Rolf Dörigs Probleme mit der Swiss Life

Seit Jahren steht die frühere Rentenanstalt in den Schlagzeilen. Nach der Umwandlung zur AG ist vieles schiefgelaufen. Doch Rolf Dörig rechtfertigt den umstrittenen Kauf des AWD.

02.12.2012

Diese Woche zog der Versicherer Swiss Life mit einem Wertberichtigung von 576 Millionen Franken und der Umbenennung der Sparte einen Schlussstrich unter das Kapitel AWD. Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» zeigen, dass dieser Schritt bereits im Frühling absehbar war.

Fraglich ist, wie lange der frühere AWD noch unabhängig auftreten kann, denn die Näher zum Mutterkonzern wird immer deutlicher. Bereits heute stamme jedes vierte vermittelte Vorsorgeprodukt von der Swiss Life, sagt Remo Weibel, Leiter von Swiss Life Select Schweiz im Interview mit dem «Sonntag».

Eingefädelt wurde die Übernahme durch den damaligen Deutschland-Chef Manfred Behrens. CEO Dörig war von Anfang an hell begeistert. Sekundiert wurde er von vom Finanzchef und heutigen CEO Bruno Pfister, der zunächst eher skeptisch gegenüber dem Geschäft eingestellt war. Die Verhandlungen erwiesen sich als schwierig, wie Zeitgenossen heute erzählen. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer machte schnell klar, dass er sein Lebenswerk nur als Ganzes verkaufen wolle. Geschickt verstand er es, Druck auszuüben. Das Begehren von Swiss Life, eine vertiefte Buchprüfung von AWD einzuleiten, wischte Maschmeyer mit der Drohung vom Tisch, das Unternehmen sonst einem anderen zu verkaufen. Dörig schluckte das.

Dörig würde wieder kaufen

Trotz des aktuellen Millionenabschreibers hält Swiss-Life-Chef Bruno Pfister die Akquisition des Finanzprodukteverkäufers AWD noch heute für richtig. Den Preis, den Swiss Life damals gezahlt hatte, bezeichnet er mittlerweile allerdings als zu hoch.

«Heute würde ich nicht denselben Preis bezahlen», sagte Pfister im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Zusätzlich zum Börsenwert habe man damals die übliche Prämie bezahlt - «basierend auf den Plänen, die wir hatten». Doch diese hätten sich nicht verwirklicht: «Das ist ärgerlich, enttäuschend - aber strategisch war der Kauf richtig», so der Konzernchef.

Pfister räumte gegenüber der Zeitung ein, dass die Probleme mit der Sorgentochter AWD zu Problemen bei der Rekrutierung von Beratern geführt hatten. Das Image des Unternehmens habe vor allem wegen der Klagen in Deutschland und Österreich gelitten.

«Das Wort AWD war für Berufseinsteiger nicht mehr attraktiv», sagte Pfister. Alle anderen Vertriebe von Swiss Life hätten diese Rekrutierungsprobleme nicht gehabt.

Dörig: Kein Rücktritt

Ebenso wie der Konzernchef bedauert der Verwaltungsratspräsident von Swiss Life, Rolf Dörig, den Abschreiber über 576 Mio. Franken. «Die Wertminderung ärgert mich und trifft mich persönlich stark», sagte er zur «SonntagsZeitung». Insbesondere, weil er als früherer Konzernchef «einer der Hauptverantwortlichen» für den AWD-Kauf war. Einen Rücktritt habe er jedoch stets ausgeschlossen.

Dörig verneint die Frage, ob er sich bei den Übernahmeverhandlungen von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer habe blenden lassen. Auch habe man genügend Zeit für die Bewertung von AWP erhalten.

Dass es dennoch zu dem grossen Abschreiber kam, liege an der falschen Beurteilung der Situation: «Wir müssen uns eingestehen, dass wie die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt hatten.»

(chb/sda)

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Diese Woche zog der Versicherer Swiss Life mit einem Wertberichtigung von 576 Millionen Franken und der Umbenennung der Sparte einen Schlussstrich unter das Kapitel AWD. Recherchen der Zeitung «Der Sonntag» zeigen, dass dieser Schritt bereits im Frühling absehbar war.

Fraglich ist, wie lange der frühere AWD noch unabhängig auftreten kann, denn die Näher zum Mutterkonzern wird immer deutlicher. Bereits heute stamme jedes vierte vermittelte Vorsorgeprodukt von der Swiss Life, sagt Remo Weibel, Leiter von Swiss Life Select Schweiz im Interview mit dem «Sonntag».

Eingefädelt wurde die Übernahme durch den damaligen Deutschland-Chef Manfred Behrens. CEO Dörig war von Anfang an hell begeistert. Sekundiert wurde er von vom Finanzchef und heutigen CEO Bruno Pfister, der zunächst eher skeptisch gegenüber dem Geschäft eingestellt war. Die Verhandlungen erwiesen sich als schwierig, wie Zeitgenossen heute erzählen. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer machte schnell klar, dass er sein Lebenswerk nur als Ganzes verkaufen wolle. Geschickt verstand er es, Druck auszuüben. Das Begehren von Swiss Life, eine vertiefte Buchprüfung von AWD einzuleiten, wischte Maschmeyer mit der Drohung vom Tisch, das Unternehmen sonst einem anderen zu verkaufen. Dörig schluckte das.

Dörig würde wieder kaufen

Trotz des aktuellen Millionenabschreibers hält Swiss-Life-Chef Bruno Pfister die Akquisition des Finanzprodukteverkäufers AWD noch heute für richtig. Den Preis, den Swiss Life damals gezahlt hatte, bezeichnet er mittlerweile allerdings als zu hoch.

«Heute würde ich nicht denselben Preis bezahlen», sagte Pfister im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Zusätzlich zum Börsenwert habe man damals die übliche Prämie bezahlt - «basierend auf den Plänen, die wir hatten». Doch diese hätten sich nicht verwirklicht: «Das ist ärgerlich, enttäuschend - aber strategisch war der Kauf richtig», so der Konzernchef.

Pfister räumte gegenüber der Zeitung ein, dass die Probleme mit der Sorgentochter AWD zu Problemen bei der Rekrutierung von Beratern geführt hatten. Das Image des Unternehmens habe vor allem wegen der Klagen in Deutschland und Österreich gelitten.

«Das Wort AWD war für Berufseinsteiger nicht mehr attraktiv», sagte Pfister. Alle anderen Vertriebe von Swiss Life hätten diese Rekrutierungsprobleme nicht gehabt.

Dörig: Kein Rücktritt

Ebenso wie der Konzernchef bedauert der Verwaltungsratspräsident von Swiss Life, Rolf Dörig, den Abschreiber über 576 Mio. Franken. «Die Wertminderung ärgert mich und trifft mich persönlich stark», sagte er zur «SonntagsZeitung». Insbesondere, weil er als früherer Konzernchef «einer der Hauptverantwortlichen» für den AWD-Kauf war. Einen Rücktritt habe er jedoch stets ausgeschlossen.

Dörig verneint die Frage, ob er sich bei den Übernahmeverhandlungen von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer habe blenden lassen. Auch habe man genügend Zeit für die Bewertung von AWP erhalten.

Dass es dennoch zu dem grossen Abschreiber kam, liege an der falschen Beurteilung der Situation: «Wir müssen uns eingestehen, dass wie die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt hatten.»

(chb/sda)

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