Fast 30 Verletzte bei Bombenserie in der Ukraine

Bei Bombenanschlägen in der Ukraine sind mindestens 29 Menschen verletzt worden. Wochen vor der Fussball-EM im Land sieht die Europäische Fussball-Union Uefa keinen Anlass für zusätzliche Sicherheitsm

27.04.2012

Sechs Wochen vor Beginn der Fussball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie die Ukraine erschüttert. Innerhalb weniger Minuten detonierten am Freitag vier Bomben an belebten Plätzen der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk, aus der die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko stammt.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kiew wurden mindestens 29 Menschen verletzt, darunter 10 Kinder. 5 der Opfer seien Schwerverletzte. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Terroranschlag.

Als erstes explodierte an einer Strassenbahnhaltestelle ein Sprengkörper, der in einem Abfalleimer versteckt war. Kurz darauf ereigneten sich laut Polizei mindestens drei weitere Explosionen, unter anderem am Bahnhof und nahe der Oper der 1,1 Millionen Einwohner zählenden Stadt.

Kein Bekennerschreiben

Augenzeugen berichteten im Internet von Panik und tumultartigen Szenen. Das Mobilfunknetz der viertgrössten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Ein fünfter Sprengsatz wurde laut Innenministerium entschärft.

Hinweise auf die Täter gab es zunächst nicht. Es habe weder Anschlagsdrohungen noch ein Bekennerschreiben gegeben, hiess es.

Präsident Viktor Janukowitsch beauftragte den Geheimdienst SBU und das Innenministerium mit der sofortigen Untersuchung der Explosionen. «Wir werden die richtige Antwort geben», betonte der Staatschef.

Uefa: Keine neue Sicherheitsmassnahmen

Die Ukraine ist vom 8. Juni an zusammen mit Polen Gastgeber der Fussball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk ist kein Austragungsort der Fussball-EM. Die Europäische Fussball-Union Uefa sah zunächst keine unmittelbare Veranlassung zu neuen EM-Sicherheitsmassnahmen.

Die Regierung in Kiew steht wegen des Umgangs mit Oppositionellen unter internationalem Druck. Vor allem die Behandlung der wegen Amtsmissbrauchs verurteilten und an einem Bandscheibenvorfall leidenden Julia Timoschenko hat Proteststürme ausgelöst.

Timoschenkos Gesundheit verschlechtert

Die politische Lage hatte sich in der Ukraine zugespitzt, nachdem Timoschenko über Misshandlungen im Gefängnis geklagt hatte. Die Korruptions-Prozesse gegen sie und andere Mitglieder der früheren Regierung sind in ihren Augen Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen.

Timoschenko hatte erklärt, sie sei in den Bauch geschlagen und aus dem Bett gezerrt worden. Die Justizbehörden wiesen dies zurück. Aus Protest trat sie in einen Hungerstreik. Sie sitzt eine siebenjährige Haftstrafe ab, weitere Verfahren wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betrugs stehen noch aus.

(tno/sda)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Sechs Wochen vor Beginn der Fussball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie die Ukraine erschüttert. Innerhalb weniger Minuten detonierten am Freitag vier Bomben an belebten Plätzen der ostukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk, aus der die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko stammt.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kiew wurden mindestens 29 Menschen verletzt, darunter 10 Kinder. 5 der Opfer seien Schwerverletzte. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Terroranschlag.

Als erstes explodierte an einer Strassenbahnhaltestelle ein Sprengkörper, der in einem Abfalleimer versteckt war. Kurz darauf ereigneten sich laut Polizei mindestens drei weitere Explosionen, unter anderem am Bahnhof und nahe der Oper der 1,1 Millionen Einwohner zählenden Stadt.

Kein Bekennerschreiben

Augenzeugen berichteten im Internet von Panik und tumultartigen Szenen. Das Mobilfunknetz der viertgrössten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Ein fünfter Sprengsatz wurde laut Innenministerium entschärft.

Hinweise auf die Täter gab es zunächst nicht. Es habe weder Anschlagsdrohungen noch ein Bekennerschreiben gegeben, hiess es.

Präsident Viktor Janukowitsch beauftragte den Geheimdienst SBU und das Innenministerium mit der sofortigen Untersuchung der Explosionen. «Wir werden die richtige Antwort geben», betonte der Staatschef.

Uefa: Keine neue Sicherheitsmassnahmen

Die Ukraine ist vom 8. Juni an zusammen mit Polen Gastgeber der Fussball-Europameisterschaft. Dnjepropetrowsk ist kein Austragungsort der Fussball-EM. Die Europäische Fussball-Union Uefa sah zunächst keine unmittelbare Veranlassung zu neuen EM-Sicherheitsmassnahmen.

Die Regierung in Kiew steht wegen des Umgangs mit Oppositionellen unter internationalem Druck. Vor allem die Behandlung der wegen Amtsmissbrauchs verurteilten und an einem Bandscheibenvorfall leidenden Julia Timoschenko hat Proteststürme ausgelöst.

Timoschenkos Gesundheit verschlechtert

Die politische Lage hatte sich in der Ukraine zugespitzt, nachdem Timoschenko über Misshandlungen im Gefängnis geklagt hatte. Die Korruptions-Prozesse gegen sie und andere Mitglieder der früheren Regierung sind in ihren Augen Schauprozesse, um die Opposition mundtot zu machen.

Timoschenko hatte erklärt, sie sei in den Bauch geschlagen und aus dem Bett gezerrt worden. Die Justizbehörden wiesen dies zurück. Aus Protest trat sie in einen Hungerstreik. Sie sitzt eine siebenjährige Haftstrafe ab, weitere Verfahren wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betrugs stehen noch aus.

(tno/sda)

Meistgelesen

Umstrittener Internet-Millionär greift sich Gewerkschafts-Villa
Immobilien

Der deutsche Tauschbörsen-Millionär Christian Alexander Schmid der Rapidshare AG kauft eine weitere Villa in der Schweiz. Der Deal steht im Schatten eines Strohmann-Geschäfts. Mehr...

VonChristian Bütikofer
03.04.2013
Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Gold droht der Fall unter die 1000 Dollar
Szenario

Die Erholung nach dem Crash scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Ein Rohstoffexperte der Credit Suisse sieht das Edelmetall nun vor einem noch drastischeren Preissturz. Mehr...

17.05.2013
Raubkopien

Interne Dokumente zeigen: Der Verband der Musikindustrie Ifpi ist trotz Erfolgen vor Gericht weitgehend machtlos gegen den Dateispeicherdienst Rapidshare. Die Gründe dafür liegen in der Schweiz. Mehr...

VonChristian Bütikofer
05.02.2012
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
Hedgfonds

Die Papiere des Techkonzerns brachen im ersten Quartal massiv ein. Hedgefonds stiessen den Titel im grossen Stil ab. Nun ist bekannt, wer wie viel ver- und welcher Kritiker kräftig dazukaufte. Mehr...

VonReto Vasella
16.05.2013
Abercrombie & Fitch: Die extravaganten Wünsche des Chefs
Modemarke

Die Stewards von Abercrombie-&-Fitch-Chef Michael Jeffries müssen in Boxershorts arbeiten, das Silberbesteck nur mit schwarzen Handschuhen anfassen und ihn mit einem Phil-Collins-Song begrüssen. Mehr...

22.10.2012

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen* Lesen

Stadler-Rail-Chef zieht Klage gegen Alstom zurück. Lesen

Mövenpick eröffnet neues Restaurant in Zürich. Lesen

Aebi Schmidt schielt nach Weissrussland. Lesen

«EU darf Schweiz nicht wie Malaysia behandeln». Lesen

Orell Füssli: Neue Banknoten an der Grenze des Machbaren. Lesen

Die besten Online-Shops der Schweiz. Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...