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BVB-Anschlag: Das war der Plan des Terror-Spekulanten

Raffgier

Ein Verbraucherkredit und viel Habsucht: Der Deutsch-Russe Sergej W. wollte die Profis des BVB töten, um selbst zu kassieren. Er plante die Tat bereits Monate im Voraus.

VonMarc Iseli
21.04.2017
Diskussion
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BVB (Borussia Dortmund)
OneYear
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Das Motiv für das Attentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist Ermittlern zufolge Habgier. Der festgenommene Verdächtige Sergej W. (28) soll vor der Tat sogenannte Put-Optionen gekauft haben, um aus einem Kursverfall der BVB-Aktie Gewinn zu schlagen. Sergej W. ist aufgeflogen, weil ein Bankmitarbeiter die Transaktion der Polizei gemeldet hat. Es bestand der Verdacht auf Geldwäsche. Den Kauf soll über einen Verbraucherkredit finanziert worden sein.

Über Put-Optionen erwirbt sich ein Anleger das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Den Behörden zufolge kaufte der mutmassliche Attentäter am 11. April insgesamt 15'000 Put-Optionen im Gesamtwert von 78'000 Euro. Der Kauf sei über die Internet-Adresse des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund erfolgt. Dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Er soll explizit nach einem Zimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort verlangt haben. Mit den gekauften Put-Optionen hätte Sergej W. bis zu 4 Millionen Euro verdienen können, schreiben deutsche Medien.

Terroristisches Neuland

Einen derartigen Manipulationsversuch gab es noch nie. Put-Optionen dienen in der Regel als eine Art Depotabsicherung in turbulenten Börsenphasen. Optionen gehören zu den sogenannten Derivaten. Derivate verfügen meist über einen Hebel – im Börsenjargon Leverage genannt.

Wer seine Aktien im Depot gegen Kursverluste absichern will, kann dies mit derartigen Hebelpapieren tun. Besteht etwa ein Depot vor allem aus Schweizer Standardaktien, könnten Put-Optionsscheine auf den SMI sinnvoll sein. Wenn die einzelnen Titel verlieren, dämmt der Optionsschein  die Verluste ein.

Bis ins Detail geplant

Sergej W. hatte die Tat minutiös geplant. Den Kredit nahm er Anfang April auf. Das Hotelzimmer bezog er bereits am 9. April – also zwei Tage vor dem Anschlag. Als er das Zimmer gebucht hat, stand noch nicht fest, gegen wen der BVB im Champions-League-Viertelfinal spielen wird und ob das Team im Hin- oder Rückspiel Heimrecht geniessen wird. Sergej W. reservierte sich deshalb auch für die Woche vom 16. bis 20. April 2017 ein Zimmer.

Der Deutsch-Russe platzierte drei Sprengsätze auf einer Länge von 12 Metern – zwei am Boden, einen in einer Höhe von etwa einem Meter. Die Sprengsätze, so die Behörden, seien «zeitlich optimal» und separat von einander per Funk gezündet worden.

Metallstifte in der Bombe

Die Bomben seien mit Metallstiften bestückt gewesen, heisst es weiter. Die Metallstifte sind etwa 70 Millimeter lang, haben einen Durchmesser von 6 Millimeter und ein Gewicht von etwa 15 Gramm. Ein Metallstift hat sich in eine Kopfstütze innerhalb des Mannschaftsbuses gebohrt, ein weiterer wurd noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden.

Als die Sprengsätze detonierten, fuhr er mit einer Geschwindigkeit von etwa 23 Stundenkilometern. Der Bus war mit Sicherheitsglas ausgestattet. Die Borussen hatten Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Durch die Höhe entfaltete die dritte Bombe nicht die volle Wirkung. So wurde einzig BVB-Abwehrspieler Marc Bartra verletzt. Ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma. Sergej W. muss sich nun wegen 20-fachen versuchten Mordes, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Erleichterung beim BVB

Der Verein und die Bundesregierung reagierten erleichtert auf die Festnahme. «Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte», sagten BVB-Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Der Fall zeige, dass die Anstrengungen im Kampf gegen jede Form von Kriminalität mit vollem Einsatz fortgesetzt werden müssten, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. «Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv.»

Drei Bekennerschreiben

Bislang war unklar, welches Motiv hinter der Tat steckt. Die Behörden hatten erklärt, sie ermittelten in alle Richtungen und schlossen auch einen islamistischen oder rechtsextremen Hintergrund nicht aus. Am Tatort waren drei Bekennerschreiben gefunden worden, die auf radikalislamische Motive verwiesen. «Die Bekennung wurde islamwissenschaftlich geprüft», hiess es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft vom Freitag. «Danach bestehen an einem radikal-islamistischen Ursprung erhebliche Zweifel.» Auch Bekennerschreiben, die am 13. April bei deutschen Medien eingegangen waren und auf einen rechtsextremen Hintergrund verwiesen, stammten wohl nicht vom mutmasslichen Täter, hiess es weiter. 

Kurz nach der Tat war ein 26-jähriger Iraker festgenommen worden, gegen ihn erging Haftbefehl. Dem Iraker wirft der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor. Mit dem Anschlag habe er aber nichts zu tun, hatte die Behörde zudem mitgeteilt.

(Mit Material von Reuters und SDA)

 

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