Zürich (awp) - Nachfolgend eine Auswahl von Artikeln zu wirtschaftsrelevanten Themen aus der Presse vom Wochenende:
ABB: ABB-CEO Joe Hogan warnt in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Vorabdruck 23.4.) vor einem Scheitern der Energiewende in Deutschland. "Je länger Deutschland mit dem Ausbau des Stromnetzes zögert, desto grösser ist die Gefahr, dass die gesamte Energiewende scheitert". Allen Beteiligten sei offenbar noch nicht klar, welche zentrale Bedeutung die Netze für den Erfolg der Energiewende hätten. Im Bereich Steuerungstechniken kündigte Hogan gegenüber dem "Handelsblatt" kleinere Zukäufe an. Zuletzt hatte der Konzern die Übernahme des US-Anbieters Thomas & Betts für knapp 4 Mrd USD angekündigt.
BÂLOISE: Der Versicherer Bâloise bereitet gemäss einem Pressebericht ein neues Sparprogramm vor, während das bisherige noch nicht abgeschlossen ist. Das neue Programm soll im März 2013 bekannt gegeben werden, schreibt die "SonntagsZeitung" in ihrer neuen Ausgabe (22.4.). In Revision sei auch das derzeit geltende Ziel einer Kapitalrendite (ROE) von 15%. "Wir erarbeiten die Eckpunkte des strategischen Wurfes für die nächsten Jahre", wird Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt in der "SoZ" zitiert. Kein Interesse zeigt der neue VR-Präsident an einer Fusion oder an Übernahmen.
BANKGEHEIMNIS: Der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür will am Bankgeheimnis festhalten. Er stehe zu 100 Prozent hinter dem Bankgeheimnis als Schutz der Privatsphäre der Bankkunden, sagte er im Interview mit der "NZZ am Sonntag" (NZZaS, Ausgabe 22.4.).Das Bankgeheimnis sei Ausdruck eines fundamentalen Prinzips des helvetischen Rechtsstaates: des Schutzes der Privatsphäre, zu der auch die finanzielle Privatsphäre gehöre, sagte Thür. Der Datenschützer präzisiert allerdings: "Genau jene, die das Prinzip in Anspruch nehmen, haben es mit ihrem Geschäftsmodell ad absurdum geführt." Den automatischen Informationsaustausch lehnt Thür entschieden ab. "Wenn der Staat in jedem Bürger einen potentiellen Steuerhinterzieher sieht, dann traut er seinen Bürgern nicht mehr."
ENERGIEPOLITIK: Bundesrätin Doris Leuthard sieht sich nach dem beschlossenen Atomausstieg vielen neuen energiepolitischen Baustellen gegenüber. Im Betrieb von Gaskombikraftwerken sieht sie keinen Widerspruch zur Klimapolitik des Bundesrates, wie sie in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ, Ausgabe 21.4.) sagte. Für das Klima sei es nicht relevant, ob die Reduktion der Emissionen hier oder im Ausland erfolge, sagte Leuthard. Die Nutzung von Erdgas im Wärmebereich soll aber in den nächsten Jahrzehnten reduziert werden. Beim Ausbau der Wasserkraft verlangt die Energieministerin von den Kantonen, dass sie Zonen für die Energienutzung ausscheiden, um Konflikte zwischen Schutz und Nutzen zu klären. Bei einer grossräumigen Planung könne man sich besser einigen, als wenn über einzelne Projekte gestritten werde.
ENERGIEPOLITIK: Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer lässt an der Energiepolitik der Landesregierung kein gutes Haar. Anstatt transparent aufzuzeigen, dass der Atomausstieg zu schmerzhaften Eingriffen führe, versuche man in homöopathischen Dosen Erkenntnisse offenzulegen, sagte der Präsident des Wirtschaftsdachverbandes in einem Interview mit dem "Sonntag" (Ausgabe 22.4.). Ihm sei schleierhaft, wie es beim Betrieb von Gaskraftwerken keine negativen Effekte für das Klima geben soll. Eine Reduktion des Energieverbrauchs erachte er mit Blick auf das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum als "nicht plausibel". Immerhin habe der Bundesrat vergangene Woche zu erkennen gegeben, dass die Kosten für einen Atomausstieg wesentlich höher sein werden, als im letzten Mai dargelegt. "Die Zahlen werden sicherlich am Schluss noch viel höher ausfallen."
ENERGIEPOLITIK: Für Axpo-Chef Heinz Karrer ist es dem Bundesrat gelungen, in seinen Energiezielen bis 2050 Vision und Pragmatismus zu kombinieren, wie er in einem Interview mit dem "SonntagsBlick" (Ausgabe 22.4.) sagte. 2050 sei aber noch sehr weit weg. Ob die Axpo ihre beiden AKW-Blöcke in Beznau schon 2020 vom Netz nehme, ist für Karrer eine Frage der Sicherheit. Wenn sie 2017 nicht mehr als sicher bezeichnet würden, kämen sie vom Netz. Wenn sie noch sicher seien, würden sie "hoffentlich weiterbetrieben". Die Axpo müsse jede Option durchdenken. Man investiere weiter in Beznau, bereite aber auch den möglichen Bau eines Gaskraftwerkes vor. Diesen Investitionsentscheid müsse die Axpo jedoch nicht heute, sondern frühestens 2017 fällen.
KÜHNE+NAGEL: Klaus-Michael Kühne, der Hauptaktionär und ehemalige VR-Präsident des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, erwartet einen zunehmenden Wettbewerb im Logistikmarkt. Immer mehr interessierte Kreise bemerkten, dass die Logistik ein interessantes Geschäft sei und würden in diesen Markt drängen, ob das jetzt Chinesen oder Araber seien, sagte Kühne in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (Ausgabe 21.4.). Einer Fusion oder einer grossen Übernahme durch Kühne+Nagel, um die Nummer eins der Welt zu werden, kann Kühne wenig abgewinnen. "Wir fühlen uns als Nummer drei ganz wohl." Das Unternehmen wolle aus eigener Kraft deutlich wachsen. Das Thema einer Fusion mit dem Schweizer Konkurrenten Panalpina sei "in früheren Jahren" einige Male an Kühne+Nagel herangetragen worden. Der damalige Verwaltungsratspräsident von Panalpina, Gerhard Fischer, habe das gerne gewollt. Eine grosse Fusion mache aber wenig Sinn, so Kühne.
MIGROS: Der Chef des Detailhändlers Migros, Herbert Bolliger, sieht im Einkaufstourismus kein Ärgernis. Konsumenten sollen dort einkaufen können, wo sie möchten, sagte er im Interview mit der "BaZ am Sonntag" (Ausgabe 22.4.). Die Konsumenten müssten sich aber der langfristigen Auswirkungen bewusst sein: "Arbeitsplätze wandern ins Ausland ab". Ausserdem müssten grenznahe Betriebe Arbeitspensen abbauen. Ein Stellenabbau sei bei der Migros nicht geplant, auch erwäge der Konzern keine Schliessungen von Filialen in grenznahen Gebieten. Zufrieden zeigte sich Bolliger mit dem ersten Quartal. "Wir liegen rund ein Prozent über dem Vorjahr. Real, also mit der Sortimentsverbilligung, beträgt das Wachstum sogar 3 Prozent."
STEUERSTREIT: Die US-Justiz hat offenbar wegen unversteuerten Vermögen nun auch eine Genfer Privatbank im Visier. Ein Staatsanwältin aus Arizona nenne in einer Klageschrift gegen einen US-Vermögensverwalter eine "Swiss Bank A" mit undeklarierten Konten reicher Amerikaner, schreibt die "SonntagsZeitung" (Ausgabe 22.4.). Dabei solle es sich um eine der grössten partnerschaftlich organisierten Privatbanken der Schweiz handeln.
STEUERSTREIT: Die Kantonalbank von Zürich und Basel haben gemäss einem Bericht der NZZ am Sonntag (NZZaS, Ausgabe 22.4.) den US-Behörden in den vergangenen Tagen Namen von Angestellten und von externen Vermögensverwaltern geschickt. Die Banken hätten sich dazu nicht äussern wollen, so die NZZaS. Auch die Credit Suisse und Julius Bär hätten bereits Mitarbeiternamen übermittelt oder stünden kurz davor. Die beiden Kantonalbanken stünden in den USA "kurz vor einer Anklage", schreibt die Zeitung "Sonntag" (22.4.) unter Berufung auf einen US-Anwalt.
Wie der "Sonntag" weiter schreibt, hat der Credit Suisse-Manager Walter Berchtold, ehemals Leiter der CS-Vermögensverwaltung, im vergangenen August mit anwaltlicher Unterstützung vor den US-Strafbehörden ausgesagt. Im Gegenzug seien ihm freies Geleit und Straffreiheit zugesagt worden, berichtet die Zeitung.
UBS: Die Angriffe auf das Schweizer Bankgeheimnis sind für den UBS-Chef Sergio Ermotti nichts anderes als ein Wirtschaftskrieg. Die Schweiz werde seit 2008 attackiert, sagt er in einem Interview mit der "SonntagsZeitung" (SoZ, Ausgabe 22.4.). Ziel sei es, den Finanzplatz zu schwächen. Es gehe darum, die zwei Schweizer Grossbanken, die international erfolgreich sind, zu schwächen. Dies müsse einmal gesagt werden, meint Ermotti. Nicht nur ausländische Politiker hätten ein Interesse an den Angriffen auf die Schweiz, sondern auch "unsere Konkurrenten". Viele Politiker unterschätzten zudem die wirtschaftlichen Folgen der "Kehrtwende" für den Finanzplatz und die Schweiz. Ermotti rechnet damit, dass in den nächsten Jahren auf dem Schweizer Finanzplatz 20 Prozent der Jobs, "also rund 20'000 Arbeitsplätze", verloren gehen.
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