Briten verzögern Beschluss zu Basel III

16 Stunden Verhandlungen haben nicht gereicht: Die EU-Finanzminister müssen sich in zwei Wochen nochmals mit der Umsetzung schärferer Eigenkapitalvorschriften befassen. Grossbritannien stellte sich ge

03.05.2012

Grossbritannien und Schweden hatten das Lager der Länder angeführt, die mehr Handlungsfreiheit für ihre nationalen Aufsichtsbehörden forderten. Sie wollen von den Banken im Fall einer systemweiten Krise verlangen, mehr Kapital zum Schutz vor Verlusten beiseite zu legen als nach Basel III vorgeschrieben. Die Steuerzahler sollen so vor neuen Rettungsaktionen für die Banken bewahrt werden.

Deutschland, Frankreich und andere Staaten wollten das nur zulassen, wenn die Extra-Kapitalpuffer von der EU-Kommission genehmigt werden. Damit soll verhindert werden, dass die schärferen Standards in einem Land zu Problemen in anderen EU-Staaten führen.

Höhere Quoten in einem der Haupt-Bankenländer könnte die dort ansässigen Grossbanken dazu veranlassen, sich aus anderen EU-Ländern zurückzuziehen. Darunter würden nach Ansicht von Experten vor allem osteuropäische Staaten leiden, in denen ein Grossteil der Branche von ausländischen Banken dominiert wird.

Fortschritte - aber kein Entscheid

Um die sogenannten Basel-III-Regeln wird im Grundsatz nicht mehr gestritten. Diese schreiben vor, dass Banken bis 2019 ihr hartes Kernkapital von 2 auf 7 Prozent anheben. Damit soll die Lehre aus der Finanzkrise von 2008 gezogen werden, als die Pleite der Lehman-Bank die Branche weltweit zum Beben brachte und milliardenschwere Rettungspakete notwendig machte.

«Wir haben einen riesigen Fortschritt gemacht», sagte die dänische Ressortchefin und amtierende EU-Ratspräsidentin Margrethe Vestager am frühen Donnerstagmorgen. Bei der Marathonsitzung über den 600-seitigen Text seien immerhin «20 Probleme» geklärt worden. Nach Angaben des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble bleiben «ein paar ganz kleine Restpunkte, über die noch verhandelt wird».

Theoretisch hätten die anderen Minister die Briten überstimmen können, da für die Einigung nur eine qualifizierte Mehrheit notwendig war. Doch die dänische EU-Ratspräsidentschaft und wohl auch die meisten anderen Staaten wollten Grossbritannien bei der wichtigsten Neuregelung für den Bankensektor nach der Finanzkrise nicht vor den Kopf stossen.

Kompromissvorschlag

Der letzte Kompromissvorschlag der Dänen sieht eine Stufenlösung vor, wie Vestager erklärte: Die EU-Länder können ihren Banken zusätzliche Kapitalpolster von bis zu 3 Prozent für alle (auch grenzüberschreitenden) Geschäfte vorschreiben.

Bis zu 5 Prozent sollten erlaubt sein, wenn nur inländische Geschäfte betroffen sind. Wollen Grossbritannien oder Schweden aber Puffer über 3 Prozent hinaus verlangen, die auch für Filialen oder Aktivitäten in anderen EU-Ländern gelten, dann müsste dies bei Vorbehalten eines anderen Staates in einem Schiedsverfahren beschlossen werden.

Zeitlich befristete Polster, etwa zur Absicherung von Immobilienblasen, könnten von der EU-Kommission oder europäischen Bankenaufsehern beanstandet und daraufhin vom Finanzministerrat gestoppt werden.

Die Grundsatz-Einigung soll nun beim nächsten Ministertreffen am 15. Mai erreicht werden. Danach werden die Verhandlungen mit dem EU-Parlament aufgenommen, das bei der Gesetzgebung mitentscheidet. Am Donnerstag äusserten sich EU-Parlamentsabgeordnete unterschiedlicher Parteien kritisch zum «Flickenteppich an Sonderregeln», den sie so nicht akzeptieren würden.

Umsetzung in der Schweiz

In der Schweiz ist Basel III ein Aspekt des Massnahmenpakets «too big to fail» für systemrelevante Banken. Auf den 1. März hat der Bundesrat die entsprechenden Änderungen im Bankengesetz in Kraft gesetzt.

Unter dem Regime von Basel-III und zusätzlichen Schweizer Auflagen müssen die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS bis Ende 2018 eine Eigenkapitalquote von 19 Prozent erreichen. So sollen sie in Zukunft auch bei schweren Markteinbrüchen ohne staatliche Unterstützung über die Runden kommen.

(chb/aho/sda)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Grossbritannien und Schweden hatten das Lager der Länder angeführt, die mehr Handlungsfreiheit für ihre nationalen Aufsichtsbehörden forderten. Sie wollen von den Banken im Fall einer systemweiten Krise verlangen, mehr Kapital zum Schutz vor Verlusten beiseite zu legen als nach Basel III vorgeschrieben. Die Steuerzahler sollen so vor neuen Rettungsaktionen für die Banken bewahrt werden.

Deutschland, Frankreich und andere Staaten wollten das nur zulassen, wenn die Extra-Kapitalpuffer von der EU-Kommission genehmigt werden. Damit soll verhindert werden, dass die schärferen Standards in einem Land zu Problemen in anderen EU-Staaten führen.

Höhere Quoten in einem der Haupt-Bankenländer könnte die dort ansässigen Grossbanken dazu veranlassen, sich aus anderen EU-Ländern zurückzuziehen. Darunter würden nach Ansicht von Experten vor allem osteuropäische Staaten leiden, in denen ein Grossteil der Branche von ausländischen Banken dominiert wird.

Fortschritte - aber kein Entscheid

Um die sogenannten Basel-III-Regeln wird im Grundsatz nicht mehr gestritten. Diese schreiben vor, dass Banken bis 2019 ihr hartes Kernkapital von 2 auf 7 Prozent anheben. Damit soll die Lehre aus der Finanzkrise von 2008 gezogen werden, als die Pleite der Lehman-Bank die Branche weltweit zum Beben brachte und milliardenschwere Rettungspakete notwendig machte.

«Wir haben einen riesigen Fortschritt gemacht», sagte die dänische Ressortchefin und amtierende EU-Ratspräsidentin Margrethe Vestager am frühen Donnerstagmorgen. Bei der Marathonsitzung über den 600-seitigen Text seien immerhin «20 Probleme» geklärt worden. Nach Angaben des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble bleiben «ein paar ganz kleine Restpunkte, über die noch verhandelt wird».

Theoretisch hätten die anderen Minister die Briten überstimmen können, da für die Einigung nur eine qualifizierte Mehrheit notwendig war. Doch die dänische EU-Ratspräsidentschaft und wohl auch die meisten anderen Staaten wollten Grossbritannien bei der wichtigsten Neuregelung für den Bankensektor nach der Finanzkrise nicht vor den Kopf stossen.

Kompromissvorschlag

Der letzte Kompromissvorschlag der Dänen sieht eine Stufenlösung vor, wie Vestager erklärte: Die EU-Länder können ihren Banken zusätzliche Kapitalpolster von bis zu 3 Prozent für alle (auch grenzüberschreitenden) Geschäfte vorschreiben.

Bis zu 5 Prozent sollten erlaubt sein, wenn nur inländische Geschäfte betroffen sind. Wollen Grossbritannien oder Schweden aber Puffer über 3 Prozent hinaus verlangen, die auch für Filialen oder Aktivitäten in anderen EU-Ländern gelten, dann müsste dies bei Vorbehalten eines anderen Staates in einem Schiedsverfahren beschlossen werden.

Zeitlich befristete Polster, etwa zur Absicherung von Immobilienblasen, könnten von der EU-Kommission oder europäischen Bankenaufsehern beanstandet und daraufhin vom Finanzministerrat gestoppt werden.

Die Grundsatz-Einigung soll nun beim nächsten Ministertreffen am 15. Mai erreicht werden. Danach werden die Verhandlungen mit dem EU-Parlament aufgenommen, das bei der Gesetzgebung mitentscheidet. Am Donnerstag äusserten sich EU-Parlamentsabgeordnete unterschiedlicher Parteien kritisch zum «Flickenteppich an Sonderregeln», den sie so nicht akzeptieren würden.

Umsetzung in der Schweiz

In der Schweiz ist Basel III ein Aspekt des Massnahmenpakets «too big to fail» für systemrelevante Banken. Auf den 1. März hat der Bundesrat die entsprechenden Änderungen im Bankengesetz in Kraft gesetzt.

Unter dem Regime von Basel-III und zusätzlichen Schweizer Auflagen müssen die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS bis Ende 2018 eine Eigenkapitalquote von 19 Prozent erreichen. So sollen sie in Zukunft auch bei schweren Markteinbrüchen ohne staatliche Unterstützung über die Runden kommen.

(chb/aho/sda)

Meistgelesen

Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Umstrittener Internet-Millionär greift sich Gewerkschafts-Villa
Immobilien

Der deutsche Tauschbörsen-Millionär Christian Alexander Schmid der Rapidshare AG kauft eine weitere Villa in der Schweiz. Der Deal steht im Schatten eines Strohmann-Geschäfts. Mehr...

VonChristian Bütikofer
03.04.2013
Gold droht der Fall unter die 1000 Dollar
Szenario

Die Erholung nach dem Crash scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Ein Rohstoffexperte der Credit Suisse sieht das Edelmetall nun vor einem noch drastischeren Preissturz. Mehr...

17.05.2013
Abercrombie & Fitch: Die extravaganten Wünsche des Chefs
Modemarke

Die Stewards von Abercrombie-&-Fitch-Chef Michael Jeffries müssen in Boxershorts arbeiten, das Silberbesteck nur mit schwarzen Handschuhen anfassen und ihn mit einem Phil-Collins-Song begrüssen. Mehr...

22.10.2012
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
US-Banken verwundbarer als gedacht
Hacker

Die Cyber-attacken auf mehrere US-Banken richteten wenig Schaden an. Sie könnten sich aber als Vorbereitung für gefährlicherer Aktionen herausstellen. Mehr...

18.05.2013
Rang 10: Indien
Währungsreserven

Der Goldpreis korrigierte in den letzten Monaten kräftig nach unten, die Prognosen bleiben schlecht. Für die zehn Länder mit den grössten Goldreserven sind das unerfreuliche Neuigkeiten. Mehr...

18.05.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen* Lesen

Stadler-Rail-Chef zieht Klage gegen Alstom zurück. Lesen

Mövenpick eröffnet neues Restaurant in Zürich. Lesen

Aebi Schmidt schielt nach Weissrussland. Lesen

«EU darf Schweiz nicht wie Malaysia behandeln». Lesen

Orell Füssli: Neue Banknoten an der Grenze des Machbaren. Lesen

Die besten Online-Shops der Schweiz. Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...