Novartis-Chef Jimenez: «Dramatische Preisentwicklung»

Die Schuldenkrise setzt auch der Pharmaindustrie zu: Novartis-CEO Joe Jimenez sieht sich deshalb in gewissen Ländern wenig motiviert, die Verkaufsorganisationen auszubauen.

03.01.2013

In Europa hat sich der Preisdruck intensiviert. In zahlreichen Gesundheitssystemen werden die Preise für Pharmaprodukte ziemlich drastisch gekürzt. Vor diesem Hintergrund setzt Novartis-CEO Joseph Jimenez auf den Dialog mit Exponenten der Gesundheitsorganisationen und will aufzeigen, wie sich mit Produkten des Konzerns die gesamten Gesundheitskosten verringern lassen, wie der CEO in einem Interview mit «The Wall Street Journal» sagt.

Innerhalb des Konzerns habe er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 die Zeit gesenkt, die für interne Prozesse verwendet werde sowie begonnen, vom einem transaktionalen Geschäftsmodell zu einem ergebnisorientierten Ansatz zu wechseln.

Ergebnisorientierter Ansatz

Unternehmen wie Novartis würden künftig für das Behandlungsergebnis bezahlt und nicht mehr für den Verkauf von Pillen. «Daran glaube ich wirklich», so Konzern-Chef Jimenez. Novartis habe mit dem Wechsel von einem Transaktionsmodell zu einem ergebnisorientierten Ansatz bereits begonnen. So hätten Gesundheitsorganisationen in zahlreichen europäischen Ländern beispielsweise ein grosses Interesse an einem solchen Modell für das Knochengewebe-Medikament Aclasta gezeigt.

Seine Zuversicht begründet CEO Jimenez mit dem «intensiven finanziellen Druck», unter dem zahlreiche Gesundheitssysteme weltweit zu leiden haben. Die Organisationen würden daher lieber für einen Patienten bezahlen, bei dem die Medikamente auch wirken. Mehr und mehr Zahler würden für das Ergebnis bezahlen wollen, so der CEO weiter.

«Gesamte Kosten betrachten»

Vor allem in Europa habe sich der Preisdruck wegen der Schuldenkrise intensiviert, sagt Jimenez weiter. In den Gesundheitssystemen würden die Preise «ziemlich dramatisch» gekürzt. Der Konzern sei im Dialog mit «gewissen» Regierungen und zeige auf, dass mit arbiträren Kürzungen der Zugang zu gewissen Medikamenten beschränkt werde. «Wir stoppen die Lieferungen von lebenswichtigen Medikamenten nicht, aber Preiskürzungen motivieren uns nicht dazu, die Verkaufsorganisation auszubauen», so Jimenez.

Die Medikamentenkosten machen gemäss Jimenez nur gerade 10 Prozent der Gesundheitskosten aus, 90 Prozent entfallen auf Aufwendungen für Spitäler, Ärzte und Pflege. In vielen Fällen verhinderten die Medikamente des Konzerns, dass ein Patient ins Spital müsse. Deshalb würden Gesundheitsorganisationen dazu aufgefordert, vor Preiskürzungen die gesamten Kosten zu betrachten.

Im Weiteren schaue der Konzern nicht nur auf die traditionellen Wachstumsmärkte wie China, Russland, Brasilien oder Indien. Man konzentriere sich auch auf Afrika; vor allem die Subsahara-Region werde ein sehr starker Wachstumsmarkt sein. Dies vielleicht noch nicht in den kommenden fünf Jahren, aber bis in 15 Jahren, heisst es weiter.

Generell müsse die Pharmabranche mehr Mittel für die Forschung und Entwicklung aufwenden und weniger für die Verkaufs- und Marketingorganisationen, so Jimenez weiter.

(vst/chb/awp)

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In Europa hat sich der Preisdruck intensiviert. In zahlreichen Gesundheitssystemen werden die Preise für Pharmaprodukte ziemlich drastisch gekürzt. Vor diesem Hintergrund setzt Novartis-CEO Joseph Jimenez auf den Dialog mit Exponenten der Gesundheitsorganisationen und will aufzeigen, wie sich mit Produkten des Konzerns die gesamten Gesundheitskosten verringern lassen, wie der CEO in einem Interview mit «The Wall Street Journal» sagt.

Innerhalb des Konzerns habe er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 die Zeit gesenkt, die für interne Prozesse verwendet werde sowie begonnen, vom einem transaktionalen Geschäftsmodell zu einem ergebnisorientierten Ansatz zu wechseln.

Ergebnisorientierter Ansatz

Unternehmen wie Novartis würden künftig für das Behandlungsergebnis bezahlt und nicht mehr für den Verkauf von Pillen. «Daran glaube ich wirklich», so Konzern-Chef Jimenez. Novartis habe mit dem Wechsel von einem Transaktionsmodell zu einem ergebnisorientierten Ansatz bereits begonnen. So hätten Gesundheitsorganisationen in zahlreichen europäischen Ländern beispielsweise ein grosses Interesse an einem solchen Modell für das Knochengewebe-Medikament Aclasta gezeigt.

Seine Zuversicht begründet CEO Jimenez mit dem «intensiven finanziellen Druck», unter dem zahlreiche Gesundheitssysteme weltweit zu leiden haben. Die Organisationen würden daher lieber für einen Patienten bezahlen, bei dem die Medikamente auch wirken. Mehr und mehr Zahler würden für das Ergebnis bezahlen wollen, so der CEO weiter.

«Gesamte Kosten betrachten»

Vor allem in Europa habe sich der Preisdruck wegen der Schuldenkrise intensiviert, sagt Jimenez weiter. In den Gesundheitssystemen würden die Preise «ziemlich dramatisch» gekürzt. Der Konzern sei im Dialog mit «gewissen» Regierungen und zeige auf, dass mit arbiträren Kürzungen der Zugang zu gewissen Medikamenten beschränkt werde. «Wir stoppen die Lieferungen von lebenswichtigen Medikamenten nicht, aber Preiskürzungen motivieren uns nicht dazu, die Verkaufsorganisation auszubauen», so Jimenez.

Die Medikamentenkosten machen gemäss Jimenez nur gerade 10 Prozent der Gesundheitskosten aus, 90 Prozent entfallen auf Aufwendungen für Spitäler, Ärzte und Pflege. In vielen Fällen verhinderten die Medikamente des Konzerns, dass ein Patient ins Spital müsse. Deshalb würden Gesundheitsorganisationen dazu aufgefordert, vor Preiskürzungen die gesamten Kosten zu betrachten.

Im Weiteren schaue der Konzern nicht nur auf die traditionellen Wachstumsmärkte wie China, Russland, Brasilien oder Indien. Man konzentriere sich auch auf Afrika; vor allem die Subsahara-Region werde ein sehr starker Wachstumsmarkt sein. Dies vielleicht noch nicht in den kommenden fünf Jahren, aber bis in 15 Jahren, heisst es weiter.

Generell müsse die Pharmabranche mehr Mittel für die Forschung und Entwicklung aufwenden und weniger für die Verkaufs- und Marketingorganisationen, so Jimenez weiter.

(vst/chb/awp)

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