06.01.2010 | 05:30
PATRICK DE MAESENEIRE
Von:
Pascal Ihle
Foto:
Bild: Zvonimir Pisonic
 

Adecco trimmt sich fit für den Aufschwung

Der CEO von Adecco hat die Krise genutzt, um den weltgrössten Personalvermittler für die Zukunft zu stärken: Durch eine Restrukturierung und zwei Übernahmen.

Vorsicht ist das oberste Gebot - in der gegenwärtigen Krise ohnehin, denn sie hat den weltgrössten Personalvermittler Adecco 2009 besonders stark getroffen. Bricht nämlich die globale Konjunktur ein, bekommt das die Branche unmittelbar zu spüren: Unternehmen, die in die Rezession schlittern, lösen innerhalb weniger Tage als erste Sofortmassnahme die temporären Arbeitsverträge auf. Daher gingen letztes Jahr in sämtlichen Märkten die Gewinne und Umsätze von Adecco zum Teil drastisch zurück, in Italien waren es im 3. Quartal beispielsweise minus 43%.

Zuversichtlicher als Mitte 2009

Patrick de Maeseneire, der im Februar 2009 den CEO-Posten von Adecco übernahm - zuvor hatte er den Schokoladeproduzenten Barry Callebaut während sieben Jahren geführt -, blickt mittlerweile etwas optimistischer in die Zukunft als noch Mitte 2009. Doch mit Prognosen hält er sich zurück. Obwohl er nochmals ein anspruchsvolles Jahr erwartet, stimmen ihn die guten Nachrichten aus den USA und Europa zur Konsumentenlage zuversichtlich. Zudem scheint das Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung zurückgekehrt, was sich in nach oben korrigierten Bruttoinlandproduktraten (BIP) für 2010 niedergeschlagen hat.

Und gerade das BIP ist für de Maeseneire eine ausschlaggebende Kerngrösse. Denn Adeccos Erfolg ist mehr an das Wirtschaftswachstum gekoppelt als an die Arbeitslosenzahlen, die im 1. Semester 2010 noch weiter ansteigen dürften. In den spätzyklischen Branchen wird der Stellenabbau weitergehen - allerdings stellen erste Industriefirmen wieder Zeitarbeiter an, wovon Adecco ebenso profitiert wie die grössten Konkurrenten Randstad und Manpower.

Wie de Maeseneire in einem Interview kürzlich festhielt, steigt in den USA und in Frankreich, den beiden wichtigsten Adecco-Märkten, die Nachfrage wieder an. Dies vor allem im Finanzbereich, in der Industrie, der Logistik, der Bauwirtschaft, im Chemiesektor und in die Automobilbranche. Auch wenn die Talsohle nach Ansicht de Maeseneires erreicht sein dürfte, ist nach wie vor unklar, wie stabil und nachhaltig die konjunkturelle Entwicklung ist.

Diese hängt 2010 massgeblich von drei Faktoren ab. Erstens vom Wirtschaftswachstum in den USA und Europa. Die positive Entwicklung im 2. Halbjahr 2009 war durch die fiskal- und geldpolitischen Massnahmen der Regierungen getrieben. Die milliardenschweren Ankurbelungspakete befreiten die westli-chen Volkswirtschaften fürs Erste aus ihrer Rezession. Nun müssen die privaten Wirtschaftsakteure in die Bresche springen und den Wirtschaftszyklus weiter ankurbeln.

Der zweite Faktor ist das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern. Diese fanden in der Krise schneller zum Wachstum zurück als die westlichen Volkswirtschaften - allen voran China und Brasilien. Längerfristig sind die Schwellenländer für Adecco sehr wichtig wegen des dortigen Binnenwachstums und der strukturellen Entwicklung. Und der dritte Faktor betrifft die Strategien der Notenbanken und Regierungen zum Ausstieg aus der expansiven Geld- und Haushaltspolitik.

Fitnessprogramm und Zukäufe

De Maeseneire weiss als Manager, dass der Erfolg des Konzerns nicht einzig von der Weltkonjunktur abhängen darf. Er hat die Krise dazu genutzt, um reinen Tisch zu machen und den in den Boomjahren schnell gewachsenen Konzern zu restrukturieren und zu entschlacken. Lokale und regionale Büros wurden zusammengelegt, administrative Funktionen konzentriert und Call-Centers ausgebaut. Zudem wurden die Betriebskosten um 21% gesenkt, und es wurden in zwölf Monaten 7500 Vollzeitstellen abgebaut.

Neben dem Fitnessprogramm hat de Maeseneire das nachgeholt, was seinem Vorgänger Dieter Scheiff mit Michael Page verwehrt blieb. Adecco hat mit der britischen Spring Group und der amerikanischen MPS Group zwei Firmen übernommen, die in der lukrativen Vermittlung höher qualifizierter Arbeitskräfte spezialisiert sind. Den Umsatzanteil des sogenannten Professional Staffing will Adecco von 17 auf rund 25% steigern. In der Branche nimmt die Fachkräftevermittlung einen Anteil von 32% ein. De Maeseneire will in diesem Jahr diese beiden Akquisitionen in den Konzern integrieren und organisch wachsen.

Indem Adecco als Frühzykliker schnell auf den plötzlichen Nachfragerückgang reagiert hat, auf die Kostenbremse getreten ist, seine Strukturen bereinigt hat und zwei strategisch sinnvolle Übernahmen getätigt hat, ist der Konzern gut positioniert, um die ersten Früchte des nachhaltigen Wachstums zu ernten.

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Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
155.80 -0.60 -0.38
54.65 -0.30 -0.55
1'709.00 -16.00 -0.93
49.05 -0.53 -1.07
864.50 -9.50 -1.09
37.89 -1.03 -2.65
30.49 -0.83 -2.65
40.23 -1.14 -2.76
56.25 -2.45 -4.17
375.50 -18.90 -4.79
Name Kurs +/- +/- %
75.63 0.04 0.05
23.75 -0.08 -0.31
47.38 -0.43 -0.90
52.58 -0.50 -0.94
37.91 -0.45 -1.17
29.34 -1.16 -3.79
39.32 -1.64 -3.99
MAN
78.14 -3.30 -4.05
8.39 -0.37 -4.26
14.64 -0.77 -5.00
Name Kurs +/- +/- %
14.35 0.53 3.84
14.40 0.48 3.41
25.14 -0.12 -0.46
67.79 -0.61 -0.89
47.38 -0.43 -0.90
0.70 -0.04 -4.80
9.50 -0.49 -4.90
4.71 -0.26 -5.14
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