Schweiz bietet dem IWF weitere Milliarden an

Der Bundesrat ist bereit, dem Internationalen Währungsfonds im Kampf gegen die Wirtschafts- und Schuldenkrise einen «substanziellen Beitrag» in Milliardenhöhe zu leisten. Er stellt allerdings Bedingun

19.04.2012

An der geplanten, zeitlich befristeten Aufstockung der Mittel des IWF müssten sich im Rahmen einer konzertierten Aktion wichtige Gläubigerländer beteiligen, teilten die Bundesbehörden am Donnerstag mit. Zudem stehe ein Schweizer Beitrag unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die Eidgenössischen Räte.

Für die Schweizer Wirtschaft sei die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems von grosser Bedeutung, hält der Bundesrat vor dem Hintergrund der weiterhin akuten Frankenstärke und dem international ausgerichteten Schweizer Finanzplatz fest.

Der IWF dringt auf eine ausserordentliche Aufstockung seiner Mittel, um einen stärkeren Schutzwall gegen eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu errichten. Angestrebt wird ein Betrag von mindestens 400 Milliarden Dollar.

Verhandlungstaktik

Wie hoch der Schweizer Beitrag ausfallen könnte, sagte Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF), nicht. Auf Nachfrage bestätigte er, es gehe um Milliarden. Die Höhe hänge von den Gesprächen an der Frühjahrestagung von IWF und Weltbank am Freitag und Samstag in Washington und der Bereitschaft wichtiger Gläubigerländer ab.

Die Schweizer Delegation in Washington wird von Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf geleitet. Der Delegation gehören auch Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Thomas Jordan an, der am Mittwoch vom Bundesrat definitiv zum neuen Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ernannt worden ist.

Machtkampf

Neben der Mittelaufstockung wird die Stimmrechtsverteilung im IWF zentrales Thema der Tagung sein. Schwellenländer fordern mehr Gewicht, die Schweiz will ihren Sitz im 24-köpfigen IWF-Exekutivrat sichern.

Für die Mittelaufstockung wird wichtig sein, inwiefern sich die grossen Schwellenländer beteiligen. Insbesondere das Schwergewicht USA will selbst keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Allerdings sagte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch auch, es sei positiv, dass der IWF Geld schnell einsammeln könne, um «die Effekte des europäischen Traumas abzufedern, wenn nötig».

Lagarde sammelt Zusagen

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Mittwoch in Washington, sie habe für die geplante Mittelaufstockung inzwischen Zusagen im Umfang von 320 Milliarden Dollar. Bereits seit Dienstag bekannt war, dass Japan 60 Milliarden dazu beisteuern will.

«Und ich habe weitere in der Tasche», fügte sie bei einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung hinzu. Lagarde nannte namentlich den Beitrag Polens von 8 Milliarden Dollar und «einen beträchtlichen Betrag» aus der Schweiz. Am späten Donnerstag hiess es dann aus dem IWF-Sitz in Washington, «die Schweiz und andere Länder» wollten ihren Beitrag um 26 Milliarden Dollar hochfahren.

Auch die skandinavischen Länder hätten weitere Gelder zugesagt, teilte der IWF mit. 10 Milliarden Dollar kämen aus Schweden, 9,3 Milliarden aus Norwegen und 7 Milliarden aus Dänemark.

Kanada dagegen lehnte weitere Milliarden weiterhin strikt ab. Europa selbst müsse noch viel mehr leisten als es das bisher getan habe, erklärte Finanzminister Jim Flaherty laut der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zentralbankchef Mark Carney sagte zugleich, eine Brandmauer sei nicht der Schlüssel zur Lösung der Probleme.

Es gehe viel mehr darum, welche Schritte Europa selbst über einen längeren Zeitraum unternehme. Der IWF möge der Ansicht sein, dass wegen Europa mehr Geld bereit gehalten werden müsse. Aber im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer «gibt es derzeit keinen Konsens».

(aho/sda)

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An der geplanten, zeitlich befristeten Aufstockung der Mittel des IWF müssten sich im Rahmen einer konzertierten Aktion wichtige Gläubigerländer beteiligen, teilten die Bundesbehörden am Donnerstag mit. Zudem stehe ein Schweizer Beitrag unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch die Eidgenössischen Räte.

Für die Schweizer Wirtschaft sei die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems von grosser Bedeutung, hält der Bundesrat vor dem Hintergrund der weiterhin akuten Frankenstärke und dem international ausgerichteten Schweizer Finanzplatz fest.

Der IWF dringt auf eine ausserordentliche Aufstockung seiner Mittel, um einen stärkeren Schutzwall gegen eine Ausbreitung der Schuldenkrise über Europa hinaus zu errichten. Angestrebt wird ein Betrag von mindestens 400 Milliarden Dollar.

Verhandlungstaktik

Wie hoch der Schweizer Beitrag ausfallen könnte, sagte Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF), nicht. Auf Nachfrage bestätigte er, es gehe um Milliarden. Die Höhe hänge von den Gesprächen an der Frühjahrestagung von IWF und Weltbank am Freitag und Samstag in Washington und der Bereitschaft wichtiger Gläubigerländer ab.

Die Schweizer Delegation in Washington wird von Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf geleitet. Der Delegation gehören auch Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Thomas Jordan an, der am Mittwoch vom Bundesrat definitiv zum neuen Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ernannt worden ist.

Machtkampf

Neben der Mittelaufstockung wird die Stimmrechtsverteilung im IWF zentrales Thema der Tagung sein. Schwellenländer fordern mehr Gewicht, die Schweiz will ihren Sitz im 24-köpfigen IWF-Exekutivrat sichern.

Für die Mittelaufstockung wird wichtig sein, inwiefern sich die grossen Schwellenländer beteiligen. Insbesondere das Schwergewicht USA will selbst keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Allerdings sagte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch auch, es sei positiv, dass der IWF Geld schnell einsammeln könne, um «die Effekte des europäischen Traumas abzufedern, wenn nötig».

Lagarde sammelt Zusagen

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte am Mittwoch in Washington, sie habe für die geplante Mittelaufstockung inzwischen Zusagen im Umfang von 320 Milliarden Dollar. Bereits seit Dienstag bekannt war, dass Japan 60 Milliarden dazu beisteuern will.

«Und ich habe weitere in der Tasche», fügte sie bei einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung hinzu. Lagarde nannte namentlich den Beitrag Polens von 8 Milliarden Dollar und «einen beträchtlichen Betrag» aus der Schweiz. Am späten Donnerstag hiess es dann aus dem IWF-Sitz in Washington, «die Schweiz und andere Länder» wollten ihren Beitrag um 26 Milliarden Dollar hochfahren.

Auch die skandinavischen Länder hätten weitere Gelder zugesagt, teilte der IWF mit. 10 Milliarden Dollar kämen aus Schweden, 9,3 Milliarden aus Norwegen und 7 Milliarden aus Dänemark.

Kanada dagegen lehnte weitere Milliarden weiterhin strikt ab. Europa selbst müsse noch viel mehr leisten als es das bisher getan habe, erklärte Finanzminister Jim Flaherty laut der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zentralbankchef Mark Carney sagte zugleich, eine Brandmauer sei nicht der Schlüssel zur Lösung der Probleme.

Es gehe viel mehr darum, welche Schritte Europa selbst über einen längeren Zeitraum unternehme. Der IWF möge der Ansicht sein, dass wegen Europa mehr Geld bereit gehalten werden müsse. Aber im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer «gibt es derzeit keinen Konsens».

(aho/sda)

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