UBS-Jobabbau: «Das werden auch andere Branchen spüren»

Die UBS streicht in der Schweiz 2500 Stellen. Hans-Peter Portmann, FDP-Kantonsrat und Präsidiumsmitglied des Zürcher Bankenverbands, spricht im Interview über die Folgen für den Finanzplatz und für an

VonTobias Keller (Interview)
31.10.2012

Die UBS baut in der Schweiz rund 2500 Stellen ab. Überrascht?
Hans-Peter Portmann: Nein. Nach der Krise von 2008 hat man mit rund 20'000 Bankenjobs gerechnet, die verloren gehen. Es waren dann rund 5000 und jetzt kommen nochmals einige dazu. Es ist nicht verwunderlich, dass jetzt mit den neuen Regulierungen die Banken über die Bücher mussten, um zu sehen, wie sie Eigenmittel erwirtschaften können. Was wir jetzt sehen, ist eine traurige aber eine logische Folge davon.

Was bedeutet der Abbau von Stellen im Bankensektor für den Standort Schweiz?
Der Finanzplatz und seine Zulieferer machen indirekt rund ein Viertel des volkwirtschaftlichen Aufkommens der Schweiz aus. Jeder Abbau bedeutet, dass die anderen Branchen das auch spüren werden. Im Kanton Zürich sagt man, dass an jedem Bankenarbeitsplatz zwei weitere aus anderen Branchen hängen. In der Schweiz ist es etwa eins zu eins. Wenn man das nicht auffangen kann, dann wäre dies langfristig ein volkswirtschaftlichs Desaster.

Sind Bundesrat und Parlament mit den Regulationen rund um die Banken zu weit gegangen? Sind die Banken zu fest eingeschränkt?
«Es schläckt kei Geiss wäg», die Schweiz hat die schärfsten Regulierungen weltweit und setzt  diese auch kompromislos um. Andere Länder reden immer nur davon und setzen es dann nie so um, wie es angekündigt wurde. Kurzfristig ist das für die Schweizer Branche ein Wettbewerbsnachteil. Doch längerfristig bedeutet das Schweizer Model Qualität und Sicherheit, was zu unserem Vorteil werden könnte. Ich bin überzeugt: Der Schweizer Bankenbranche kann mit einer starken Kapitalbasis eine Renaissance gelingen.

Die Rahmenbedingungen in der Schweiz für die Finanzbranche sind streng. Sie sagen, kurzfristig sei das ein Wettbewerbsnachteil. Wie kam es dazu?
Man sieht an diesem Beispiel sehr gut, was passiert, wenn eine Branche das politische Lobbying für ein, zwei Jahrzehnte vernachlässigt. Dies weil sie sich globalisiert hat und  sich auch ohne Heimmarkt sehr gut entwickeln konnte. Andere Branchen wie die Landwirtschaft  oder die Exportbranche machen es den Banken vor. Es besteht hier dringend Nachholbedarf. Die Finanzbranche hat es weltweit in guten Zeiten verpasst, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen und gegenüber der Gesellschaft die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Selbstkritik?
Ja, dazu stehe ich. Man war zu wenig auf den Heimmarkt angewiesen und hat zu wenig gesehen, dass in einer Krise nur der Heimatmarkt einen stützen kann und dass schliesslich auch der Heimmarkt die Bedingungen diktieren wird. Die Musik hat zu lange an einem anderen Ort gespielt, darum hat man den Rettungsanker zu Hause aus den Augen verloren und steht jetzt nackt da. 

Hans-Peter Portmann ist Bankdirektor bei LGT Schweiz und Mitglied des Präsidiums des Zürcher Bankenverbands. Für die FDP sitzt er im Zürcher Kantonsrat.

 

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30.10.2012

Die UBS baut in der Schweiz rund 2500 Stellen ab. Überrascht?
Hans-Peter Portmann: Nein. Nach der Krise von 2008 hat man mit rund 20'000 Bankenjobs gerechnet, die verloren gehen. Es waren dann rund 5000 und jetzt kommen nochmals einige dazu. Es ist nicht verwunderlich, dass jetzt mit den neuen Regulierungen die Banken über die Bücher mussten, um zu sehen, wie sie Eigenmittel erwirtschaften können. Was wir jetzt sehen, ist eine traurige aber eine logische Folge davon.

Was bedeutet der Abbau von Stellen im Bankensektor für den Standort Schweiz?
Der Finanzplatz und seine Zulieferer machen indirekt rund ein Viertel des volkwirtschaftlichen Aufkommens der Schweiz aus. Jeder Abbau bedeutet, dass die anderen Branchen das auch spüren werden. Im Kanton Zürich sagt man, dass an jedem Bankenarbeitsplatz zwei weitere aus anderen Branchen hängen. In der Schweiz ist es etwa eins zu eins. Wenn man das nicht auffangen kann, dann wäre dies langfristig ein volkswirtschaftlichs Desaster.

Sind Bundesrat und Parlament mit den Regulationen rund um die Banken zu weit gegangen? Sind die Banken zu fest eingeschränkt?
«Es schläckt kei Geiss wäg», die Schweiz hat die schärfsten Regulierungen weltweit und setzt  diese auch kompromislos um. Andere Länder reden immer nur davon und setzen es dann nie so um, wie es angekündigt wurde. Kurzfristig ist das für die Schweizer Branche ein Wettbewerbsnachteil. Doch längerfristig bedeutet das Schweizer Model Qualität und Sicherheit, was zu unserem Vorteil werden könnte. Ich bin überzeugt: Der Schweizer Bankenbranche kann mit einer starken Kapitalbasis eine Renaissance gelingen.

Die Rahmenbedingungen in der Schweiz für die Finanzbranche sind streng. Sie sagen, kurzfristig sei das ein Wettbewerbsnachteil. Wie kam es dazu?
Man sieht an diesem Beispiel sehr gut, was passiert, wenn eine Branche das politische Lobbying für ein, zwei Jahrzehnte vernachlässigt. Dies weil sie sich globalisiert hat und  sich auch ohne Heimmarkt sehr gut entwickeln konnte. Andere Branchen wie die Landwirtschaft  oder die Exportbranche machen es den Banken vor. Es besteht hier dringend Nachholbedarf. Die Finanzbranche hat es weltweit in guten Zeiten verpasst, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen und gegenüber der Gesellschaft die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Selbstkritik?
Ja, dazu stehe ich. Man war zu wenig auf den Heimmarkt angewiesen und hat zu wenig gesehen, dass in einer Krise nur der Heimatmarkt einen stützen kann und dass schliesslich auch der Heimmarkt die Bedingungen diktieren wird. Die Musik hat zu lange an einem anderen Ort gespielt, darum hat man den Rettungsanker zu Hause aus den Augen verloren und steht jetzt nackt da. 

Hans-Peter Portmann ist Bankdirektor bei LGT Schweiz und Mitglied des Präsidiums des Zürcher Bankenverbands. Für die FDP sitzt er im Zürcher Kantonsrat.

 

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