbemerkt treffen kann, dafür sorgen verschiedenen Gegenveranstaltungen. 
So ist nicht weit vom «Suvretta-House» im Hotel «Randolins» am Freitagabend unter dem Titel «Freie Schweiz wohin?» eine Informationsveranstaltung über die Bilderberger und ihren Einfluss geplant. Mitgetragen wird diese Veranstaltung von der Jungen SVP und es treten dort die beiden SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Pirmin Schwander auf. Unter den SVP-Mitgliedern finden sich scharfe Kritiker der Bilderberger.

Der jurassische Nationalrat Dominique Baettig schiesst seit Monaten aus allen Rohren und reichte eine Interpellation zur Konferenz ein. Darüber hinaus hat Baettig mehrere kantonale Staatsanwälte aufgefordert, verschiedene mögliche Teilnehmer wegen früherer politischer Machenschaften bei einer allfälligen Schweizer Einreise verhaften zu lassen, so unter anderen den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Die SVP-Politiker stören sich daran, dass im stillen Kämmerlein Weltpolitik gemacht werde. Weniger zu stören scheint sie, dass der SVP-Übervater Christoph Blocher schon mehrmals am Geheimtreffen dabei war.

Am Samstag kommt es dann zu einer Gegenverantstaltung der anderen Seite des politischen Spektrums. Die Juso ruft zu einer bewilligten Kundgebung, einem «Demokratiekongress» mit dem Motte: «Mensch vor Markt - Mehr Demokratie wagen» auf dem St. Moritzer Dorfplatz auf.  Dabei sind die Vorsitzenden der Juso Schweiz und Graubünden als Redner angekündigt, die gegen die selbst ernannte Elite protestieren wollen.

(cms/tno)
 

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Im diskreten Luxushotel «Suvretta-House»  bei St. Moritz, einer der wohl teuersten Immobilien der Schweiz, dort wo die prächtigen Villen von so sagenhaft reichen Berühmtheiten wie Onassis oder dem ehemaligen Schah von Persien stehen, tagt ab Donnerstag die 
«Bilderberg-Konferenz». Hier treffen sich die Mächtigen der Welt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alljährlich findet die Konferenz an einem anderen Ort statt.

Was dieses Geheimtreffen genau ist, bleibt Ansichtssache. Für die einen ist es eine Art «Weltregierung», für andere wiederum ist es schlicht ein überholter, elitärer Gesprächszirkel.

Klar dabei ist jedenfalls: Bei den Teilnehmern handelt es sich um rund 130 äusserst einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, die hier aber als Privatpersonen auftreten.Wer genau dabei ist, erfährt man erst nach Abschluss des Treffens.

Die Konferenz findet bereits zum fünften Mal in der Schweiz statt, letztmals tagten die Bilderberger 1995 auf dem Bürgenstock, hoch über dem Vierwaldstättersee. Den Namen «Bilderberg» verdankt der Zirkel dem gleichnamigen Hotel im holländischen Oosterbeek. Dort versammelte sich 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande zum ersten Mal eine Gruppe von Persönlichkeiten, um die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA zu stärken.

Nichts wird bestätigt

Der Club der Bilderberger mag es diskret, Informationen dringen praktisch keine nach aussen. Mit dieser Geheimniskrämerei tragen sie selber zu ihrem eigenen Mythos bei, Teil einer verschworenen Superelite zu sein, die die Geschicke der Welt im Geheimen lenkt.

So wird bezeichnenderweise nicht einmal bestätigt, dass das Treffen ab diesem Donnerstag in St. Moritz im «Suvretta-House» überhaupt stattfindet. Das Luxus-Hotel sagt auf Anfrage nur, dass das Haus erst am 25. Juni öffne, also genau zwei Wochen nach Ende der Veranstaltung.

Hingegen bestätigt die Bündner Justizdirektorin Barbara Janom Steiner, dass sie zusammen mit Regierungspräsident Martin Schmid zu eben dieser Konferenz, die eigentlich gar nicht stattfindet, eingeladen worden sei. Darüber hinaus ist der Kanton Graubünden zuständig für den Schutz von völkerrechtlich geschützten Personen, die offiziell gar nicht teilnehmen.

Die Einwohner von St. Moritz werden vom Treffen wahrscheinlich nicht sehr viel mitbekommen. So wird es im Dorf selber keine Verkehrsbehinderungen oder Sperren geben. Einzig mit einer erhöhten Frequenz von Privatjets am Flughafen Samedan bei der An- und Abreise und einem vermehrten Aufkommen von verdunkelten Limousinen dürfte zu rechnen sein. Dies ist jedoch für die Bündner Luxusdestination nicht etwas wirklich Spezielles.

Gegenveranstaltungen von Junger SVP bis Juso

Damit sich der Elite-Club dennoch nicht von der Öffentlichkeit komplett unbemerkt treffen kann, dafür sorgen verschiedenen Gegenveranstaltungen. 
So ist nicht weit vom «Suvretta-House» im Hotel «Randolins» am Freitagabend unter dem Titel «Freie Schweiz wohin?» eine Informationsveranstaltung über die Bilderberger und ihren Einfluss geplant. Mitgetragen wird diese Veranstaltung von der Jungen SVP und es treten dort die beiden SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Pirmin Schwander auf. Unter den SVP-Mitgliedern finden sich scharfe Kritiker der Bilderberger.

Der jurassische Nationalrat Dominique Baettig schiesst seit Monaten aus allen Rohren und reichte eine Interpellation zur Konferenz ein. Darüber hinaus hat Baettig mehrere kantonale Staatsanwälte aufgefordert, verschiedene mögliche Teilnehmer wegen früherer politischer Machenschaften bei einer allfälligen Schweizer Einreise verhaften zu lassen, so unter anderen den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Die SVP-Politiker stören sich daran, dass im stillen Kämmerlein Weltpolitik gemacht werde. Weniger zu stören scheint sie, dass der SVP-Übervater Christoph Blocher schon mehrmals am Geheimtreffen dabei war.

Am Samstag kommt es dann zu einer Gegenverantstaltung der anderen Seite des politischen Spektrums. Die Juso ruft zu einer bewilligten Kundgebung, einem «Demokratiekongress» mit dem Motte: «Mensch vor Markt - Mehr Demokratie wagen» auf dem St. Moritzer Dorfplatz auf.  Dabei sind die Vorsitzenden der Juso Schweiz und Graubünden als Redner angekündigt, die gegen die selbst ernannte Elite protestieren wollen.

(cms/tno)
 

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