17.02.2012 | 16:48
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Exklusiv
Von:
Christian Bütikofer
 

1000 Polizisten, 64 Razzias: Schlag gegen Call-Center-Mafia

Deutsche Staatsanwälte holen zum Schlag gegen ein Netzwerk aus, das sich lange in Zug, Aargau und Thurgau einnistete. Mit Hilfe eigener Call-Center kamen die Hintermänner an Kontodaten ihrer Opfer, zogen Beträge ab und sackten Millionengewinne ein. Im aktuellen Fall gehen die Behörden von über 100'000 Geschädigten aus.

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An Selbstvertrauen mangelte es ihm nie: «Faustus Eberle hat eine Unternehmerkarriere absolviert, für die andere Jahrzehnte brauchen, falls sie es überhaupt schaffen», teilte das «Wirtschaftswunderkind» und «Business Angel» im Nebenamt 2007 der Welt in einer Pressmitteilung mit.

Dem dürfte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main voll zustimmen: Am Dienstag, 7. Februar, nahm sie Faustus Eberle (31) fest. Zusammen mit sieben weiteren Personen, darunter eine Frau und Eberles «rechte Hand», wurden sie alle in Untersuchungshaft gesteckt, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel gegenüber «Handelszeitung Online».

Die Justizbeamten werfen Eberles Umfeld gewerbsmässigen und bandenmässigen Betrug vor, als eine der betroffenen Firmen nennt die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main die Telomax GmbH. Das Verfahren richtet sich gegen 14 Beschuldigte zwischen 26 und 58 Jahren.

Rentner als Opfer ausgewählt

Eberle und Co. gründeten unter anderem in Pristina, Kosovo, Call-Center und telefonierten reihenweise alte Leute an. Den Opfern wurde vorgegaukelt, sie hätten etwas gewonnen. Für den Gewinn bräuchte man aber noch deren Kontodaten. Mit irreführenden Fragen wurden die Betagten dazu gebracht, einen kostenpflichtigen Vertrag einzugehen. Danach wurden die meist kleinen Beträge für diese «Mehrwertdienstleistung» unauffällig per Telefonrechnung abgebucht.

«Hoch konspiratives Netzwerk»

Die Polizei Frankfurt am Main schlug zeitgleich international zu: Während 55 Razzias in Deutschland, vier in der Schweiz und fünf Hausdurchsuchungen in Österreich sammelten die Beamten kistenweise Dokumente ein und beschlagnahmten Computer. In der Schweiz kam es zu keinen Festnahmen.

Die Aktion musste auf die Minute genau koordiniert werden, denn man habe es hier mit einem «hoch konspirativen Netzwerk» zu tun, meinte Pressesprecher Thomas Bechtel. Auch in Pristina laufen Ermittlungen, bestätigte Bechtel, allerdings wollte er sich dazu noch nicht weiter äussern.

Schaden in Millionenhöhe

Unter der Führung der Zuger Polizei fanden auch in der Schweiz vier Hausdurchsuchungen statt. Zwei in Zug im Umfeld der Firmen Europe Holding AG und der Saleshouse AG. Eine wurde im Kanton Aargau durchgeführt. Eine weitere Razzia fand im Kanton Thurgau statt, das Rückzugsgebiet des Deutschen Siegfried Soya. Neben einer anderen Person war auch er im Tatzeitraum Geschäftsführer der Frankfurter Telomax GmbH, wie Akten zeigen, die «Handelszeitung Online» vorliegen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main geht von mindestens 100'000 Geschädigten und 2,4 Millionen Euro Schaden aus, wobei davon über 800'000 Euro blockiert wurden. Das sei aber erst der Anfang, man erwarte durchaus grössere Zahlen, meinte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel gegenüber «Handelszeitung Online». Die Ermittlungen dauerten etwas mehr als ein Jahr, insgesamt beanspruchte die Aktion 1000 Polizeibeamte.

Schon früh im Kontakt mit der Justiz

Faustus Eberle brüstete sich 2007, er habe mit 19 Jahren seine erste Firma gegründet. Seine Europe Holding AG aus Zug stelle ein Portofolio von 40 Unternehmen. Unter anderem gehörte auch die DIS Deutsche Inkassostelle GmbH dazu. Sie belästigte in Deutschland tausende «Kunden» über Jahre mit nicht gerechtfertigten Forderungen für so genannte Abofallen.

Zur Gruppe Eberle, der zwischenzeitlich im Kanton Zug an der gleichen Adresse wie sein Geschäftspartner Robert Juric eine Bleibe fand, gehörten auch Person von der IFK Holding AG (ehemals IFK Institut für Konsumforschung AG). Gegen diese Firma lief 2006 ein Ermittlungsverfahren der Zuger Kriminalpolizei. Die IFK Holding ging 2008 Konkurs, dabei zog das deutsche Logistikunternehmen Rhenus einen Stiefel raus: Am Ende betrieb die Rhenus IHG GmbH & Co. KG aus Unna die IFK für über 950'000 Franken. Das zeigen Akten, die «Handelszeitung Online» vorliegen. Eine weitere Hausdurchsuchung geschah in der Vergangenheit auch bei der ehemaligen Eberle-Firma Verbraucherbund AG, die Ermittlungen blieben aber offenbar ergebnislos.

«Feinsinnig und fast schon intellektuell»

Faustus Eberle, ein grosser Fan von schnellen Autos, Golfplätzen und Reisen, gab sich in der Öffentlichkeit feinsinnig, bescheiden und «schon fast intellektuell». In seinem Geschäftsfeld, das auch unter dem Begriff «Nutzlosbranche» bekannt wurde, geht es aber auch schon mal zu wie auf der Reeperbahn: Im Januar 2008 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, Eberle habe sich vor dem Amtsgericht wegen räuberischer Erpessung verantworten müssen: Er und ein Kumpel sollen bei einem Ex-Geschäftspartner mit Schlägen 400'000 Euro eingetrieben haben. Das kann sich ein ehemaliger Geschäftspartner Eberles nicht vorstellen: «Zu mir war er immer äusserst zuvorkommend, es gab nie ein lautes Wort», meinte die Person gegenüber «Handelszeitung Online» und weiter: «Für mich wird er zu Unrecht verfolgt.»

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Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
155.80 -0.60 -0.38
54.65 -0.30 -0.55
1'709.00 -16.00 -0.93
49.05 -0.53 -1.07
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37.89 -1.03 -2.65
30.49 -0.83 -2.65
40.23 -1.14 -2.76
56.25 -2.45 -4.17
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Name Kurs +/- +/- %
75.63 0.04 0.05
23.75 -0.08 -0.31
47.38 -0.43 -0.90
52.58 -0.50 -0.94
37.91 -0.45 -1.17
29.34 -1.16 -3.79
39.32 -1.64 -3.99
MAN
78.14 -3.30 -4.05
8.39 -0.37 -4.26
14.64 -0.77 -5.00
Name Kurs +/- +/- %
14.35 0.53 3.84
14.40 0.48 3.41
25.14 -0.12 -0.46
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47.38 -0.43 -0.90
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9.50 -0.49 -4.90
4.71 -0.26 -5.14
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