Timoschenko lässt sich in der Ukraine behandeln

In der Ukraine kommt es zu einer überraschenden Kehrtwende: Die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko will sich nun doch in der Heimat behandeln lassen - allerdings in Anwesenheit eines ausländisch

04.05.2012

Kehrtwende im Fall Timoschenko: Die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko will sich nun doch in der Ukraine behandeln lassen - im Beisein eines deutschen Arztes. Dies ergab am Freitag der Besuch des Chefs der Berliner Charité-Universitätsklinik bei Timoschenko.

Bisher beharrte Timoschenko auf einer Behandlung in Berlin. Nun habe Timoschenko ihre vorläufige Zustimmung erteilt, am Dienstag in ein Spital in Charkow verlegt zu werden, erklärte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Er hatte die 51-jährige Ex-Regierungschefin zusammen mit Orthopädie-Chef Norbert Haas besucht. Behandelt werden soll Timoschenko seinen Angaben zufolge von einem Arzt der Charité, der dabei von ukrainischen Medizinern unterstützt wird. Timoschenko, die seit zwei Wochen mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen protestiert, leidet an einem Bandscheibenvorfall. Timoschenkos Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert, sagte Tochter Jewgenija Timoschenko am Donnerstagabend im «ZDF».

Im Gefängnis wegen Amtsmissbrauch

Timoschenko verbüsst in Charkow eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Einhäupl hatte sie zuletzt im April im Gefängnis besucht und damals von einer Behandlung in ihrer Heimat abgeraten, weil bestimmte Therapien dort nicht möglich seien. Die ukrainische Justiz wies unterdessen Vorwürfe von Timoschenko zurück, dass im Gefängnis in Charkow Gewalt gegen sie angewendet worden sei.

Gerichtsmediziner seien zum Schluss gekommen, dass die Blutergüsse am Körper der Oppositionsführerin nicht am 20. April bei einem erzwungenen Transport in eine Klinik entstanden sein könnten. Das sagte Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka am Freitag nach Angaben örtlicher Medien in Kiew. Er deutete an, dass sich die 51-Jährige die Verletzungen selbst beigebracht haben könnte. Die Politikerin hatte aus der Zelle heraus Fotos der Blutergüsse veröffentlichen lassen und die Behörden für die Verletzungen verantwortlich gemacht.

Protest der EU-Kommission

Aus Protest gegen den Umgang mit Timoschenko will die EU-Kommission der Fussball-Europameisterschaft in der Ukraine geschlossen fernbleiben. «Kein Kommissar wird zu irgendeinem Spiel in der Ukraine gehen», sagte der Sprecher von Sportkommissarin Androulla Vassiliou am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Das zweite Ausrichterland, das EU-Mitglied Polen, sei von dieser Ankündigung ausdrücklich ausgenommen, sagte Vassilous Sprecher. Anders als die Ukraine habe sich das Nachbarland «nichts zu schulden kommen lassen».

In ihrer gemeinsamen Sitzung am Mittwoch hätten die Kommissionsmitglieder aber vereinbart, «dass keiner von ihnen eine Einladung zu einem Spiel in der Ukraine annehmen wird». Von einem «Boykott» könne indes keine Rede sein, «da dieser das gesamte Turnier betreffen würde.»

(muv/sda)

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Kehrtwende im Fall Timoschenko: Die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko will sich nun doch in der Ukraine behandeln lassen - im Beisein eines deutschen Arztes. Dies ergab am Freitag der Besuch des Chefs der Berliner Charité-Universitätsklinik bei Timoschenko.

Bisher beharrte Timoschenko auf einer Behandlung in Berlin. Nun habe Timoschenko ihre vorläufige Zustimmung erteilt, am Dienstag in ein Spital in Charkow verlegt zu werden, erklärte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Er hatte die 51-jährige Ex-Regierungschefin zusammen mit Orthopädie-Chef Norbert Haas besucht. Behandelt werden soll Timoschenko seinen Angaben zufolge von einem Arzt der Charité, der dabei von ukrainischen Medizinern unterstützt wird. Timoschenko, die seit zwei Wochen mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen protestiert, leidet an einem Bandscheibenvorfall. Timoschenkos Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert, sagte Tochter Jewgenija Timoschenko am Donnerstagabend im «ZDF».

Im Gefängnis wegen Amtsmissbrauch

Timoschenko verbüsst in Charkow eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Einhäupl hatte sie zuletzt im April im Gefängnis besucht und damals von einer Behandlung in ihrer Heimat abgeraten, weil bestimmte Therapien dort nicht möglich seien. Die ukrainische Justiz wies unterdessen Vorwürfe von Timoschenko zurück, dass im Gefängnis in Charkow Gewalt gegen sie angewendet worden sei.

Gerichtsmediziner seien zum Schluss gekommen, dass die Blutergüsse am Körper der Oppositionsführerin nicht am 20. April bei einem erzwungenen Transport in eine Klinik entstanden sein könnten. Das sagte Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka am Freitag nach Angaben örtlicher Medien in Kiew. Er deutete an, dass sich die 51-Jährige die Verletzungen selbst beigebracht haben könnte. Die Politikerin hatte aus der Zelle heraus Fotos der Blutergüsse veröffentlichen lassen und die Behörden für die Verletzungen verantwortlich gemacht.

Protest der EU-Kommission

Aus Protest gegen den Umgang mit Timoschenko will die EU-Kommission der Fussball-Europameisterschaft in der Ukraine geschlossen fernbleiben. «Kein Kommissar wird zu irgendeinem Spiel in der Ukraine gehen», sagte der Sprecher von Sportkommissarin Androulla Vassiliou am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Das zweite Ausrichterland, das EU-Mitglied Polen, sei von dieser Ankündigung ausdrücklich ausgenommen, sagte Vassilous Sprecher. Anders als die Ukraine habe sich das Nachbarland «nichts zu schulden kommen lassen».

In ihrer gemeinsamen Sitzung am Mittwoch hätten die Kommissionsmitglieder aber vereinbart, «dass keiner von ihnen eine Einladung zu einem Spiel in der Ukraine annehmen wird». Von einem «Boykott» könne indes keine Rede sein, «da dieser das gesamte Turnier betreffen würde.»

(muv/sda)

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